Ärzte hatten Behinderung nicht erkannt

Down-Syndrom: Jasminas Eltern kriegen kein Geld

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Die 4-jährige Jasmina im OLG in München. 

München - Weil die Ärzte die Behinderung ihres Kindes während der Schwangerschaft nicht diagnostiziert hatten, klagten Jasminas Eltern auf Schmerzensgeld. Das Gericht wies die Forderung allerdings ab.

Jasminas Mama ist aufgebracht, ihre Stimme bebt. „Ich habe mich auf die Ärzte verlassen. Zu 100 Prozent!“, ruft Xenia E. (33) im Gerichtssaal. „Ich wollte wissen, ob mein Kind behindert wird.“ Die Ärzte hätten das verneint. „Es hieß, es sei alles okay“, sagt E.

Draußen auf dem Gang des Oberlandesgerichts (OLG) München tollt Jasmina umher und lacht vergnügt. Sie leidet am Down-Syndrom und hat einen Herzfehler. Vom Urteil des Richters im Saal hat sie nichts mitbekommen: Er hat die Klage ihrer Eltern zurückgewiesen. Das Paar hatte von Frauenärzten Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangt, weil sie die Erkrankungen in der Schwangerschaft nicht erkannt hatten. In erster Instanz waren sie gescheitert. Nun hat das OLG auch die Berufung abgewiesen – und eine Revision ausgeschlossen. Für Jasminas Eltern ist der juristische Kampf nun endgültig vorbei: Für sie wird es weder Geld noch Genugtuung geben.

Auch der Richter ist hin und hergerissen

Ein harter Fall. Auch der Richter ist hin und hergerissen zwischen Verständnis und Recht. „Es tut mir leid für Sie“, sagte zu den Eltern. Er verstehe, dass sie von der Behinderung hätten wissen wollen. Es gehe um ein schweres Schicksal. Aber: „Sie werden bei uns nicht gewinnen, so wenig wie vor dem Landgericht.“ Ein Sachverständiger und Pränatalmediziner hatte dargelegt, das im Ultraschall vor der Geburt sichtbare, womöglich geringfügig verkürzte Nasenbein sei kein Hinweis auf eine Trisomie 21 gewesen. Deshalb sei es gerechtfertigt gewesen, dass der untersuchende Arzt dieses Detail gar nicht mit der werdenden Mutter besprochen hatte – um diese nicht unnötig in Sorge zu stürzen. Weitere Parameter wie die Länge des Oberschenkelknochens hätten keinerlei Auffälligkeiten ergeben.

Die Mutter war zuvor an MS erkrankt

Jasmina (4) ist das dritte gemeinsame Kind von Xenia (33) und Abderrazzak (52) E. – sie hat das Down-Syndrom und einen Herzfehler

Auch der Herzfehler des Mädchens hätte zwar eventuell festgestellt werden können, aber nicht müssen, so der Sachverständige. Die Eltern argumentierten, sie hätten die Schwangerschaft unterbrechen lassen, wenn sie von der Behinderung gewusst hätten. Die damals 28 Jahre alte Mutter von drei Kindern war 2009 an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Als sie 2010 wieder schwanger war, wollte sie mit den Ärzten mögliche Risiken für das Ungeborene durch die Medikamente abklären. Ein behindertes Kind schien die Grenzen der Belastbarkeit zu überschreiten, sagten sie vor Gericht – auch wenn die kleine Jasmina heute das geliebte Nesthäkchen der Familie ist.

T. Scharnagl

Tobias Scharnagl

Tobias Scharnagl

E-Mail:Tobias.Scharnagl@tz.de

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