Deutsche Bahn

Falsches Radl-Ticket machte Mann zum Schwarzfahrer

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Eine falsche Fahrkarte fürs Radl machte ihn zum Schwarzfahrer: Werner Krines (re.) mit Bürgeranwalt Dietmar Gaiser muss 60 Euro zahlen.

München - Wieder mal war der Bürgeranwalt zur Stelle, um verschiedenen Lesern bei ein paar Problemen zu helfen. Lesen Sie hier die Fälle von dieser Woche.

Frage: Dieser Tage war ich mit dem Fahrrad in der S-Bahn unterwegs. Ich habe wie seit Jahren auf meiner Streifenkarte einen Extra-Streifen für die Beförderung des Rades gestempelt. Natürlich hatte ich kein schlechtes Gewissen, als ich kontrolliert wurde. Aber die Kontrolleure sagten mir, inzwischen dürfe man Fahrräder nicht mehr für einen Streifen auf der Streifenkarte mitnehmen, sondern müsse einen extra Fahrschein lösen. Der kostet zwar genauso viel wie der Streifen, aber er sieht anders aus. Und deswegen müsse ich 60 Euro Strafe zahlen. Auf mein Argument, ich hätte ja bezahlt und die Bahn habe keinen Schaden, ließ er sich nicht ein.

Werner Krines (73), Rentner aus Haar

Antwort: Zugegeben: Es ist einige Jahre her, dass man Fahrräder per Stempeln einer Streifenkarte in der S-Bahn mitnehmen konnte. Aber Werner Krines fuhr bisher wenig S-Bahn und hat es eben so gemacht wie früher auch. Außerdem hat er ja bezahlt. Der Kontrolleur, der ihm die 60 Euro abverlangte, hatte anscheinend auch kein gutes Gefühl, denn er empfahl dem tz-Leser, Einspruch einzulegen.

Werner Krines ging also zum S-Bahn-Service-Center im Hauptbahnhof. Dort zeigte man auch Verständnis, aber man verwies ihn an die Fahrpreisnacherhebungsstelle in Baden-Baden. Also schrieb Werner Krines dorthin. Die Antwort war schlicht und eindeutig: „Wir befördern Fahrräder zu festgelegten Zeiten und in besonders gekennzeichneten Bereichen des Zuges. Sie benötigen dafür eine Fahrrad-Tageskarte. Überweisen Sie bitte 60 Euro.“

Werner Krines war empört und schrieb zurück, schließlich habe er den Preis für das Fahrrad bezahlt, auch wenn er die falsche Karte gestempelt habe. Außerdem müsse es doch auch so etwas wie eine Verwarnung mit einer entsprechend niedrigeren Gebühr geben. Die Antwort war genauso formal und bürokratisch wie die erste: „Entwertete Streifenkarten können nicht als Fahrradkarte anerkannt werden. Überweisen Sie bitte die 60 Euro.“

Nun schaltete sich das Team des Bürgeranwaltes ein. Wir legten den Fall der Pressestelle der Deutschen Bahn vor und hofften auf eine kulante Lösung. Aber auch von dort kam nur die lapidare Antwort: „Auch wenn vom Wert her kein Schaden entstanden ist, sehen wir keine Veranlassung, im vorliegenden Fall auf die Fahrpreisnacherhebung zu verzichten.“

So viel zur Kundenfreundlichkeit der Bahn.

Ohne München-Pass wird’s teuer

Titlaya O. erzählt Reporterin Susanne Sasse ihren Fall.

Frage: Ich bin Flüchtling aus Nigeria. Im Sommer wurde ich in der S-Bahn München kontrolliert. Zwar hatte ich eine gültige Fahrkarte, doch hatte ich meinen München-Pass nicht verlängert. Ich bekam keinen Zettel über eine Fahrpreisnacherhebung. Meine Deutschlehrerin rief bei der Deutschen Bahn an. Man sagte ihr, wenn ich keinen Zettel bekommen hätte, werde weiter nichts passieren. Am Tag nach der Kontrolle verlängerte ich meinen München-Pass. Dann aber kam eine Zahlungsaufforderung. Meine Deutschlehrerin rief wieder an und schilderte meine Sicht. Dann hörte ich nichts mehr, bis ich dann das Schreiben eines Inkassobüros bekam: Ich sollte 124,86 Euro bezahlen. Immerhin konnte ich aushandeln, dass ich die Summe in Raten von je 20 Euro abbezahle. Es ist aber sehr viel Geld für mich, können Sie helfen? 

Titlaya O. (52), München

Antwort: Die tz wandte sich an die Deutsche Bahn mit der Bitte, den Fall doch noch einmal zu überprüfen. Denn auch wenn die aus Nigeria geflüchtete Frau inzwischen dank intensivem Deutschunterricht das Alltagsdeutsch gut versteht, fällt es ihr nach wie vor noch schwer, sich auszudrücken.

Die Bahn erklärte in ihrer Stellungnahme, dass es nicht reiche, den München-Pass am Tag nach der Kontrolle zu verlängern. Das erhöhte Beförderungsgeld sei zu Recht ergangen, schreibt die Bahn: „Eine nachträgliche Anerkennung von Fahrkarten oder zugehörigen Bescheinigungen kann aber nur anerkannt werden, wenn sie zum Zeitpunkt der Kontrolle vorlagen. Das kommt zum Beispiel immer wieder bei Zeitkarten oder Bescheinigungen vor, die der Fahrgast vergessen hatte, die aber zum Zeitpunkt der Kontrolle gültig waren.“

Doch ließ die Bahn mit sich reden. Der Bahnsprecher erklärte: „Nach erneuter Prüfung des Vorgangs haben wir uns dazu entschlossen, auf die Mahn- und Inkassogebühren zu verzichten. Damit möchten wir nicht zuletzt auch die Bemühungen der Betreuer anerkennen. An der ursprünglichen Fahrpreisnacherhebung halten wir aber fest. Frau O. erhält in den nächsten Tagen ein ­Schreiben, in dem sie über den neuen Zahlungsbetrag informiert wird. Es stehen danach nur noch zwei Ratenzahlungen über je 20 Euro aus.“

Titlaya O. ist froh über den Nachlass. Sie wird künftig immer genau darauf achten, einen gültigen Fahrschein zu haben. 

Zum Artikel vom 29. Juli: Kulante Lösung der Bank

Ich hatte einen Fehler mit meiner Kreditkarte gemacht, der mich effektiv beinahe 4600 Euro gekostet hätte. Die Karte wurde mir gestohlen, man räumte mein Konto leer. Es fehlten 1600 Euro Guthaben, außerdem hat man das Konto mit 3000 Euro überzogen. Ich habe das damals sofort meiner Bank gemeldet. Jetzt zahle ich Überziehungszinsen und stottere meine Schulden ab – was mir schwerfällt, denn ich habe nur eine kleine Rente. Als ich mich an den Bürgeranwalt wendete und der die HypoVereinsbank auf die Sache nochmals ansprach, zeigte sich die tatsächlich kulant, sodass der finanzielle Schaden für mich jetzt nicht ganz so groß ist. Vielen herzlichen Dank für den guten Bericht und den enormen Einsatz für einen treuen Leser.

Josef Grimm (81), Rentner aus München

Zum Artikel vom 30. September: Gerettete Himalaya-Tour

Der Artikel über die beinahe missglückte Trekking-Tour zum Everest-Basiscamp war sehr gut geschrieben, vielen Dank dafür. Ich habe mich sehr gefreut und ihn auch gleich an meine Reisegruppe geschickt. Nachdem jetzt nach dem Beinahe-Urlaubsfiasko ein paar Tage vergangen sind, muss ich sagen, der Urlaub war unglaublich eindrucksvoll und spannend. Aber die Probleme mit dem Reiseveranstalter schweben immer noch wie eine dunkle Wolke über der Erinnerung an die tolle Zeit. Ich möchte gar nicht daran denken, was ich ohne die Hilfe der tz gemacht hätte und wie die Geschichte dann letztlich ausgegangen wäre.

Franziska Braun (23), Palliativpflegerin aus München

Zum Artikel vom 8. Juli: Ärger mit Immobilienportal

Vielen Dank, dass mich die tz dabei unterstützt hat, mich gegen die neuerliche Forderung des Internet-Immobilienportals zu wehren. Ich hatte ursprünglich nur eine Anzeige für zwei Wochen gebucht und darum sehe ich nicht ein, dass ich hier noch wochenlang weiterzahlen soll, obwohl ich gar nicht damit einverstanden bin, dass sich der Vertrag einfach automatisch verlängert. Ich war wirklich höchst erstaunt und sehr positiv überrascht, was meine Anfrage beim Bürgeranwalt ausgelöst hat: Erstens bekomme ich mein zu viel abgebuchtes Geld zurück und zweitens befasst sich nun auch die Verbraucherzentrale Bayern mit dem Fall, da der Hinweis auf die Kündigungsmöglichkeit viel zu versteckt ist, und kündigt Konsequenzen an.

Margot Leinhase

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