"Jeder hinterlässt DNA"

Einbruch: Serientäter scheitert beim Kripo-Chef

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Einbrecher-Jäger: Peter Reichl in seiner alten Wohnung.

München - Ein Serientäter schlägt 23 Mal zu. Er erbeutet über 200.000 Euro. Doch als er beim Kripo-Chef einsteigt, ist mit dem Spuk vorbei. Ein Detail überführt ihn.

Rund 1500 Einbruchs-Fälle landen jährlich auf Peter Reichls (60) Schreibtisch – manchmal nimmt der Chef des Münchner Kriminaldauerdienstes (KDD) auch Arbeit mit nach Hause. Im November 2013 allerdings unfreiwillig. Da hatte ein Einbrecher versucht, Reichls Terrassentür aufzuhebeln. Ohne Erfolg, aber der Täter entkam unerkannt. Jetzt, fast drei Jahre und 22 Einbrüche später, ist er der Polizei bei einer Routinekontrolle ins Netz gegangen. Reichl: „Alle Achtung, Kollegen. Gute Arbeit!“

Erst wenige Monate zuvor waren neue, sichere Türen eingebaut worden.

Vom Einbrecher-Jäger zum Beinahe-Opfer: In der tz erzählt Peter Reichl, wie es ist, auf der anderen Seite zu stehen. An jenem Abend kommt Reichl gegen 19 Uhr mit seiner Gattin zurück in die Wohnung am Olympiapark. „Hoppala“, dachte sich Reichl, als er an seiner Terrassentür Hebelspuren entdeckt. Auch an den Fenstern in Schlaf- und Wohnzimmer hat sich jemand zu schaffen gemacht. Der Kriminal-Chef greift zum Telefon: „Servus Kollegen, heute mal in eigener Sache: Schickt’s ma die Spurensicherung vorbei!“

Seine Frau sorgt sich um die unaufgeräumte Wohnung

Anders als zu erwarten, legt Reichl nicht gleich selbst los: „Ich wollte den Kollegen nicht ins Handwerk pfuschen!“ Er durchsucht die Wohnung nur oberflächlich: „Manchmal sind’s ja so blöd, dass sie beim Einbruch ihren Ausweis verlieren oder eine Zigarette rauchen.“ Reichls Frau Gitti macht sich Sorgen: „Mei, jetzt kommen gleich die Kollegen – und bei uns schaut’s so aus!“ Reichls geschulter Blick sagt ihm, dass der Einbrecher mit einem großen Schraubenzieher hantiert hat. „Die werden kurz vor dem Einbruch gekauft und sofort wieder entsorgt.“

Was der Täter nicht wusste: Bei der letzten Renovierung hatte Reichl Sicherheitsbeschläge an Fenstern und Türen angebracht. Andererseits macht sich der KDD-Chef keine Illusionen: „Wenn jemand rein kommen will, kommt er rein. Und das war ein Profi. Ein Vollprofi.“ Nachdem der Täter es bei Reichl erfolglos versucht hatte, sei er schnell weitergezogen. Bei Reichls Nachbarin hatte er dann mehr Glück.

Kripo-Chef Reichl: "Jeder hinterlässt DNA"

Was dem Einbrecher zum Verhängnis wurde: Er hinterließ trotz Handschuhen Spuren. „Jeder hinterlässt DNA. Schweiß oder Haare findet man immer.“ Ende Januar geriet der mutmaßliche Täter, ein 34-jährige Serbe, dann in eine Kontrolle. Im Auto fanden die Beamten Schmuck, Handtaschen und Bargeld im Wert von mehreren Zehntausend Euro – die Ausbeute eines letzten Einbruchs in Bogenhausen. Die Bilanz seines vierjährigen Beutezuges: 23 Einbrüche, Diebesgut im Wert von 200 000 Euro und ein hoher Sachschaden.

Auch Peter Reichl zieht Bilanz: „Einbrüche lohnen sich nicht – auch nicht in München!“

Risiko Einbruch

Der Kriminaldauerdienst ist rund um die Uhr im Einsatz. 2015 wurden in München 1413 Einbrüche gemeldet. Deutschlandweit steigt die Zahl: 2015 erreichte sie den höchsten Stand seit 20 Jahren. In München gehen die Fälle zurück. Möglicher Grund: Das PRECOPS-Programm, eine Software, mit der die Kripo die Wahrscheinlichkeit für Einbrüche berechnet. Einbrecher müssen mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen.

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