Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht

Anwalt der Witwe: Dissidentenmord war "Abrechnung" mit dem Opfer

München - Der Exilkroate Stjepan Durekovic musste wegen seiner gnadenlosen Abrechnung mit dem jugoslawischen Kommunismus sterben - davon geht der Anwalt der Witwe aus.

Im Prozess um das blutige Ende des Exilkroaten Stjepan Durekovic vor 33 Jahren hat nach der Bundesanwaltschaft auch die Witwe des Opfers auf einen Schuldspruch wegen Mordes gegen die beiden Angeklagten plädieren lassen. Ihr Anwalt Markus Meißner forderte am Donnerstag im Münchner Oberlandesgericht lebenslange Haft für die Angeklagten, den Chef und einen Abteilungsleiter eines früheren jugoslawischen Geheimdienstes. Die 84-jährige Frau konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Verhandlung am teilnehmen. Sie lebt völlig vereinsamt in Zagreb, ihr einziger Sohn ist in Kanada gleichfalls ermordet worden.

Mindestens drei Killer hatten Durekovic im Juli 1983 in einer Garage in Wolfratshausen mit Schüssen und Schlägen auf den Kopf getötet. Die beiden Angeklagten sollen den Mord in Auftrag gegeben und ihn geplant haben. Davon ist nach der 21-monatigen Beweisaufnahme der Vertreter der Nebenklage ebenso wie die Bundesanwaltschaft überzeugt. Hauptmotiv für die Liquidierung des regimekritischen Journalisten seien Aktivitäten in den letzten 15 Monaten seines Lebens gewesen.

Durekovic hat laut Meißner in dieser Zeit in fünf Romanen ein „vernichtendes Bild“ des damaligen Jugoslawiens gezeichnet. Er habe in einer Reihe von Interviews mit dem jugoslawischen Kommunismus abgerechnet. Der sei in keiner Weise mit dem „menschenfreundlichen“ Kommunismus gleichzusetzen, den der Westen im Auge hatte.

Zunächst sei versucht worden, den Regime-Kritiker durch eine „Desinformationskampagne“ bei den Emigranten in Misskredit zu bringen. „Dahinter steckte die Staatssicherheit“, sagte Meißner. Der Versuch sei nicht gelungen. Deshalb sei die Liquidierung des Journalisten beschlossen worden. „Das Motiv war in Durekovics Leistung zu sehen“, sagte Meißner. Die Tat „war eine Abrechnung“.

Die Desinformationskampagne sei danach noch bis in die jüngste Zeit fortgesetzt worden, indem das Opfer als Wirtschaftskrimineller geschildert wurde. Kroatien lieferte die Angeklagten erst nach langem politischen Gezerre aus. Der Prozess wird am Freitag mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt.

dpa

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