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Einkaufs-Mekka München: So ticken die Araber

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Die Maximilianstraße zählt zu den beliebtesten Anlaufpunkten für arabische Touristen in München.

München - Salem aleikum! Immer mehr Araber entdecken München als Urlaubs- und Einkaufsparadies. Die tz erklärt, was die Araber in München tun, wie sie ticken, was ihnen gefällt – und was sie hier nicht so gut finden.

 Einer Studie der Münchner BBE Handelsberatung zufolge, die im Auftrag des Handelsverbandes Bayern erfolgte, lassen die Gäste aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten jährlich 220 Millionen Euro in Münchens Geschäften. Warum die Araber immer öfter zu uns kommen? „Syrien und der Libanon sind für sie als klassische Urlaubsländer weggebrochen“, sagt BBE-Geschäftsführer Joachim Stumpf. Auch das Kopftuchverbot in Frankreich und Belgien sorge für mehr Besucherzustrom aus dem Orient. Die tz erklärt, was die Araber in München tun, wie sie ticken, was ihnen gefällt – und was sie hier nicht so gut finden. Salem aleikum!

Johannes Welte

20 Fakten zu den Gästen

Kleidung: „Im Gegensatz zum gefühlten Erscheinungsbild ist der Anteil der westlich gekleideten Araber enorm hoch“, erklärt BBE-Geschäftsführer Joachim Stumpf. Nur 42 Prozent der Golf-Gäste kleideten sich traditionell mit dem Niqab-Schleier für Frauen oder dem Dishdasha-Umhang der Männer. Der Anteil der westlich gekleideten Frauen beträgt allerdings nur 31 Prozent.

Zuwachs: Der Araber-Ansturm auf München nimmt zu: Im ersten Halbjahr registrierte das Tourismusamt 167 000 Übernachtungen, 28 Prozent mehr als 2011.

Stammgäste: Mit 53 Prozent der Gäste ist gut die Hälfte zum ersten Mal hier, 19,8 Prozent zum zweiten Mal. 25,8 Prozent waren schön öfter da.

Reisegrund: Die meisten Araber (89,7 Prozent) kommen, weil sie Urlaub machen wollen. 11,5 Prozent sind wegen medizinischer Behandlung hier. 3,6 Prozent haben Geschäftstermine.

Urlaubsbeschäftigung: 94,4 Prozent der Gäste wollen einkaufen, 67,2 Prozent die Stadt besichtigen.

Hauptquartier: Der München-Urlaub wird zu 78,8 Prozent mit Auslandsbesuchen in die Schweiz, Wien, Salzburg und das restliche Österreich verbunden. In Deutschland werden Ingolstadt und Metzingen bei Stuttgart wegen der dortigen Outlets gerne besucht, auch Frankfurt oder Rosenheim sowie Garmisch-Partenkirchen stehen bei insgesamt 27,8 Prozent der Gäste auf dem Programm.

Bleibezeit: Der Araber bleibt im Durchschnitt neun Tage lang in München. Stumpf: „Das ist enorm lange.“

Einkaufsstraßen: Mit 95,3 Prozent sind die Kaufingerstraße sowie die Neuhauser Straße Einkaufsmagnet Nummer eins, der Marienplatz folgt mit 73,5 Prozent, erst dann die Nobel-Einkaufsmeile Maximilianstraße mit 69,4 Prozent.

Ausgaben: Der Durchschnittsaraber lässt 274 Euro pro Tag in den Münchner Geschäften.

Status: Die Oberschicht mit Beziehungen zu den Königshäusern, mit gehobenem Beamtenstatus oder Geschäftsleute geben 415 Euro aus, vorwiegend in der noblen Maximilianstraße.

Normalverdiener: Die Mittelschicht, vor allem normale Beamte, lassen 160 Euro pro Kopf am Tag vor allem in der Fußgängerzone. Stumpf: „Vor allem die Mittelschicht strömt immer mehr nach München.“

Einkaufsliste: Vor allem Kleidung, Kosmetik, Geschenke, Lederwaren, Schmuck und Schuhe werden gekauft. „Es handelt sich ja meist um Großfamilien, die zu Hause mit Geschenken badacht werden“, so Stumpf. „Da sind oft Süßigkeiten dabei. Pralinen dürfen allerdings auf keinen Fall Alkohol enthalten.“

Informationsquellen: Die Gäste haben sich vor Reiseantritt zu 59 Prozent im Internet über München informiert und für die Reise entschieden, vor allem auf der städtischen Homepage www.muenchen.de. 52,8 Prozent kommen auf Empfehlung von Freunden, Bekannten oder Verwandten.

Hilfe vor Ort: In München selbst verlassen sich 23,3 Prozent auf Infos aus den Hotels, 16,2 Prozent lesen in ihren Reiseführern nach, 10,8 Prozent lassen sich Tipps von Bekannten und Verwandten geben.

Was sie nicht mögen: Auf der Negativ-Liste stehen bei 22,5 Prozent der Gäste vor allem die Sprachkenntnisse der deutschen Verkäufer. Stumpf: „Es ist zwar so, dass es viele Verkäufer mit Englischkenntnissen gibt, das reicht aber nicht immer, deshalb wird zunehmend Verkaufspersonal mit Arabisch als Muttersprache eingestellt.“

Gastfreundschaft: Probleme mit der Freundlichkeit der Einheimischen haben 10,4 Prozent der Araber. Stumpf: „Viele Menschen in München reagieren zurückhaltend auf die arabischen Gäste, weil sie fürchten, sich falsch zu verhalten. Diese Zurückhaltung wird von vielen Gästen als unfreundlich angesehen. Darum sollte man das Personal noch besser schulen, wie man mit den Arabern umgeht“, meint Stumpf.

Hinweise: Mit der Beschilderung haben 8,9 Prozent der Gäste Probleme. Stumpf: „Viele könne zwar Englisch, es gibt aber viele Beschilderungen nur auf deutsch, nützlich wäre es, wenn es für die arabischen Touristen eine Anlaufstelle gäbe, in der sie sich über die Stadt in ihrer Muttersprache informieren könnten.“

Kauflust: Am liebsten kaufen die arabischen Gäste Markenprodukte. Stumpf: „Es liegt wohl daran, dass man sich in München sicher ist, dass man Original-Ware bekommt und keine Plagiate. Weil Markenware gibt es in den Malls von Dubai auch.“ Auch deutsche Kaufhäuser stehen als Marke bei den Arabern hoch in Kurs.

Was sie mögen: Stumpf: „München gilt als sichere Stadt, im Gegensatz zu New York oder London gab es hier noch keine Anschläge.“ Aber auch die gute Lage nahe der Alpen sowie die Schönheit der Stadt werde geschätzt sowie die Sauberkeit.

Schmuddel: Nur am Stachus und am Hauptbahnhof ist es den Arabern zu schmutzig. Zumindest für den Hauptbahnhof muss man ihnen dabei definitiv recht geben.

20.000 Euro in zwei Wochen vershoppt

In den zwei Wochen, die wir hier verbringen, gehen wir am liebsten Shoppen. Das Tolle an München ist, dass wir alle Dinge an einem Ort einkaufen können. Außerdem ist das kühle Wetter sehr angenehm. Bisher haben wir schon viel eingekauft. Rund 20 000 Euro haben wir für Handtaschen, Schulsachen für die Kinder und vor allem für Parfüms ausgegeben. Die Frauen in den Emiraten lieben es, jeden Tag einen anderen Duft zu tragen. Neben dem Shopping haben wir auch einige Sehenswürdigkeiten besucht.

Muneera Mohammad (26) und Mohammad Al Hammadi (19) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten

Günstiger als bei uns daheim

Ich habe von Freunden viel über München gehört. Jetzt bin ich ohne meine Frau für zwei Tage hier. So kann ich mir selbst ein Bild von der Stadt machen. Die Einkaufsmöglichkeiten hier in München sind super: Die Preise sind niedriger als bei uns und ich finde alle Designermarken an einem Ort. Für meine Frau bringe ich eine Handtasche für 300 Euro mit. Was mich allerdings sehr überrascht hat: Alle Hotels sind ausgebucht und jetzt musste ich auf ein kleines 3-Sterne-Hotel außerhalb der Stadt ausweichen.

Umfrage: Andrea Guggenberger

Wie geht man mit den Leuten vom Golf um?

Mit 220 Millionen Euro machen die arabischen Gäste zwei Prozent des Jahresumsatzes des Münchner Einzelhandelsumsatzes aus. Da es immer mehr die Mittelschicht ist, die nach München kommt, landen immer mehr auch im Kaufhof am Marienplatz, den Eduard Schöwe als Geschäftsführer leitet. Ist der Umgang mit den arabischen Kunden kompliziert? „Nein, die Araber ticken im Prinzip nicht anders als die Deutschen. Man muss sie einfach normal anreden“, so Schöwe. Nur eine Kleinigkeit gibt es zu beachten: „Wenn Männer dabei sind, sollte man im Gegensatz zu unseren Gewohnheiten immer die Männer auch zuerst ansprechen.“

Schöwe erinnert sich an eine Runde von zwölf verschleierten Damen, die Dirndl anprobieren wollten. „Ich dachte, ich muss die Abteilung sperren, damit die Damen die Dirndl anprobieren können, da kamen sie schon in den Dirndln aus den Umkleidekabinen raus, als wäre es das Normalste auf der Welt.“

Das gefällt den Arabern an München:

Sicherheit* 22,2%
Günstige Lage 20,3%
Schönheit der Stadt 11,6%
Sauberkeit 7,8%
Sonderangebote/günstige Preise 7,2%
Medizinische Behandlungsmöglichkeiten 5,0%
Sprachkenntnisse besser als anderswo 4,2%

Das gefällt den Arabern NICHT an München:

Verständigungsschwierigkeiten 22,5%
Zurückhaltung, „Unfreundlichkeit“ der Menschen 10,4%
Kaum öffentliche Infos/ Beschilderung auf Englisch/Arabisch 8,9%
Teure Lebenshaltungskosten 7,8%
Unsauberkeit (Hauptbahnhof/Stachus) 4,3%
Angebot an guten Hotels/Restaurants für Araber unausreichend 4,3%
Überfüllte Innenstadt 2,2%

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