50 Münchner unter Beobachtung

Unheimliches Todesvirus in Schwabinger Klinik

+
Auf der Isolierstation in Schwabing liegt ein Patient mit dem neuen Coronavirus

München - In der Schwabinger Isolierstation kämpfen Ärzte um das Leben eines Arabers, der am gefährlichen Coronavirus erkrankt ist. 50 Münchner, die mit ihm Kontakt hatten, werden nun beobachtet.

Der Coronavirus

Das Virus scheint zwar nicht extrem ansteckend zu sein – aber ist es extrem tödlich: Weltweit sind erst 16 Infektionen mit dem neuen Coronavirus bekannt, neun Kranke starben. Jetzt schwebt auch ein Mann in München in Lebensgefahr! Die Gesundheitsbehörden überwachen rund 50 Menschen in der Stadt, die mit dem Patienten zu tun hatten. Für die Bevölkerung habe keine Ansteckungsgefahr bestanden.

Der Kranke liegt im Schwabinger Klinikum im Isolierzimmer mit Schleuse auf der Intensivstation. „Der Zustand ist klinisch kritisch“, sagt Infektiologie-Chef Prof. Clemens Wendtner. Der Patient muss künstlich beatmet werden.

Über den Kranken ist aus Datenschutzgründen nicht viel zu erfahren: Der 73-Jährige stammt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, auf der Halbinsel sind bislang fast alle Coronavirus-Infektionen aufgetreten. Am 10. März war er in Abu Dhabi in eine Klinik aufgenommen worden, vergangenen Dienstag traf er per Privatjet zur Behandlung an der Isar ein. Da war die Krankheit noch nicht bekannt, aber es ging ihm bereits so schlecht, dass er an ein Beatmungssystem angeschlossen war. Mit einem Intensiv-Krankenwagen ging es weiter nach Schwabing. Die Ärzte tippten schnell auf eine schwere Infektion und quartierten ihn auf der Isolierstation ein. Am Samstag schlug das Labor Alarm: Es ist tatsächlich das neue humane Betacoronavirus 2c EMC/2012!

Vor diesem bislang kaum erforschten Erreger warnt die Weltgesundheitsorganisation seit einem halben Jahr: Das Virus gehört zur gleichen Familie wie der SARS-Erreger. „Die Ansteckungsgefahr ist aber nicht zu vergleichen“, sagt Prof. Wendtner. Der Patient liegen darum nicht in der höchsten Isolationskategorie für Ebola oder SARS, sondern in der zweithöchsten. „Aber die Sterblichkeit ist bei den Betroffenen sehr hoch.“

Nach neuesten Studien könnte die Krankheit vor allem im Nahen Osten von Tieren auf den Menschen übertragen werden – möglicherweise über Staub mit kontaminierten Partikeln von getrockneten Exkrementen der Fledermaus oder über den direkten Kontakt damit.

Ob und wie sich das Virus von Mensch zu Mensch überträgt, ist nicht geklärt: Im ersten deutschen Fall im Herbst 2012 gab es keine weitere Infektion. Da war ein 45-Jähriger aus Katar in Essen behandelt worden und wieder genesen. Jüngst hatte sich aber ein Brite in Pakistan oder Saudi-Arabien angesteckt. Nach seiner Rückkehr erkrankten zwei jüngere Familienmitglieder, der 38-jährige Sohn starb.

Darum beobachtet das Gesundheitsreferat der Stadt derzeit rund 50 Personen in München – vor allem Angehörige und Klinik-Mitarbeiter. Diese Kontaktpersonen sind wegen der bislang nicht sehr großen Ansteckungsgefahr nicht isoliert: Sie können sich frei bewegen, die Klinik-Mitarbeiter sind im Dienst. Alle müssen eine Blutprobe abgeben und täglich bei der Behörde melden, ob sie unter Symptomen leiden. Nach derzeitigem Wissensstand wären sie erst dann ansteckend. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, beruhigt Prof. Wendtner. Der Kreis sei mit Absicht sehr groß gezogen worden. „Bislang zeigt keiner Symptome.“ Ein weiterer Kontakt des Kranken zur Bevölkerung sei nicht nachvollziehbar.

David Costanzo

tz-Stichwort Coronavirus

Die meisten der kranz­artigen Coronaviren sind harmlos: Sie verursachen Schnupfen. Mit dem tödlichen Abkömmling SARS hat die Menschheit vor zehn Jahren Bekanntschaft gemacht – rund 1000 Infizierte starben. Jetzt fragen sich die Forscher: Wie gefährlich kann das neue Coronavirus werden? Infizierte klagen nach drei bis zehn Tagen über Unwohlsein, Fieber bis hin zu schwersten Lungenentzündungen. Es wurden auch milde Fälle beobachtet. Das Robert-Koch-Institut bewertet das Risiko für Kontaktpersonen als „gering“, für die Allgemeinbevölkerung als „extrem gering“.

auch interessant

Meistgelesen

Legendäre Münchner Biermarke kehrt zurück
Legendäre Münchner Biermarke kehrt zurück
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Der große Test: So schmeckt‘s auf dem Tollwood
Der große Test: So schmeckt‘s auf dem Tollwood
Mal ernsthaft. Wie soll ein 27-Jähriger in München fürs Alter vorsorgen?
Mal ernsthaft. Wie soll ein 27-Jähriger in München fürs Alter vorsorgen?

Kommentare

grantscherbenAntwort
(3)(0)

gut, dann haben wir hier einen Touri weniger

TrollAntwort
(0)(0)

*anshirnlang*

HansAntwort
(3)(0)

Schon mal in Deutschland vom Arzt nicht behandelt worden? Und was ist bitte der Unterschied zwischen einem normalen und einem unnormalen Deutschen? Ich bin inerster Linie Mensch!