Online-Versand

In München: Amazon testet Paket-Schließfächer

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Rund um die Uhr-Test: Die Amazon-Schließfächer an der Shell-Tankstelle Nymphenburger Straße.

München - In München können Amazon-Kunden ihre Pakete nun auch an Schließfächern abholen. Seit Juli bietet der Online-Riese diesen Service an zehn Standorten im Stadtgebiet an. Es ist ein deutschlandweit einmaliger Test. Die Schließfächer stehen ausschließlich an Shell-Tankstellen.

Sie sind gelb, schrankwandgroß und heißen im Fachjargon „Locker“. An zehn von etwa 30 Münchner Shell-Tankstellen im Stadtgebiet stehen die automatischen Schließfächer. Kommt ein Paket an, schickt Amazon eine Benachrichtigung per E-Mail. Wer seinen Abhol-Code einscannt oder ihn manuell am Bildschirm eintippt, dem öffnet sich das zugeteilte Schließfach automatisch. Kunden können den Standort dieser Locker nun als Alternativ-Adresse oder als direkte Lieferadresse angeben, wenn sie bei Amazon einkaufen. Die Bestellung kann drei Werktage rund um die Uhr abgeholt werden. Versäumt es der Kunde, innerhalb dieser Zeit die Lieferung zu holen, geht das Paket zurück an Amazon.

Nicht jedes Paket eignet sich für das Schließfach. Die Maximalgröße ist beschränkt auf 42 Zentimeter (cm) Länge, 35 cm Breite und 32 cm Höhe. Das Maximalgewicht ist beschränkt auf 4,5 Kilogramm. Bekanntgemacht wurde der seit Juli laufende Münchner Testversuch durch István Kapitány, Chef des weltweiten Tankstellennetzes bei Shell. Amazon wolle auf diese Weise unabhängig von traditionellen Dienstleistern wie DHL Sendungen zustellen können, so Kapitány. Denn herkömmliche Lieferdienste seien zu Spitzenzeiten ausgelastet. Der Online-Händler bietet mithilfe der Locker eine Erleichterung für seine Kunden, die auf diese Weise nicht zu Hause sein müssen, wenn ihre Bestellung ankommt.

Amazon baut sich derzeit ein eigenes Lieferdienst-Netzwerk auf. Darauf deutet auch der Umstand hin, dass sich der Online-Versand in den USA soeben für mehrere Jahre die Dienste einer Flotte von Transportflugzeugen gesichert hat. Zusätzlich schwelt seit Monaten die Debatte, in welchen Ländern das US-Unternehmen per Drohnenflug liefern wird oder liefern darf. In Olching gibt es ein Verteilerzentrum, und der US-Riese sucht offenbar nach weiteren Knotenpunkten.

Die Deutsche Post, langjähriger Kooperationspartner von Amazon, bleibt angesichts des Testversuchs gelassen. „Wir werden weiterhin mit Amazon eng kooperieren“, sagt Dieter Nawrath, Sprecher der Post. Schon 2001 stellte das Unternehmen seine erste Abholstation auf. Auch DHL kooperiert bereits mit allen größeren Tankstellenbetreibern Münchens wie Esso (Effnerstraße 101) oder Aral (Schenkendorfstraße 15) und betreibt dort Packstationen. Nawrath erklärt: „Wir bauen unsere Kapazitäten laufend aus. Letztes Jahr hatten wir deutschlandweit 280 000 Fächer, dieses Jahr sind es bereits 300 000.“

Auch Amazon-Sprecher Stephan Eichenseher sieht die Kooperation mit DHL nicht gefährdet: „Den Großteil unserer Sendungen stellt in Deutschland derzeit DHL zu. Das wird so bleiben, weil wir damit sehr zufrieden sind.“

Hüseyin Ince

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