TV-Porträt im BR

Mensch Springer: Kabarettist über seine Hilfe in Nahost

München - "Am Ende“, sagt Christian Springer, „siegt das Gute. Das weiß ich.“ Und bis dahin wird der 50-jährige Kabarettist weiterhin unermüdlich Menschen helfen, die von der Politik vergessen werden.

Reisefertig in den Libanon: Christian Springer am Münchner Airport.

Springers Verein Orienthelfer ist mehr als ein Projekt, es ist Springers Puls, Herzblut, der Rhythmus seines Lebens. In diesem Monat wird er drei Mal in den Libanon reisen – Syrien, wo Springer seit Jahrzehnten immer wieder war, ist zu gefährlich geworden. „Vor zwei Jahren sprach man von einer humanitären Katastrophe, jetzt gibt es keine Worte mehr für die Situation in Syrien“, sagt Springer beim Interview mit der tz.

Dabei spricht der Münchner deutlich, klar, aber ohne Verbitterung. Man fühlt sich nie schlecht in seiner Gegenwart. Er freut sich wie ein Kind um jede Spende. Sein Verein Orienthelfer hat bis heute über eine Million Euro gesammelt. Ein Großteil des Geldes spendeten Zuschauer nach einem Auftritt.

Für die tz öffnet der Ex-„Fonsi“ sein Foto-Album und erklärt einige Bilder. Der Bayerische Rundfunk sendet übrigens am Mittwoch um 19 Uhr in stationen ein Porträt des Mannes, der von sich sagt: „Für mich gibt es kein größeres Glücksgefühl, als anderen Menschen zu helfen.“

Matthias Bieber

Nacktes Elend

„Die meisten syrischen Flüchtlingsmütter haben im Libanon keine Windeln und kein Milchpulver. Sie können nicht stillen, ihre Brüste sind ausgemergelt. Die BR-Sternstunden haben unser Projekt finanziert: So können wir alle zwei Wochen 5000 Säuglinge zwischen 0 und 12 Monaten Windeln und Milchpulver bringen. Die Leute sind so höflich, so anständig – und so verzweifelt. Da mittendrin zu sitzen, ist nicht schön.“

Gruber macht mit

„Manchmal frage ich mich, warum ein bayerischer Kabarettist diese Hilfe leistet und nicht die Politik. Wer Banken rettet, kann auch Menschen retten – glaube ich zumindest. Monika Gruber war schon mehrmals mit mir vor Ort und hat auch ein eigenes Projekt gegründet, das Witwen und Waisenkindern eine neue Heimat schenkt.“

Rosi geht zur Schule

„Der Bär heißt Rosi und ist ein Geschenk von Schülern aus Abensberg. Jetzt ist sie das Maskottchen einer Schule mit 820 Kindern im Libanon, die wir komplett finanzieren. Der Bär hat eine Tasche, in der lagen hunderte Briefe der Kinder mit ihren Wünschen. Da treibt es mir die Tränen in die Augen. Bei der Eröffnung im September hatten die Kinder viel zu große Sachen an. Das Beste, was ihre Familien anzuziehen haben: von Opas Jacke bis Mamas Kleid.“

Brot für die Armen

„Alle zwei Tage verteilen wir in Wadi Khaled im Nordosten des Libanon Brot für 22 000 Flüchtlinge. Die Menschen sind so dankbar, und es ist mir peinlich, dass sie viele Plakate mit mir darauf aufgehängt haben. Viele fragen, wann ,Mr. Christian’ wiederkommt, weil sie sich bedanken wollen. Wir haben in die Krisengebiete etwa auch Matratzen gebracht. In manchen Gebieten ist es nachts so kalt, dass Kleinkinder im Flüchtlingszelt auf dem Boden festgefroren und gestorben sind.“

Viel mehr als ein Spielzeug

„Hier bin ich in einem großen Flüchtlingslager an der türkischen Grenze. Wir haben bisher insgesamt 160 000 Kuscheltiere verteilt. Kein Kind wird sein Kuscheltier jemals vergessen. Es ist kein Spielzeug, sondern ein Freund, ein Bruder, ein Vater und ein Psychologe. Kurz gesagt: eine starke Schulter. Heute kann ich nicht mehr in dieses Lager, weil es die ISIS besetzt hat. Ich hoffe, dass die Kinder noch dort sind und nicht verschleppt wurden. Aber es ist zu befürchten, dass sie auf eine Islamistenschule geschickt werden.“

Dreckiges Wasser

„Die Wassercontainer gehörten der UN. Ich war entsetzt, als ich erfuhr, dass die Flüchtlinge sie abkaufen mussten – die Kriegsgewinner pressen aus den Ärmsten noch etwas heraus. Ein großes Problem ist auch, dass das Wasser in den Tanks schmutzig ist. Wir versuchen, mit Leuten vor Ort zusammenzuarbeiten, das Wasser sauber zu halten und darauf zu achten, dass es nicht gefriert. Wir brauchen Leute vor Ort – es kann ja nicht sein, dass irgendwas los ist und ich erst vier Wochen später etwas unternehmen kann, wenn ich wieder da bin.“

Rubriklistenbild: © Springer

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