tz-Interview

Erotische Begegnung: Dieser Promi entlockte Ude ein "Öha"

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Öha – aber für die verbogene Laterne kann Ude natürlich nix bei der Einweihung des neuen Wedekindplatzes im Mai.

München - Alt-OB Christian Ude nennt seine neue Doppel-CD Öha! – Und andere Geständnisse. Grund genug, mit dem 68-Jährigen über dieses so vielschichtige und schillernde bairische Wort zu sprechen. Ab jetzt ist Öha! im Laden.

Herr Ude, wie kam’s zum Titel „Öha“ für Ihr neues Hörbuch?

Christian Ude: Dieses Wort kam mir vor zehn Jahren als allererstes über die Lippen, als mir im Treppenhaus des BR-Funkhauses Naddel entgegenkam. Eine prägende erotische Begegnung, wenn Sie so wollen. Ich könnte mich bis heute ohrfeigen, dass mir damals nichts Geistreicheres eingefallen ist als „Öha!“.

Wobei die Reaktion zumindest authentisch war. An welche Öha-Facette denken Sie als erstes, wenn Sie das Wort hören?

Ude: Erstens und zuallererst ist „Öha!“ die Bezeichung für ein wunderliches Erschrecken. Öha, damit habe ich gar nicht gerechnet! Dann gibt es etwa das anerkennende „Öha“, das von Gewicht und Größe spricht: Öha, das habe ich ihm oder ihr gar nicht zugetraut. Dann gibt es das zickige „Öha“ – da passiert etwas Unangenehmes. Oder etwa auch das herunterspielende „Öha“: Das war ja keine Absicht, das ist mir unangenehm. Das „Öha“ hat hier die Qualität einer Ausrede.

Das Wort „Öha“ ist also …

Ude: … das wohl grenzenloseste Wort im Bairischen überhaupt. Dabei aber liebenswert auch bei negativer Konnotation. Es hat nichts Einschüchterndes im Sinne von „Magst feng?!“ oder etwas Schadenfrohes und Rechthaberisches wie „Ätsch“. Ich finde es einfach nur erstaunlich, wie drei Buchstaben so unterschiedliche Stimmungen in einmaliger bayerischer und bairischer Prägnanz zusammenfassen können.

Ob das im norddeutschen und ostdeutschen Raum auch funktionieren wird, wo Sie ja demnächst gastieren werden?

Ude: Das ist tatsächlich völlig neu für sie, aber ich bin guten Mutes. Die Resonanz ist bisher so großartig, das Publikum geht so dermaßen mit, dass ich gar nicht anders als positiv gestimmt sein kann. Wie jetzt jüngst in Augsburg, zweimal ausverkaufter Biergarten. Da war es bei der Lesung so leise, dass man keinen Masskrug klirren und kein Besteckklappern mehr gehört hat.

Wäre eine Lesung nicht auch was für einen Münchner Biergarten? Man muss ja nicht mit dem riesigen Hirschgarten anfangen, sondern vielleicht eher mit der Hirschau …

Ude: Da haben Sie mit schlafwandlerischer Sicherheit ins Schwarze getroffen: Wenn ich eine Lesung im Münchner Biergarten mache, dann nur beim Wiggerl Hagn in der Hirschau! Hier kann ich mir gut Kabarett vorstellen, hier wird ja auch Dixie gespielt. Außerdem ist die Hirschau für mich gut mit dem Radl erreichbar. Also: Ich bin zwar demnächst unterwegs, auch in mittelgroßen bayerischen Städten, aber wenn der Wiggerl das Interview liest und noch ein Platzerl freihat, dann würde ich das schon einschieben können.

Vor wenigen Wochen erst hatte dietz in einem weiteren Interview mit Christian Ude gesprochen. Darin ging es um die tragischen Ereignisse am OEZ und neue Sicherheitsvorkehrungen. Das Interview mit Alt-OB Christian Ude finden Sie hier.

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