Bahn-Streik der GDL

Münchner Lokführer: Darum kämpfen wir!

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Lokführer Erik Großmann (30).

München - Erik Großmann (30) aus München ist einer derjenigen, die am Freitag statt im Führerstand einer Lokomotive im Bus zur Streikkundgebung nach Berlin fuhren. Warum legte er mit seinen Kollegen den Bahnverkehr lahm?

 „Weil wir fünf Prozent mehr Gehalt haben wollen“, so der Lokführer. „Die Lebenshaltungskosten steigen – und wir tragen viel Verantwortung. Wir haben das verdient.“

Großmann ist 30 Jahre alt, Single und arbeitet im Auslandsfernverkehr, er fährt Güterzüge bis nach Italien. Das heißt: „Die Schichten können zwischen 0 und 24 Uhr beginnen, einen Tag geht es um 0.43 Uhr los, den nächsten um 14.38 Uhr und den übernächsten 22.17 Uhr.“ Ein Schicht-Chaos. „Und dann schlafe ich einen Tag in Tarvisio in, den nächsten in Fulda und den übernächsten in Mannheim.“

Und die Verantwortung? „Man vergleicht uns ja gern mit Piloten. Tatsache ist, dass unsere Arbeit weniger automatisiert ist als die eines Piloten.“ Als Auslandslokomotivführer muss Großmann drei verschiedene Sicherungssysteme beherrschen. „Und die Geschwindigkeit bestimmt der Lokführer auch.“ Die Kollegen in einem ICE oder einer S-Bahn hätten durchaus schon mal 1500 Menschen an Bord – mehr, als in drei Jumbo-Jets passen. Und jederzeit müssen Lokführer damit rechnen, dass ein Lebensmüder vor ihren Zug springt.

Lob für GDL-Chef Weselsky

Großmann verdient 2800 Euro brutto im Monat, netto 1730 Euro. „Ich habe noch Glück, eine Eisenbahnerwohnung bekommen zu haben für 500 Euro, andere Kollegen haben das nicht.“ Dazu gehören auch die Zugbegleiter und Bordgastronomen, für die die GDL jetzt ebenfalls streikt. „Diese Kollegen verdienen netto 1500 bzw. 1300 Euro netto in der Steuerklasse 1. Und dafür dürfen sie sich mit betrunkenen Fahrgästen herumschlagen, manchmal werden sie angegriffen.“

Die Konkurrenzgewerkschaft EVG, die 2010 aus der Fusion der Transept mit der Beamten-Verkehrsgewerkschaft GDBA hervor ging, habe sich während der Privatisierung stets als arbeitgeberfreundlich erwiesen. Schon die Transnet habe Leiharbeiter als Lokführer und Stundenlöhne von 7,50 Euro zugelassen. Großmann: „Wir mussten das alles als GDL wieder wegstreiken.“ Unvergessen sei auch, dass Transnet-Chef Norbert Hansen 2008 als Personalchef zur Bahn wechselte. „So ein Angebot hat unser GDL-Chef Claus Weselsky auch bekommen, er ist aber standhaft geblieben.“

Johannes Welte

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