Neue Isolationsstation im Video

Ebola: So schützt sich München vor dem Virus

München - Ebolaseuche ist in Westafrika weiter auf den Vormarsch. Auch in Deutschland ist wie im Klinikum in München auf die Krankheit vorbereitet: das Video.

Die Welt zittert vor dem Ebola-Virus, dem in Westafrika schon über 1555 Menschen zum Opfer gefallen sind. In Hamburg wird derzeit ein Virologe an der Uniklinik Eppendorf behandelt. Was passiert, wenn auch in München ein Ebola-Fall auftreten sollte? Das Klinikum Schwabing ist für diesen – bislang äußerst unwahrscheinlichen – Fall gerüstet. Die tz besichtigte die Sonder-Isolierstation, wo ein Ebola-Patient behandelt würde.

Ein andauernder Pfeifton signalisiert, dass auf dieser Station im Norden des Geländes etwas anders ist als in den sonstigen Räumen. Hinter drei Schleusen, in denen sich das medizinische Personal anziehen und vorbereiten kann, befindet sich das Patientenzimmer. Hier herrscht ständig Unterdruck, damit keine Keime ins Freie gelangen. „Der Unterdruck wird über eine Klimaanlage auf dem Dach erzeugt, in der die ausströmende Luft durch Filter muss, die jedes Virus aussortieren“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Clemens-M. Wendtner.

Im Schwabinger Krankenhaus liegt die einzige ständig bereite Sonderisolierstation Bayerns, die dafür vorgesehen ist, Menschen mit besonders ansteckenden Krankheiten zu behandeln – wie Ebola. „Und die Bevölkerung vor den Erregern zu schützen“, wie Oberarzt Dr. Michael Seilmaier hinzufügt. Maximal drei Patienten könnten auf der Station behandelt werden. Außerdem gibt es noch eine 36 Betten fassende Station mit Schleusentechnik.

Ein Ebola-Patient würde per Krankenwagen eingeliefert werden, der ebenfalls mit Schleusentechnik ausgerüstet ist. Ärzte und Pfleger dürften die Patienten nur mit Spezialanzug kontaktieren, danach müssten sie unter eine Formalin-Dusche. Derzeit übt das Personal wöchentlich den Ernstfall. Wie wahrscheinlich der ist? Bislang gab es in Bayern noch keinen ernsthaften Verdachtsfall. Dr. Seilmaier: „Vor den Flüchtlingen in der Bayernkaserne braucht niemand Angst haben, das Virus braucht bis zu 21 Tage, um auszubrechen, die Asylbewerber sind aber oft ein Jahr unterwegs.“

Wie der Schutzanzug der Mediziner genau funktioniert, sehen Sie unten.

Johannes Welte

Schutzhelm

Dieser Schutzhelm auf Kunststoff soll verhindern, dass das behandelnde Personal mit Körperflüssigkeiten oder Erregern in der Luft infiziert wird.

Headset

Mit abhörsicheren Mikrofonen und Kopfhörern verständigen sich Ärzte und Pfleger, denn durch den Helm kann man sich sonst kaum verstehen.

Luft

Durch zwei Filter wird Luft in den Schutzanzug gepumpt. Sie halten die kleinsten Viren zurück. Außerdem setzt die Luft den Anzug unter Druck.

Handschuhe

Das Personal trägt zwei Paar Handschuhe. Ein unteres (nicht steriles) und ein äußeres steriles Paar, das mit Klebeband am Anzug befestigt wird.

Isolieranzug

Dieser Anzug aus säurefestem Kunststoff wird nach dem Gebrauch verbrannt. Er steht unter Druck, damit bei Beschädigung keine Luft eindringt.

tz-Stichwort Ebola-Virus

Das Ebola-Virus tritt bislang in Afrika südlich der Sahara auf. Die Übertragung geschieht über direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder Menschen, vor allem über Blut und andere Körperflüssigkeiten, aber auch über von Kranken benutzte Gegenstände. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen bis zu 21 Tage. Abhängig von Virusstamm und äußeren Bedingungen sterben 30 bis 90 Prozent der Patienten. Es gibt bislang kein verlässliches Medikament dagegen.

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