Der Italo-Roller ist Kult

Corso in München: „Eine Vespa braucht Bewegung“

München - Mit einem Corso über die Leopoldstraße läuten gut 200 Fans des italienischen Kult-Motorrollers die Saison ein.

Aus Nostalgie: Willi H. fährt dasselbe Modell wie als Jugendlicher.

Es ist Frühling – und die Vespas fahren wieder. Sogar mit göttlichem Beistand, wenn man so will. Den Corso über die Leopoldstraße am Donnerstag hat nämlich ein Geistlicher organisiert: Friedemann Steck, Pfarrer der Evangelischen Studentengemeinde der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gut 200 Vespafahrer machen sich am Vatertag auf den Weg. Es ist der dritte Corso in München, und die Teilnehmerzahl steigt von Jahr zu Jahr. Beim ersten Mal waren es nur 20, im Jahr danach bereits über 130 Teilnehmer – und nun also 200.

Treffpunkt ist die Erlöserkirche in Schwabing. Nach einer kurzen Andacht geht es nebeneinander auf die Leopoldstraße. Und es herrscht ein buntes Treiben. Die verschiedensten Modelle – farblich, vom Design und von der Motorisierung – gehen an den Start. Und hinter vielen Vespas verbergen sich schöne Geschichten und Erlebnisse.

Jedes Jahr ein neues Modell: Thomas R. fährt seit dreieinhalb Jahren Vespa.

Sofort ins Auge fällt das Gefährt von Willi Huber (78). Der Motorroller ist Baujahr 1957 und an der Blende mit Erinnerungsstücken verziert. Der Rentner ist wie die meisten hier Vespafahrer aus Leidenschaft. Bereits als Jugendlicher hatte ihn das Vespa-Fieber gepackt. Eine Zeit lang hat er pausiert, seit 15 Jahren frönt er nun wieder seinem Hobby. Heute fährt er genau dasselbe Modell wie damals, das ist ihm wichtig. Und ihm geht es nicht nur um das Fahren. „Natürlich schraube ich selbst an meinen Maschinen. Ich bin gelernter Mechaniker. Beruflich war ich ein halber Italiener“. Heute ist er bei den Oldtimer-Freunden München das älteste aktive Mitglied und macht auch vor Rallyes nicht Halt.

Beim Grillen abgeschwatzt: Nun gehört Lorenz S. die Vespa seines Bruders.

Vor allem farblich ein Hingucker ist die rot-gelbe Vespa von Lorenz Stadler (32). Mit der Maschine verbindet der Automobilkaufmann zahlreiche Kindheitserinnerungen. „Die Maschine hat früher meinem Bruder gehört. Bereits als kleiner Bub durfte ich mitfahren und auch mal selbst ans Gas. Das war das Größte.“ Der Bruder hatte mit Freunden einen eigenen Vespa-Club gegründet, mit dem er in der väterlichen Bäckerei an den Maschinen schraubte. 16 Jahre lang hat das Schmuckstück in der Garage gestanden, nun hat Stadler die Vespa wieder zum Leben erweckt. „Ich hab sie meinem Bruder beim Grillen abgeschwatzt und den Winter über wieder fit gemacht“.

Doch die Vespa-Begeisterung muss nicht schon in den Kinderschuhen beginnen. Thomas Rieger (31) fährt seit dreieinhalb Jahren und ist seitdem in seinem Element. „Eigentlich kommt inzwischen jedes Jahr eine neue Maschine dazu“, sagt der passionierte Fahrer. Zum Corso ist er mit einer blauen Vespa, Baujahr ’69, gekommen und erklärt: „Eine Vespa braucht Bewegung.“ Das Alter sieht man der Guten an, sie trägt noch den Originallack. Über die Jahre bleiben kleinere Blessuren nicht aus, mögliche Roststellen werden versiegelt. Ihre spanische Herkunft mag verwundern. Doch: „Nicht nur in Italien wurden Vespas hergestellt, sondern auch in Spanien“, sagt Rieger.

Vom Vespa-Präsidenten gekauft: Extra aus Padua hat Daniel P. seine Vespa geholt.

Eine echte italienische Seele hat dagegen die Vespa von Rechtsanwalt Daniel Posch. Die Maschine des 41-Jährigen wurde in Bologna gebaut. Er selbst hat sie in Padua dem Präsidenten des dort ansässigen Vespa-Clubs abgekauft. Mit Baujahr ’49 gehört sie gewiss zu den ältesten Maschinen. Optisch fällt sofort die ungewöhnliche Front auf. Der Scheinwerfer sitzt nicht wie üblich am Lenker, sondern auf dem Schutzblech des Vorderrades. „Der Corso ist meine erste Ausfahrt mit diesem Modell. Aber mein eigentliches Ziel ist es, mit ihr in Italien herumzufahren“, erzählt Posch. Doch jetzt machen die Vespas erst einmal wieder die Münchner Straßen unsicher.

Lisa-Marie Birnbeck

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