Olympiapark: So teuer wird die Sanierung

München - Bei der Sanierung des Olympiaparks rechnet das Rathaus mit Kosten von bis zu 85,7 Millionen Euro. Doch drastische Steigerungen sind nicht unwahrscheinlich.

Der Olympiapark war 1972 die weltweite Kathedrale des Sports. Und wie es mit Kathedralen so ist, wurde das denkmalgeschützte Ensemble aus der Feder des Architekten Günter Behnisch eine Dauer-Baustelle und ein schieres Fass ohne Boden für die städtische Finanzen. Am Montag bezifferte das Rathaus auf Anfrage der CSU die anstehenden Sanierungskosten auf mindestens 85,7 Millionen Euro.

Diese Summe könnte noch ganz erheblich steigen, weil alleine beim Zeltdach mittel- bis langfristig ein „bis zu dreistelliger Millionenbetrag“ fällig werden könnte! Und dann käme noch der gewünschte Neubau zweier Hallen für weitere 116 Millionen Euro hinzu. Dabei hatte die Stadt in den vergangenen Jahren schon 118 Millionen für Um- und Neubauten genehmigt, die großteils schon erledigt sind – so etwa der Neubau der kleinen Olympiahalle für 30 Millionen Euro sowie der Umbau der großen Olympiahalle für 67 Millionen die eine neue abgehängte Decke, neue Kioske und ein neues Restaurant bekam. Doch im Keller der Halle müssten alte Asbestplatten abgestützt werden, Brandschutztüren seien marode, Kabelstränge lägen offen, Fluchtwege genügten den aktuellen Bestimmungen nicht mehr.

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Das bedeute, dass weiter 34 Millionen Euro fällig würden. Wieso der Olympiapark stets mehr Geld als geplant verschlingt? Die Stadt erklärt das mit der schwierigen baulichen Situation in dem Ensemble, den mangelnden Erfahrungen bisher und mit fehlenden alten Unterlagen: „Der tatsächliche Sanierungsbedarf wird erst bei einer hohen Planungstiefe deutlich.“

Eventarena

Anstelle des alten Radstadions war für die Olympischen Winterspiele eine Eishalle geplant, die danach zur Mehrzweckehalle umgerüstet werde sollte. Kostenpunkt: 78 Millionen Euro. Die Planungen sind noch nicht aufgegeben.

Olympiahalle

Nach einem aufwändigen Umbau im Innenraum tauchte hier überraschend neuer Sanierungsbedarf beim Brandschutz auf. Auch die Betriebstechnik muss aufgerüstet werden. Hier gingen die ersten Schätzungen von 30 Millionen Euro aus, mittlerweile sind es 34 Millionen.

Zeltdach

Das Zeltdach des Olympiazentrums könnte langfristig sehr viel Geld verschlingen. Zwar spricht das Rathaus derzeit von einem Sanierungsbedarf in Höhe von „nur“ 1,7 Millionen Euro. Mittel- bis langfristig könnte es aber ein „bis zu dreistelliger Millionenbetrag“ werden.

Olympiastadion

Die Arena hat einen Sanierungsbedarf von mindestens 48 Millionen Euro. Brandschutz- und Betriebstechnik werden 30 Millionen verschlingen, acht Millionen Euro der Betonplatten-Belag. Ehrengastbereich und Gesundheitspark verschlingen 10 Millionen Euro.

Olympiaturm

Dem von 1965 bis 1968 errichteten Fernsehturm mit einer Höhe von 291,18 Metern steht noch eine Sanierung der Betriebstechnik bevor. Hier listet das Rathaus einen Kostenbedarf von einer Million Euro auf. Die Summe geht auf eine Grobschätzung von vorigem Jahr zurück.

Abu Daud und das Olympia-Attentat von 1972

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Außenanlagen

Was man von außen nicht sieht: Unter dem Olympiapark verläuft ein ausgedehntes Netz an Kanalrohren und Wasserleitungen. Hier ist nach 40 Jahren eine Kontrolle und Reparatur undichter Stellen unausweichlich. Dafür wird derzeit eine Million Euro veranschlagt.

Eissportzentrum

Das Eissportzentrum ist völlig veraltet . Für die Olympischen Winterspiele wurde eine neue Halle für rund 38 Millionen Euro geplant. Obwohl die olympischen Pläne vorerst geplatzt sind, hat sich die Stadt von diesem Neubauprojekt noch nicht verabschiedet.

Johannes Welte

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