Corneliusbrücke

Streit um den Kini: Stadt prüft Denkmal-Wiederaufbau

München - Wird das Denkmal für König Ludwig II. an der Corneliusbrücke neu aufgebaut? Der Stadtrat wird am Dienstag wohl beschließen, für 120.000 Euro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben.

König Ludwig II.

Eigentlich ist die Monarchie seit 1918 passé. Darum wurde auch 1969 das im Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogene Denkmal für König Ludwig II. an der Corneliusbrücke abgebaut. Die CSU möchte es nun aber wieder aufbauen. Die SPD ist wenig begeistert, die Grünen sind komplett dagegen. Trotzdem wird der Stadtrat am Dienstag wohl beschließen, für 120 000 Euro eine Machbarkeitsstudie für die Rekonstruktion in Auftrag zu geben.

Von der Bronze-Statue für den Kini, der die Schlösser Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof errichtete, blieb nach dem Krieg nur der Kopf übrig, der Rest wurde eingeschmolzen. Die 170 Tonnen schwere Marmor-Nische, in der die 3,20 Meter große Bronze-Figur thronte, wurde 1969 abgetragen und im Bauhof eingelagert. Der Sockel wurde ebenfalls abgetragen.

2013 startete der Wirt der Deutschen Eiche, Dietmar Holzapfel, die Initiative, das Denkmal wieder zu errichten. 150 000 Euro versprach er als Anschubfinanzierung. Die Stadt kalkuliert aber alleine für die Rekonstruktion der Statue sowie für den Wiederaufbau des Denkmals mit 1,85 Millionen Euro. Der Sockel müsste neu errichtet werden. Ob die Bastion der Corneliusbrücke das statisch aushält, ist unklar. Darum schlägt die Verwaltung vor, untersuchen zu lassen, ob sie das Denkmal tragen kann und wie hoch die Kosten dann insgesamt sind.

CSU-Stadtrat Richard Quaas: „Es ist eh eine Schande, dass das Denkmal nach dem Krieg nicht mehr aufgebaut, sondern sogar abgerissen wurde.“ Die SPD ist eigentlich gegen das Projekt, will sich des Kooperationsfriedens zuliebe aber nicht gegen die 120 000 Euro teure Untersuchung stemmen. „Mal schauen, was dabei rauskommt. Ich denke, es wird unverhältnismäßig teuer“, so Fraktionschef Alexander Reissl. Für die Grünen ist das alles ein Unding: „Wenn der CSU und SPD die unhistorische Restauration des Denkmals eines Monarchen, der mit München nichts am Hut hatte, einen Millionenbetrag wert ist, muss man über nachhaltige Finanzpolitik nicht mehr reden.“

J. Welte

Pro

Ein schönes Monument!

Es wäre doch toll, wenn hier wieder ein so schönes Monument stehen würde. Ich bin gebürtige Münchnerin und meine mich noch an das alte Denkmal zu erinnern. Ich gehe gerne an der Isar spazieren, aber hier auf dem Balkon an der Corneliusbrücke ist viel Dreck. Eine Aufwertung wäre wünschenswert.

Maria Wild (73), Feldmoching

Den ganzen Platz aufwerten

Vielleicht müsste man das Denkmal nicht so groß machen, dass es den ganzen Platz ausfüllt. Der Kopf reicht eigentlich auch – aber der ist beschmiert. Den müsste man auf jeden Fall sauber machen und den ganzen Platz wieder herrichten.

Kristina Tiltz (44) aus Laim & Thomas Weninger (55) aus Haidhausen

Kontra

Antiquierter Kini-Kult

Ich fände es nicht gut, das Denkmal für den Kini wiederaufzubauen. Diesen Ludwig-Kult muss man nicht in die Zukunft transferieren. Toll fand ich, als letztes Jahr Kinder auf dem Balkon Blumen gezüchtet haben. Der Kulturstrand hat mir nie gefallen. Der Platz sollte für alle zugänglich bleiben.

Inge Kracht (63), Isarvorstadt


Der Platz ist schön, so wie er ist

Von mir aus braucht man keine weitere Erinnerung an König Ludwig. Es gibt schon genug Denkmäler. Außerdem finde ich den Platz schön, so wie er ist. Bei gutem Wetter komme ich fast jedes Wochenende hierher, setzte mich auf eine Bank und lese ein Buch – so wie heute auch.

Jèrôme Kirscher (33), Isarvorstadt

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