CSD 2016 in München

Schatten auf der bunten Party: "Der Hass nimmt zu"

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Am Wochenende ist wieder CSD in München.

München - Beim Christopher Street Day wird in der Regel bunt gefeiert. Doch das Fest hat auch seine Schattenseiten. Daran hat auch der Vorfall gegen Marcel Rohrlack nicht gerechnet.

Vor knapp einem Jahr wurde der Münchner Soziologiestudent Marcel Rohrlack (21) auf dem Heimweg vom Christopher Street Day von Unbekannten verprügelt. Und vor einem Monat kamen beim Anschlag auf den Pulse-Club in Orlando (USA) 50 Menschen ums Leben. Muss man als Schwuler wieder Angst haben?

Rohrlack sagt: „München ist eine sehr liberale Großstadt mit hoher Lebensqualität für Schwule, Lesben, Transgender und Transsexuelle. Doch homophobe und rechtsradikale Gruppen werden immer lauter, ihr Hass tritt stärker zu Tage.“

Es gibt Menschen, die Kundgebungen gegen schwule Lebensweisen durchführen wollen. Und im Internet wird hemmungslos gehetzt, sagt der Twen: „Als ich vor einem Jahr bei Facebook gepostet hatte, dass man mich verprügelt hatte, wurde ich zunächst von einer Solidaritätswelle überschüttet. Danach kamen so viele Hasskommentare, dass sie mittlerweile die solidarischen Posts bei weitem überwiegen.“

Marcel Rohrlack wurde nach dem CSD verprügelt. Er hatte Frauenkleider an.

Auch im Glockenbachviertel nähmen Beschimpfungen und Angriffe zu. Rohrlack beobachtet, dass führende Köpfe von Parteien und Organisationen wie AfD und Pegida die Hetze gegen Homosexuelle wieder gesellschaftsfähig zu machen versuchen. „Die haben alle etwas gegen Aufklärung und Vielfalt. Dabei ist Aufklärung gerade in der Schule wichtig, vor allem für die Betroffenen, die oft leiden.“

Ist hier der Islam für Homosexuelle eine Bedrohung? „Homophobie gibt es in allen Gruppen, sogar unter Homosexuellen. Leider missbrauchen viele Rechte Geschehnisse wie in Orlando, um ihre Hetze gegen Migranten voranzutreiben. Dabei haben sie selbst für Homosexuelle gar nichts übrig.“

J. Welte

Ein Schatten auf der bunten Party

Er ist bunt, er ist schrill, er ist eine gigantische Gaudi – der Christopher Street Day ist aus dem Münchner Stadtkalender nicht mehr wegzudenken. Auch wenn in jüngster Zeit dunkle Schatten über die Veranstaltung fallen: Feiern Sie die Vielfalt!

Am Samstag um 11 Uhr ist Eröffnung mit Stadtpolitikern auf dem Marienplatz. Mit dabei: Bürgermeister Josef Schmid. Nach den Worten die Taten: Die CSD-Parade startet! 87 Initiativen, Parteien, Gruppen oder Unternehmen sind mit dabei – Rekord!

Rund um die Mariensäule lockt ein buntes Programm mit viel Musik, auf dem Marienhof können die Kleinen auf der Hüpfburg toben, am Rindermarkt vergnügt man sich beim Open-Air mit Sound und Sachen zum Sattwerden. Ab 22 Uhr steigt an ungewöhnlicher Location – im Rathaus – die Mega-Party.

Sonntag geht die Feierei weiter – am Marienplatz und am Rindermarkt. Zum Ausklingen des wilden Wochenendes steigt im Bau (Müllerstraße) um 17 Uhr die CSD-Abschlussparty.

www.csdmuenchen.de

kab

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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