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Die sieben Besten: Das sind München Top-Boutiquen

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Auf 330 Quadratmetern zeigt ­Marion Heinrich ihre edle Mode. Im Erdgeschoss liegt der erste Chloé-Franchise-Store Deutschlands.

München - Die tz stellt sie vor: Das sind Münchens sieben Top-Boutiquen.

Wo tafelt die Münchner Prominenz, und wo kauft der Geldadel ein, wenn er nicht nur Couture, sondern eine ganze Villa braucht? Wo lässt man sich ­stylen? Und wer sind die letzten Paradiesvögel? Die tz-Klatschredaktion ist diesen Fragen nachgegangen – bei echten Münchner Institu­tionen, die wir aus vielen Gesprächen mit der Haute­volee kennen. Die Auswahl ist durch und durch subjektiv – ganz nach dem Schickeria-Motto: In ist, wer drin ist. Und wer draußen ist, ist auch nicht out!

Theresa: Trendsetterin für München

An ihren Schaufenstern drückten sich die Münchnerinnen einst die Nase platt. Als Susanne Botschen 1987 ihren ersten Theresa-Laden in der Theatinerstraße aufmachte, begann man zu ahnen, was in den großen Modemetropolen wie Paris, Mailand, New York und London abging. Da hingen plötzlich Kleider von Prada und Alexander McQueen, asymetrische Oberteile von Dries van Noten, Schuhe von Marc Jacobs, Taschen von Céline – alles Designernamen, die Frau sonst nur aus den Hochglanzmagazinen kannte.

Botschen erfüllte sich mit der Eröffnung ihrer ersten Boutique (später zog sie an die Fünf Höfe) einen Traum – Ehemann Christoph kümmerte sich ums Finanzielle. Eine Erfolgsstrategie: 2006 gründeten sie das Onlineportal mytheresa.com, das alle großen Labels wie Prada, Stella McCartney und Balenciaga genauso führt wie die Kreationen von Nachwuchsdesignern wie Ganni oder Jacquemus. ­2014 verkauften sie ihre Firma für rund 150 Millionen Euro an den US-Moderiesen Neiman Marcus unter der Bedingung, dass sich nichts ändert. Und so behält München sein Modeparadies.

Marion Heinrich: Die Modekönigin

Tack, tack, tack – mit schnellen Schritten kommt Shop-Inhaberin Marion Heinrich auf schicken High Heels um die Ecke in ihrem großen Geschäft an der Residenzstraße 18. Perfekt gestylt und geschminkt. Schwarzes Kleid von Alaïa – ein tunesischer Designer, der von den Stars weltweit verehrt wird. „Meine Lieblingsfirma – vor allem beim Reisen. Die Kleider knuddeln nicht“, erklärt sie der tz, und das ist auch wichtig, weil sie dauernd unterwegs ist. „Ich komme gerade aus Paris.“ Davor war sie in Mailand und in New York. Immer auf der Suche nach den neuesten Trends.

Eigentlich wollte sie kürzertreten. „Aber es ist so schwierig, einen guten Einkäufer zu finden.“ Also macht sie es lieber selbst. In ihrem Shop hängt Mode von Viktoria Beckham, Céline, Joseph und the Row, dem Label der amerikanischen Olsen-Zwillinge, die sie sogar nach München gelockt hat, wie auch den Schuh-Papst Manolo ­Blahnik, der Ende letzten Jahres sein Buch bei ihr vorstellte.

Alles begann in Mönchengladbach, wo sie schon als Kind ihre Leidenschaft für Mode entdeckte. Es folgte ein kurzes Studium zur Textilingenieurin, das sie abbrach, weil sie 1966 Miss Germany wurde, ihren Mann traf und heiratete. „Die Ehe hielt leider nicht.“ Es folgte ein dramatischer Sorgerechtsstreit um ihren Sohn, denn ihr Mann, gebürtiger Serbe, wollte, dass das Kind bei ihm in Zagreb lebt. Doch sie bekam recht, zog mit dem damals Siebenjährigen nach München und eröffnete ihren ersten Shop 1976 in der Feilitzschstraße. „Ich musste dafür aber erst mal einen Kredit aufnehmen. Ich bin dem Bankberater heute noch dankbar, dass er dafür seinen Kopf hingehalten hat“, sagt sie. „Schließlich hätte es auch schiefgehen können.“ Sie arbeitete schon damals mit Luxusmarken wie Mugler. „Ich hatte Mode im Geschäft im Wert von über 100 000 Euro.“

Doch sie hat Erfolg, und so zieht sie 1987 in die Falckenbergstraße 9. 1991 macht sie ein Kenzo-Geschäft auf, das sie 2004 abgibt, und 1996 das erste Gucci-Geschäft in ganz Deutschland, das sie bis 2008 behält. „Ich bin damals einfach zu Guccis Firmensitz nach Florenz gefahren, habe einen Termin mit Geschäftsführer Domenico del Sole gemacht und ihn tatsächlich überzeugt“, sagt das ehemalige Model, das manchmal selbst nicht glauben kann, welchen großen Erfolg sie hat. Die Modebibel Vogue nannte sie einmal die „Grande Dame des Münchner Labelshoppings“. Und noch ein Coup gelang ihr, indem sie den britischen Stardesigner Tom Ford nach München holte, dessen Mode sie in ihrem ehemaligen Shop in der Falckenberg­straße verkauft. Sie hat ein Händchen für Trends. Ihr Ausblick auf diese Saison? „Ach, das wird kuschelig. Seidentops im Negligé-Stil, kombiniert mit dünnen Kaschmir-Pullis in hellen Farben. Und daneben wird es aber auch wieder sehr bunt im Hippie-Stil“, erklärt sie wie aus der Pistole geschossen. Ein Profi eben, der seine Liebe zur Mode lebt und noch lange nicht ans Aufhören denkt.

Les Petits: Luxus für die Kleinen

Gründerin Beatrice Schmitz (Mitte) mit ihrem Sohn Michael, der das Geschäft führt, und dessen Frau Diana. Unten der Gästebucheintrag von Gert Fröbe

Fendi, Dolce & Gabbana, Gucci, Dior und kleine Daunenjacken von Moncler – all das findet die Luxusmama für die Allerkleinsten bei Les Petits (Altenhofstraße 1) hinter Dallmayr. „Unsere Kundschaft ist international, zum Beispiel aus Russland und Saudi-Arabien, aber auch immer mehr junge Münchner Familien suchen bei uns etwas für die Kleinsten“, erklärt Inhaber ­Michael Schmitz. „Mein Vater hat das Geschäft 1969 eröffnet. Damals gab es hochwertige Kindermode nur in Italien. Diese Marktlücke in Deutschland erkannte er, gab seinen Job als Werbespezialist auf und eröffnete unser Geschäft.“

Eine Babydaunenjacke von Moncler geht bei circa 260 Euro los. Ein Cashmere-Anzug liegt bei circa 300 Euro. Nicht ganz billig, aber eben dennoch gefragt. Michaels Mutter Beatrice Schmitz, die heute noch mit im Geschäft steht, erinnert sich: „Viel Adel kam damals zu uns, aber auch Schauspielgrößen wie ­Mario Adorf, Gert Fröbe oder Roger Whittaker, die sich alle in unserem Gästebuch verewigt haben.“ Design gibt’s eben nicht nur für Große.

Pool: Mode und Musik ergänzen sich

Unkonventionell und cool ist der Stil bei Pool (Maximilianstr. 11). Mitinhaber Cambis Sharegh trägt einen selbst designten Kapuzenpulli. Sein Credo: Mode folgt auch der Musik. So eröffnete er mit nur 21 Jahren in der Müllerstraße sein erstes Geschäft. „Im Laden machte ein DJ Musik. So etwas gab es früher noch nicht“, erklärt Cambis schmunzelnd. „Der Boden war weiß-blau gekachelt und vor die Tür haben wir eine Badewanne gestellt“, erinnert er sich. „Damit war der Shop-Name Pool geboren. Außerdem bin ich gebürtiger Perser, und auf Persisch bedeutet Pool Glück.“

Große Brille und dunkler selbst designter Pullover. Das ist Cambis Shareghs Look.

Glück hatte er allemal. Heute hat er zusammen mit Mitinhaber Peter Hannewald rund 40 Angestellte, 650 Quadratmeter an der Maximilianstraße und seit 2007 einen Online-Store. Sogar als Designer ist Cambis seit Kurzem tätig – in Zusammenarbeit mit MCM und seit dieser Saison mit einer komplett eigenen Kollektion namens Super Légère.

Kein Wunder, dass Pool auch in Berlin gefragt ist. „Sie hätten uns gerne dort. Aber ich habe abgelehnt. München ist meine Heimat.“ Obwohl der Stil hier etwas konservativer ist, lieben seine Kunden die lässige und dennoch schicke Auswahl an Klamotten von Givenchy, Saint Laurent, Rick Owens, Moschino oder Newcomer wie Amiri aus L.A. Zu seinen Kunden zählen Pep Guardiola, Heidi Klum und US-Pop-Star Usher. Wohin geht’s in der aktuellen Saison? „Feinste Materialien, kombiniert mit avantgardistischen Schnitten, und bei Frauen kommt auch wieder die Oversized-Jeans zum schmalen Top.“

Yousefy: Näschen für Newcomer

Sabine Yousefy mag farbenfrohe Designs.

Ein echtes Nordlicht hat sich in München seinen Traum erfüllt: „Seit 2007 arbeite ich für mich“, sagt die quirlige Inhaberin von Yousefy (Promenadenplatz 11), Sabine Yousefy. Alles begann in ihrem Heimatort Husum an der Nordseeküste. „1981 habe ich dort ein kleines Geschäft eröffnet und mir das Handwerk autodikatisch beigebracht.“ Nach sieben Jahren setzte sie ein Modestudium in Stuttgart drauf, dann zog sie nach München.

Es folgte eine Zeit bei Versace, Theresa und Sarajo, bis sie sich selbstständig machte. „Das Wichtigste bei uns ist, dass die Mode tragbar ist, aber nicht langweilig wirkt.“ Ihre Kundschaft sind Frauen, die mitten im Leben stehen und sich nicht über große Marken definieren. Deswegen gibt es bei ihr zum Beispiel kein Prada, Balenciaga oder Victoria Beckham. „Wir versuchen, junge neue Designer zu finden, die noch nicht so etabliert sind.“ Eine ihrer Lieblingsmarken ist gerade Sly010 aus Berlin. Der Trend für die aktuelle Saison ist defintiv bunt. Auf den Punkt sagt sie: „Afrika und Hippie!“

Mohrmann Basic: Glückliche Kundinnen

Angefangen hat sie mit Dessous und Bademode. Heute findet man alles bei Nicole Mohrmann.

Mohrmann Basic (Fünf Höfe) soll man glücklicher verlassen, als man zuvor reingekommen ist. „Mein Konzept ist fröhlich“, so Inhaberin Nicole Mohrmann. Bunte Kleider, filigrane Ketten, Basttaschen, Bikinis und Schuhe bei ihr findet Frau Mode zu erschwinglichen Preisen. „Ich liebe Dinge, die schön sind, unabhängig von klassischen Designermarken.“

Sie selbst hat eine klassissche Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht und danach unter anderem lange bei Theresa gearbeitet. Dann der Schritt in die Selbstständigkeit vor fast 15 Jahren: „Das war schon erst mal anstrengend, denn als ich den Vertrag für die Räumlichkeiten unterschrieben habe, war ich hochschwanger.“ Sie habe dann den Start des Ladens mit Baby auf dem Arm gemanaged, erklärt die Powerfrau schmunzelnd. Zwei weitere Stores gibt es noch, und auch übers Internet vertreibt sie ihre Mode. Ihr Tipp für den Sommer? „Große Muster im Hippie-Stil der 70er, aber modern interpretiert.“

Irma Mahnel: Groß geht auch schick

Dorothée Mahnel findet für jede Figur etwas Passendes.

Auch große Größen können schick und modern sein! Das beweist Dorothée Mahnel mit ihrem Geschäft Irma Mahnel am Odeonsplatz 12. „Schon seit 1988 habe ich den Shop in diesen Räumlichkeiten. So lang ist noch keiner hier ansässig“, erklärt Dorothée Mahnel stolz.

Ihre Mutter Irma hat die Marke gegründet. Die gelernte Schneiderin erkannte die Marktlücke. In den 80er-Jahren gab es nicht viel Schönes in Plusgrößen. Heute führen sie neben ihrer eigenen Marke auch andere Kollektionen, sofern die Qualität stimmt.

„Unsere Mode zeigt bei perfekter Passform auch Silhouette“, erklärt Dorothée Mahnel. Für ihre eigenen Entwürfe werden die Stoffe bei den renommierten italienischen und französischen Webereien eingekauft, so gibt es zum Beispiel Spitzenjacken aus einer Qualität, die auch in der Kollektion von Valentino Verwendung findet. Ihr Tipp für den Sommer? „Tuniken-Jacken in leichter Qualität.“

Von Sandra Brockötter

Sandra Brockötter

Sandra Brockötter

E-Mail:Sandra.Brockoetter@tz.de

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