Ein Jahr nach der Flüchtlingswelle

Münchner Initiative sammelt alte Laptops für Flüchtlinge

+
Das Team von Laptops4Refugees, im grünen Shirt, Pia Eggert.

München - Als vor einem Jahr tausende Geflüchtete am Münchner Hauptbahnhof ankamen, entstanden viele Helferkreise und Freiwilligen-Initiativen, um die Menschen zu unterstützen. Viele davon bestehen bis heute. Eine davon ist die Gruppe Laptops4Refugees. Wir stellen dieses spezielle Projekt vor.   

Vor einem Jahr Anfang September 2015 herrschte Ausnahmezustand am Münchner Hauptbahnhof und Drumherum. Erst Hunderte, dann tausende Menschen trafen jeden Tag ein. Flüchtlinge, die sich zuvor auf dem lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer oder die Balkanroute durchgeschlagen hatten. Und die Münchner? Die kamen und halfen. Schnell und unbürokratisch, oft bis zur Erschöpfung.

In dieser Zeit entstanden viele Helferkreise und Unterstützer-Gruppen - gar nicht wenige existieren auch jetzt ein Jahr später noch. Nicht alle standen dabei direkt am Bahnhof  und packten dort mit an, es entstanden auch andere Hilfsangebote, etwa solche, die die Geflüchteten in den Unterkünften betreuten, auf die sie verteilt wurden. Eine solche Initiative ist es, für die sich Pia Eggert engagiert.

Laptops4refugees nennt sich die Gruppe, die Eggert mitgegründet hat. 14 Freiwillige zwischen 24 und 50 Jahren engagieren sich dort ehrenamtlich. Gefunden haben sie sich im Netz über Facebook, als sich im September 2015  auch über das soziale Netzwerk die riesige Welle der Hilfsbereitschaft organisierte. Ihr persönlicher Hintergrund ist dabei höchst verschieden. Die Freiwilligen stammen aus sechs Ländern, neben einigen Deutschen sind auch Mitstreiter aus den USA, England und dem Iran dabei - und auch zwei Flüchtlinge helfen mit.  

Die Idee ist so simpel wie sinnvoll

Student, Software-Entwickler oder Ingenieur, die Mitglieder haben eine große Gemeinsamkeit: ihren täglichen Umgang mit IT und Internet. Genau das nutzen sie für ihr Hilfsprojekt. "Jeder soll das beitragen, was er am besten kann", findet Pia Eggert. "Als wir uns das erste Mal getroffen haben, um die Initiative zu gründen, war schnell klar, was wir machen wollen, und wie". Die Idee ist so simpel wie sinnvoll: Die Gruppe rettet noch funktionierende Laptops vor dem Schrott, leert die Computer, setzt sie neu auf und stellt sie Geflüchteten zur Verfügung. "Uns ist nachhaltiger Umgang mit Ressourcen wichtig", so Eggert. In dem Projekt wird das perfekt mit Hilfsbereitschaft kombiniert.  

"Manche Menschen denken vielleicht, Laptops für Flüchtlinge seien übertriebener Luxus", meint Eggert. "Wir sind der Meinung, die Geflüchteten sollen ins Internet können." Nicht nur, um etwa via Skype Kontakt zu Freunden und Familie zu halten, die oft über die ganze Welt verstreut sind. Auch um Angebote wie Deutsch- und Integrationskurse im Netz nutzen zu können oder Jobs zu finden. So könnten Flüchtlinge in den Einrichtungen wenigstens einen Teil ihres oft tristen Tages sinnvoll verbringen, sagt sie.  

Die Initiative arbeitet in den Einrichtungen  mit den Helferkreisen, aber auch anderen Organisationen zusammen. Es werden provisorische Computerräume eingerichtet, Laptops4Refugees stellt dann die Hardware zur Verfügung. Oft seien die Unterkünfte in Gebäuden, in denen kein W-Lan zur Verfügung steht, dann kommt auch die Initiative Freifunk München ins Spiel, eine nicht-kommerzielle Initiative für den Aufbau freier (Funk-)Netzwerke. Gerne würden die Laptop-Sammler noch mit weiteren Organisationen kooperieren, "falls sich also jemand in München und dem Umland angesprochen fühlt - wir freuen uns über eine Kontaktaufnahme", sagt Pia Eggert lachend.

Eggert, die im normalen Leben bei einem großen Telekommunikationsunternehmen arbeitet, meint: "Man könnte uns fast schon als soziales Startup bezeichnen. Die Laptops werden gespendet, so bieten wir eine Möglichkeit, von Privatperson zu Privatperson zu helfen, zumindest indirekt. Die gespendeten Laptops sollten dabei nicht älter als sieben oder acht Jahre alt sein. Wenn es möglich ist, können sie auch beim Spender abgeholt werden. Wer sich Sorgen macht, seine Daten könnten so vielleicht in unbefugte Hände kommen, der kann beruhigt sein. Die IT-Profis wissen genau, wie man einen Computer wirklich leer räumt. "Wir lassen mehrmals ein Reinigungsprogramm darüber laufen", erklärt Eggert, "danach ist die Festplatte porentief rein".

Fast jeder hat einen alten Laptop zuhause herumliegen

Die Angst um die Daten, das habe man am Anfang viel zu wenig bedacht, erzählt sie. Die meisten Menschen seien in Computer-Angelegenheiten doch eher Laien und reagierten deshalb oft zögerlich. "Ich glaube, das ist der Hauptgrund, warum die Leute ihre alten Laptops lieber jahrelang zuhause herumliegen lassen, statt sie zu spenden", meint Eggert. "Bestimmt hat jeder zweite oder dritte einen alten Laptop zuhause", schätzt sie. 

Sind die Computer leer, wird eine Unixbetriebssystem-Version aufgespielt, überhaupt achte man darauf sogenannte open-source und lizenzfreie Software zu benutzen, erklärt Eggert. Wer mitmachen möchte: "Wir veranstalten regelmäßig Installations-Partys, bei denen wir dann die Laptops mit der neuen Software bestücken", sagt Eggert.  

So simpel das alles klingt, so stießen die Helfer gerade in den ersten Monaten im Einzelfall oft auf Probleme. Häufig wussten die Behörden erst kurzfristig, wo eine Einrichtung entsteht. Oft war es schwierig herauszufinden, welche soziale Organisation die Flüchtlinge in der Einrichtung betreut. Trotz alledem, die Arbeit läuft gut. Die Ehrenamtlichen hoffen auch in ihrem zweiten Jahr auf ein paar ausrangierte Stücke, denen sie dann ein zweiten Leben einhauchen können. 

Sie möchten mitmachen? Kontaktinformationen und weitere Informationen finden Sie unter www.laptops4refugees.de

Flüchtlinge am Hauptbahnhof: Die Bilder

auch interessant

Meistgelesen

Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Technische Störung: Wer zum Flughafen will, hat ein Problem
Der große Test: So schmeckt‘s auf dem Tollwood
Der große Test: So schmeckt‘s auf dem Tollwood

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion