Ehefrau von Georg Kronawitter

„Er hat sich von allen verabschiedet“

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Seit 1968 waren sie das perfekte Paar: Georg und Hildegard Kronawitter.

München - Georg Kronawitter (88) ist am Donnerstag gestorben. Mit bewegenden Worten schildert seine Ehefrau Hildegard Kronawitter seine letzten Tage. Eine ganze Stadt trauert und nimmt Abschied.

Es ist erst wenige Wochen her, als Georg Kronawitter in der tz-Redaktion anrief. Er tat das immer wieder mal – oder er schrieb einen Brief. Der Anlass war immer derselbe: Der Alt-OB hatte einen Text gelesen, der ihm gefallen hatte. „Das haben Sie sehr treffend geschildert“, lobte er dann den Redakteur. Ja, der rote Schorsch war ein Mann mit Stil, immer respektvoll, immer freundlich. Jeder mochte ihn. Dazu kam diese Tapferkeit. „Entschuldigen Sie meine Artikulation, aber mein Parkinson-Leiden erschwert mir das Sprechen“, sagte er bei unserem letzten Gespräch. Und dennoch rief er an. Nein, Georg Kronawitter ließ sich nicht unterkriegen. Kämpfte bis zuletzt. Sein Tod macht traurig – denn mit ihm ist ein großer Münchner gegangen. Ja, ein echtes Vorbild!

Am Donnerstagnachmittag schloss der leidenschaftliche Politiker für immer seine Augen. Im Klinikum Bogenhausen. „Ich hatte ihn dort schon am 17. April hingebracht“, erzählt seine Ehefrau Hildegard gegenüber der tz. In dem Klinikum war Kronawitter schon öfter wegen seines Parkinson-Leidens behandelt worden. Aber immer ambulant. „Diesmal musste er dableiben. Er hatte sich eine schwere Lungenentzündung zugezogen“, erklärt seine Gattin. Bei Parkinson-Patienten tritt dies häufig auf, da durch das unkontrollierte Zucken der Muskeln besonders beim Essen und Trinken auch mal Fremdkörper in die Lunge geraten. „Es ging ihm plötzlich sehr schlecht.“

"Er war so unglaublich tapfer"

Und sein Zustand sollte sich auch nicht mehr bessern. „Aber er war in diesen letzten Tagen immer bei Bewusstsein. Konnte von uns allen Abschied nehmen. Mit klarem Geist. Das bedeutete ihm, seinen Kindern und mir sehr viel“, erzählt Hildegrad Kronawitter. „Wir sind nun alle am Boden zerstört und müssen diese Trauer erst einmal verarbeiten. Am Donnerstag schlief er friedlich ein.“ Und dann fügt die Witwe an: „Er war so unglaublich tapfer.“

Nein, Jammern war nicht die Art des Georg Kronawitter. „Ich bin 87 Jahre alt – dieses Leiden ist nun mal mein Schicksal. Damit muss ich jetzt leben. Auch, wenn es schwer ist“, sagte der zweifache Vater in einem tz-Gespräch im Dezember. Seinen Tagesablauf – den ließ er sich nicht nehmen: Das Lesen der Münchner Zeitungen am Frühstückstisch, das Treffen mit Freunden am späten Vormittag, um über die aktuellen politischen Ereignisse zu debattieren. Das liebte er. Jeden Tag. „Er lebte selbstbestimmt – bis zum Schluss. Das war ein Segen“, so Hildegard Kronawitter.

Gebildet und bescheiden - so beschreiben ihn seine Freunde

Noch zu Weihnachten hatte Georg seinen engen Freunden einen Gedichtband mit eigenen Werken geschickt. Wunderschöne Zeilen. Es war wie ein Abschied – und es war typisch Kronawitter. Ja, der Bauernsohn aus Oberthann bei Pfaffenhofen war hochsensibel und hochgebildet. Dennoch ging er damit nie hausieren wie mancher seiner Kollegen. Nein, er wollte immer ein Oberbürgermeister der Bürger sein. Volksnah, bodenständig, bescheiden – mit immer offenen Ohren. Heute kann man sagen: Keiner schaffte das so wie er. Er war der Stadtchef der Parks und Kinderspielplätze. Das sagt alles.

Vor zehn Tagen feierte Georg Kronawitter seinen 88. Geburtstag. Leider im Krankenhaus. Aber alle seine Liebsten waren da, ließen ihn spüren wie bedeutend er ist. „Es war ein friedlicher Tag“, sagt Sohn Florian Kronawitter. „Für den er dankbar war.“

Ein persönliches Wort der Redaktion

Dankbar sind auch wir hier in der tz-Redaktion. Wie viele, viele Münchner auch. Für einen Politiker, der sich immer fair verhalten hat, der Stil und Größe mit einem schelmischen Grinsen verbinden konnte wie kein anderer. „Ich habe, glaube ich, doch einiges Gutes als OB erreicht“, sagte Kronawitter auch zu uns im letzten Gespräch. „Das schreiben Sie aber nicht. Klingt so angeberisch“, fügte er sofort an. Wir haben uns dran gehalten.

Bis jetzt. Jetzt wollen wir antworten: Ja, das haben Sie, Herr Kronawitter. Danke für alles!

Alt-OB Georg Kronawitter - Sein Leben und Wirken in Bildern

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