Hos-ianna!

tz-Kritik: Die Toten Hosen in der Oly

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Campino ist der Frontmann der Toten Hosen

München - Campino hat am Samstagabend mit seinen Toten Hosen in der ausverkauften Olympiahalle in München die steilste Punk-Party des Jahres gefeiert. Die Konzert-Kritik:

Hos-ianna! Gepriesen seien die Toten Hosen! Campino und seine Kapelle schmissen für 11.800 Fans, ach was, für 11.800 Kumpels in der ausverkauften Olympiahalle Münchens steilste Punk-Party des Jahres, eine Meisterfeier ohne Rathausbalkon. Wo sich andere Bands mühsam drei Zugaben ableiern, hauten die Hosen drei satte Zugabenblöcke raus, die ein Drittel des Konzerts ausmachten. Und bis zum ersten Stagediving mitten rein in die Menge brauchte Punk-Großimpresario Campino gerade mal 45 Minuten. Wer so nah am Menschen ist, dem verzeiht man sogar, wenn er das Lied des Bösen singt. Der olle Frevler aus Düsseldorf würde nach wie vor nie zum FC Bayern gehen – aber jeder einzelne der Fans in der Oly würde wieder zu den Hosen gehen. O Fortuna, das hat Spaß gemacht!

Manch einer hätte sich Unendlichkeit gewünscht an diesem Abend. Dabei waren die Stimmbänder schon nach gut zwei Stunden Hosenhymnensingen mehr als ausgeleiert. Denn darum geht’s schließlich bei den XXL-Punks. Kaiser Campino und seine treuen Schwarzenbecks Breiti, Andi, Kuddel und Vom warfen mit Hits um sich wie mit Kamellen beim Rosenmontag am Rhein. Und sogar die ollsten Kamellen, die „Zehn kleinen Jägermeister“, das antike „Reisefieber“ oder das von Hannes Wader gekaperte „Heute hier, morgen dort“ zündeten wie Bengalos für die Ohren. Von „Alex“, „Alles aus Liebe“ und „Tage wie diese“ ganz zu schweigen.

Woran liegt’s? Am Virtuosen garantiert nicht, die Sportfreunde Düsseldorf rotzlöffelten und dreschflegelten sich durch 30 Jahre Bandgeschichte. Doch trotz manchem Sündenfall, trotz Playbacksingen bei Lanz (pfui!) und arg staatstragender Interviews: Campino ist auch mit 50 noch ein begnadeter Großraum-Entertainer. Ein energiegeladener Punk-Dirigent, der seine Menschenfischerchöre mit dem kleinen Finger im Griff hat, der die ausgezehrte Meute in der ersten Reihe väterlich mit Getränken versorgt und sich selber das Wasser über den nackten Oberkörper kippt. Die Hosen lieferten wie immer Premier-League-Unterhaltung vom Anfang bis zum Schluss, bis zum andächtig gefeierten Liverpool-Heiligtum „You'll Never Walk Alone“. Was gibt’s Schöneres als die Toten Hosen in hohen Dosen?

Jörg Heinrich

Kommentare

Blacksensely
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Jörg Heinrich, du hast es auf den Punkt getroffen! Das war so ein geiles Konzert,! Super Artikel, klasse geschrieben!

Grüße

Danzig I IIAntwort
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was hat der Danzig Poser groß mit Punk zu tun ?

Nichtarbeiter
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.....Glenn Danzig- green hell usw.
Wieviel soll ich noch aufzählen?

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