Neue Röhre kommt 2026

Diese S-Bahn-Linien fahren durch die zweite Stammstrecke

München - Wie sehen die künftigen Fahrpläne mit der zweiten Stammstrecke der S-Bahn aus? Wie schnell kommt man von außen in die Stadt? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat es am Dienstag verkündet: Am 5. April soll mit einem Bürgerfest am Marienhof der Startschuss für den Bau der 2. Stammstrecke erfolgen. Das auf bis zu 3,84 Milliarden Euro taxierte Projekt soll ab 2026 dafür sorgen, dass auch bei Störfällen S-Bahnen die Stadt queren können und das gesamte System nicht mehr so Pannen gebeutelt ist, wie jetzt. Doch wie sehen die künftigen Fahrpläne aus? Wie schnell kommt man von außen in die Stadt und wann werden die Engpässe an den Außenästen beseitigt? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen:

So sieht nach jetziger Planung das S-Bahn-Liniennetz nach Eröffnung der Stammstrecke aus,

Welche S-Bahnen fahren künftig durch den neuen Tunnel? Die S6 fährt nach den derzeitigen Konzepten wieder von Erding nach Tutzing und nutzt die neue Stammstrecke, ebenso die S1 von Freising/Flughafen zum Leuchtenbergring. Außerdem nutzen die neuen Expresszüge S13 (Mammendorf-Ebersberg) und S15 (Herrsching-Leuchtenbergring) den neuen Tunnel und lassen Hirschgarten, Donnersberger- und Hackerbrücke, Stachus, Isartor sowie Rosenheimer Platz aus. Alle anderen S-Bahnen bleiben auf der alten Strecke. Die S3 pendelt zwischen Maisach und Grafing Bahnhof. Die S5, die wieder den Flughafen bedient, startet in Weßling. Die S2 pendelt wieder zwischen Petershausen/Altomünster und Holzkirchen.

Welcher Takt gilt? Die Expresszüge fahren alle 30 Minuten, ansonsten gilt der 15-Minuten-Grundtakt da, wo es jetzt den 20-Minuten-Takt gibt (die Strecken nach Freising, Geltendorf, Tutzing, Erding, Flughafen). Die Linien-Äste nach Petershausen, Holzkirchen, Wolfratshausen und Kreuzstraße bleiben im 20-Minuten-Takt, der Richtung Petershausen und Holzkirchen zur Stoßzeit zum 10-Minuten-Takt verdichtet wird.

Wann erfolgen weitere Verbesserungen? Voraussetzung dafür sind weitere Baumaßnahmen wie der zweigleisige Ausbau zwischen Steinebach und Seefeld-Hechendorf (S8/5) und zwischen Markt Schwaben und Erding (S2). Auch die S1 soll zwischen Neufahrn und Freising ausgebaut werden, ebenso die S4 zwischen Pasing und Eichenau. Die S7 wird bis Geretsried verlängert (kostet 120 Millionen Euro). All diese Projekte sind aber in der Warteschleife, teuer, der Baubeginn ist ungewiss. Das gilt auch für ein Wendegleis in Weßling (15 Millionen Euro), Querungsbrücken am Westkreuz und am Flughafen (je 15 Millionen Euro), eine Verlängerung der Linienzugbeeinflussung von der Stammstrecke über Pasing nach Westen (10 Millionen Euro), damit die Züge dichter hintereinander fahren können und der Ausbau des Betriebswerkes Steinhausen, um mehr S-Bahnen warten zu können (45 Millionen Euro). Der Ausbau der Sendlinger Spange (10 Millionen Euro) soll neue Halte der S20 am Harras und der Menterschwaige ermöglichen.

Was bringt ein Flughafen-Express? Die Stadt will die jetzige S8 für 800 Millionen Euro zwischen Daglfing und Johanneskirchen viergleisig unter die Erde verlegen, die Strecke soll auf eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h ausgebaut werden. Ziel: Unter 25 Minuten Fahrzeit zwischen Hauptbahnhof und Flughafen.

Was wird mit dem Nordring? Laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wäre das Projekt fast so kompliziert wie die zweite Stammstrecke. „Ich gehe von einer langjährigen Planungsphase aus.“

Können auch Nahverkehrszüge durch die neue Röhre? Möglich wären Express-S-Bahnen oder Nahverkehrszüge aus Landshut, Augsburg, Rosenheim oder Pfaffenhofen, die durch die Röhre in die Innenstadt oder sogar weiter bis zum Flughafen verkehren könnten. Der bekommt auch einen Anschluss nach Erding und Mühldorf, die Verbindung nach Freising ist in Bau. Diese Flughafen-Strecken kosten eine halbe Milliarde Euro.

Woher kommt das ganze Geld? Freie Wähler oder Grüne fürchten, dass der Bau der 2. Stammstrecke auf Kosten des Ausbaus der Außenäste der Stammstrecke und anderer Nahverkehrsprojekte in Bayern geschieht. Herrmann erklärt: „Die übrigen ÖPNV-Projekte werden wir weiter voranbringen, ganz unabhängig von der Stammstrecke.“

2. Stammstrecke: Wo die Stadt überall aufgerissen wird

Warum so tief gegraben wird

Die neuen S-Bahnstationen befinden sich 41 Meter tief im Untergrund. Das muss sein, weil neben den Versorgungsleitungen bereits die alte Stammstrecke (am Marienplatz in Sandwichbauweise übereinander) und zwei U-Bahnstrecken unter der Erde verlaufen. Runter und rauf geht es mit Rolltreppen und per Aufzug. Unten ein Schnitt durch den Hauptbahnhof.

Wo es schneller geht

Schnitt durch den Hauptbahnhof.

Nicht alle Fahrgäste werden von Anfang an von der Fertigstellung der 2. Stammstrecke profitieren. Die Herrschinger haben aber von Anfang an etwas davon: Die Reise vom Hauptbahnhof zum Ammersee verkürzt sich um 20 Minuten! Nach Ebersberg geht es eine Viertelstunde schneller, nach Mammendorf elf Minuten. In Freising ist man acht Minuten schneller, in Erding vier. Die Fahrt nach Kreuzstraße verkürzt sich um zwei Minuten, die nach Geltendorf, Petershausen und zum Flughafen um eine Minute. Auf den Strecken nach Wolfratshausen und Holzkirchen bleibt die Fahrtzeit zunächst gleich.

Nehmen Sie an der öffentliche Facebook-Veranstaltung „Party zum Baubeginn der zweiten Stammstrecke“ teil. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat ein genaues Datum und eine Uhrzeit für den ersten Spatenstich genannt: am 5. April, um 15.00 Uhr am Marienhof. Darauf nageln wir Herrn Seehofer fest.

Rubriklistenbild: © dpa

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