Flieger weg, Konzert verpasst

Verspätung beim MVV: Diese Rechte haben Fahrgäste

München - Bei S- und U-Bahn, Bus und Tram gibt es oft Störungen. Schnell ist man dann zu spät. Aber was, wenn man den Beginn eines Konzerts oder gar seinen Flieger verpasst?

Es passiert gefühlt ständig: Ein Oberleitungsschaden bei der S-Bahn, ein kaputtes Signal im U-Bahnschacht, ein Falschparker, der die Tram blockiert. Meistens an den Ecken, an denen man nicht einfach in ein anderes Verkehrsmittel umsteigen kann. Schon braucht man deutlich länger zum Ziel und kommt zu spät. 

Da wäre zum Beispiel der Albtraum aller Urlauber. Die S-Bahn zum Flughafen kann nicht weiter fahren und man verpasst seinen Flieger. Ebenso ärgerlich: Man hat ein Ticket für ein Konzert oder für ein Fußballspiel und verpasst aufgrund einer Verspätung einen Teil oder gar alles. 

So erging es zuletzt im Juli vielen Bayern-Fans, als es zu einem Chaos auf der Linie U6 kam. Viele Fahrgäste fragten sich: Muss mir die MVG jetzt einen Teil des Ticketpreises ersetzen?

Muss die Verkehrsgesellschaft Konzert- oder Flugtickets ersetzen?

Zur Übersicht:

  • Die MVG (Münchner Verkehrsgesellschaft) betreibt U-Bahn, Bus und Tram in München
  • die Deutsche Bahn betreibt die S-Bahn 
  • beide gehören dem MVV (Münchner Verkehrsbund) an, zu dem auch die Busverbindungen im Umland gehören.

Nein. Wer S-Bahn, U-Bahn, Bus und Tram nutzt, schließt dabei lediglich einen Vertrag über die Fahrt ab. Weiterführende Ersatzansprüche gibt es nicht, so steht es auch in Paragraph 15 der Allgemeinen Beförderungsbedingungen des MVV

Die Verkehrsgesellschaften sind lediglich verpflichtet, innerhalb eines angemessenen Zeitraums einen Ersatzverkehr bereit zu stellen. In der Innenstadt können die Fahrgäste dabei meist auf andere Linien ausweichen - im Umland sieht es oft anders aus. "Wir bemühen uns jedes Mal, so schnell wie möglich eine Alternative zu organisieren. Leider können wir die Ersatzbusse nicht innerhalb von einer Minute auf die nächste zur Verfügung stellen", so die Deutsche Bahn, Betreiberin der Münchner S-Bahn. Wenn es eine Vereinbarung mit einem Taxi-Unternehmen vor Ort gibt, werden den Fahrgästen zur Überbrückung Taxen zur Verfügung gestellt - verpflichtet sind die Verkehrsunternehmen dazu aber nur in Ausnahmefällen.

Gibt es das Geld für die Fahrt zurück?

Auch der Fahrpreis kann nur in bestimmten Fällen zurückerstattet werden. Zwar gilt bei der S-Bahn die Regel, dass ab einer Verspätung von einer Stunde 25 Prozent des Fahrpreises zurückerstattet werden, bei Zeitkarten gibt es pauschal 1,50 Euro. Ausgezahlt wird allerdings erst, wenn es sich um mindestens vier Euro handelt, die der Kunde zurück bekommt. Man müsste also mehrere Anträge sammeln, außerdem werden zwei Euro Bearbeitungsgebühr fällig. Lohnt sich also nicht. 

Bei U-Bahn, Bus und Tram hat man keine gesetzlichen Ansprüche. Hier greift das entsprechende Fahrgastrecht nicht. Allerdings bietet die MVG eine freiwillige Garantie an: Bei Betriebsstörungen ab 20 Minuten erstattet sie auf Antrag den Wert einer Single-Tageskarte für den Innenraum. Wer abends wegen eines Verschuldens der MVG seinen letzten Anschluss verpasst, kann sich unter Umständen Taxikosten von bis zu 25 Euro von der Verkehrsgesellschaft zurück holen. Verspätungen durch schlechtes Wetter, Notarzteinsätzen oder angekündigte Baustellen werden durch die Garantie nicht gedeckt. Einen Überblick über die von der Garantie erfassten Fälle und den Antrag gibt es auf der Seite der MVG.

Was ist, wenn ich zu spät zur Arbeit oder zur Schule komme?

Gerade zu den Hauptverkehrszeiten kommt es häufig zu Verzögerungen und schon ist man zu spät im Büro oder im Unterricht. Arbeitgeber und Lehrer sind nicht begeistert und zeigen oft wenig Verständnis.

Für Arbeitnehmer und Schüler gilt: Bei einem unvorhersehbaren Ausfall, wie etwa einem Notarzteinsatz auf den Gleisen, kann nicht abgemahnt werden. Wer aber regelmäßig wegen kleineren Verspätungen unpünktlich ist, muss eine Verbindung eher nehmen

Das müssen Fahrgäste beachten

Dem Fahrgast bleibt also nur, sich am besten vor Fahrtantritt über Störungen zu informieren und früher los zu fahren, um Verspätungen aufzufangen. Wenn Sie wirklich dringend weiter müssen, zum Beispiel zum Flughafen, können Sie auch auf eigene Faust ein Taxi rufen und die Rechnung anschließend an die Schlichtungsstelle der Bahn weiterreichen. Dorthin kann man sich wenden, wenn man mit Entscheidungen zu Einwänden nicht einverstanden ist. Im Idealfall kann ein Mitarbeiter am Bahnhof die Verspätung schriftlich bestätigen. Dann müssen Sie auf die Kulanz des entsprechenden Verkehrsunternehmens hoffen - zahlen müssen die aber nicht.

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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