20-Jährige heiratete heimlich einen Salafisten

Prozess: Eltern sperrten Tochter weg - aus Schutz vor Gotteskrieger

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Canan A. verweigerte die Aussage gegen ihre Eltern (Foto), die nicht verurteilt wurden.

München - Sie sperrten ihre Tochter Canan (20) drei Wochen lang zuhause ein –um sie zu retten. Denn sie heiratete einen Salafisten. Wegen Freiheitsberaubung landeten sie nun vor Gericht.

Sie hatten es doch nur gut gemeint. Aber am Ende landeten Selahattin A. (43) und seine Frau Serda (41) fast im Gefängnis, weil sie zu einer ungewöhnlichen Erziehungsmaßnahme gegriffen hatten: Im Mai 2015 sperrten sie ihre Tochter Canan (20) drei Wochen lang zuhause in Unterschleißheim ein – aber nur um sie zu retten. Denn einen Monat zuvor hatte die Tochter einen stadtbekannten Salafisten geheiratet – ohne auch nur einen Ton zu sagen. Von der islamischen Ehe mit Fabian W. (24) erfuhren die geschockten Eltern erst, als Canan sie spontan besuchte. Und wollten sie danach auf keinen Fall mehr gehen lassen …

Am Mittwoch mussten die Eltern vor Gericht. Die Anklage warf ihnen Freiheitsberaubung vor. Die eigene Tochter als Geisel? So sah die Staatsanwaltschaft den Fall. Die Eltern brachte das zur Verzweiflung.

Verhüllt kam Canan A. (20) zum Amtsgericht.

Mit bedrückten Gesichtern nahmen sie am Mittwoch auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz. „Es war nicht in Ordnung, dass sie heimlich geheiratet haben“, sagt der Vater. „Ihr Mann war arbeitslos und wollte auswandern“, sagte die Mutter. „Ich dachte nur noch: Wie bringe ich mein Kind von ihm weg?“ Beide Eltern waren nicht einverstanden damit, wie Fabian W. lebte und laut Anklage auch damit nicht, wie er den Islam interpretierte. Bereits vor drei Jahren war der gebürtige Deutsche konvertiert, aber radikalisierte sich zunehmend und trat auch als Salafist auf.

Ein schlechter Einfluss für Canan? Ihr Vater fühlte sich sogar bedroht. „Eines Tages war mein Schlüssel plötzlich verschwunden.“ So wie Canan, die tagelang untertauchte. „Meine Tür ist immer für dich offen“, schrieb der Vater ihr. Tage später kam sie zu Besuch. Dann sperrten die Eltern von innen zu. Ihre Begründung vor Gericht: „Wir waren so in Sorge.“ Richterin Zeppenfeld hatte Verständnis und stellte den Prozess ein. Danach fiel Canan ihren Eltern um den Hals und weinte. Bei ihnen ist sie inzwischen wieder eingezogen.

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