Fußballfieber steigt

Vor EM-Start: Schule verbietet Panini-Sammelbilder

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Milena und Matteo dürfen in der Grundschule an der Kirchenstraße nicht mehr um Paninis spielen.

München - EM-Zeit heißt wieder Panini-Zeit. Die kultigen Sammelbilder sind bei Jung und Alt beliebt. Doch eine Schule in München verbietet nun die Klebebilder. Die Reaktionen der Kinder und Eltern.

Grundschule in der Kirchenstraße in Haidhausen.

Pappen heißt es, wenn man beim Zocken die Hände mit Spucke klebrig macht. „Das ist ein Cheat, genauso wie knicken. Wer knickt, cheatet“, sagt Milena (9). Cheaten heißt betrügen. Und gecheatet wird viel in der Grundschule an der Kirchenstraße in Haidhausen. So viel, dass die Schulleitung jetzt das Zocken um Panini-Bilder verboten hat. Kurz vor der Europameisterschaft in Frankreich (ab 10. Juni) geht die Fußball-Leidenschaft um in den Klassenzimmern. Rektorin Ursula Veitleder sagt aber: „Spielsachen haben in der Schule nichts verloren. Die Kinder zocken um die Bilder, streiten sich und es kostet viel Zeit, all diese Konflikte wieder zu schlichten.“

Deshalb sind Panini-Bilder in ihrer Grundschule verboten. Nur am Freitag, wenn auch im Hort und im Förderzentrum Spieletag ist, dürfen die Kinder Alben und Bilder mitbringen.

Milenas Bruder Matteo (7) hat schon über 500 Bildchen. Viele hat er in sein Heft geklebt, von Wales hat er am meisten. „Aber wenn ich in der Schule damit erwischt werde, wird’s mir für eine Woche weggenommen.“ Spricht’s und haut feste auf einen Stapel Bildchen. Die Bilder, die sich dann drehen, darf er behalten. Nur dreht sich keines um. „Ich bin nicht so der gute Zocker. Ich tausche lieber“, sagt Matteo und zeigt seine „Glitzis“. Das sind besondere Bilder, die – wie der Name sagt – glitzern. „Für ein Glitzi kriegst du bestimmt 20 andere“, sagt Milena ernst.

Kinder im Tausch-Rausch

Die Kinder sind im Tausch-Rausch. Das bekommt auch Mama Silvia zu spüren: „Die Kinder finden permanent Gründe, weshalb ich ihnen Panini-Bilder kaufen soll und geben ihr ganzes Taschengeld dafür aus.“ Ein Packerl mit fünf Bildchen kostet 70 Cent. Wann sie sich das letzte Mal Süßigkeiten vom Taschengeld gekauft haben? Die Kinder zucken mit den Schultern – vor Panini muss das gewesen sein.

Auch andere Schulen haben das Zocken verboten. In der Grund- und Mittelschule am Sportpark in Unterhaching ging ein Brief an alle Eltern, dass das Mitbringen von Panini-Bildern untersagt sei, da es immer wieder zu Streit kam. „Da gibt es ganz geschickte Kinder. Die verdienen sich viele Karten. Das führt zu Streit, und dann beschweren sich die Eltern, weil ihre Kinder abgezockt wurden“, sagt Rektorin Christa Grasl.

In Haidhausen zocken sie den ganzen Nachmittag auf dem Bolzplatz. Mit FliFla­Flu, das auch bekannt ist als Schere-Stein-Papier, wird ausgeklüngelt, wer mit dem Zocken anfangen darf. Milena spielt mit ein paar Freundinnen. Wenn sie gecheatet hat, dann so geschickt, dass niemand es bemerkt hat.

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