Finger weg von diesem Brief

Millionen-Abzocke mit falschem Erbe

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Der linke Brief stammt aus England. Der Briefkopf der existenten Kanzlei wurde kopiert Beim rechten Schreiben ist angeblich ein vielfacher Millionär tödlich verunglückt. Den Anwalt gibt es nicht

München - Finger weg! Zurzeit rollt wieder eine große Welle von Abzock-Briefen durch die Deutschland. Fiese Gauner machen mit falschen Erbmitteilungen Millionen. Aktuelle Fälle aus München:

Nicht, dass er neu wäre – dieser infame Trick. Er grassiert schon seit der Erfindung des Faxgerätes Ende der 1980er-Jahre. Und ist einfach nicht mehr auszurotten: Wieder einmal warnt die Polizei vor Briefen, die den hocherfreuten Adressaten millionenschwere Erbschaften aus dem Ausland in Aussicht stellen. Die Sache hat natürlich einen Haken: Das Erbe nämlich gibt es nicht. Doch das merken viele Opfer erst, wenn sie bereits Tausende Euro für angeblich anfallende Gebühren ins Ausland überwiesen haben.

Bereits im November bekamen zahlreiche Münchner Erbschaftsmitteilungen per Post oder E-Mail. Seit Januar rollt eine neue Welle: „Uns liegen derzeit 15 neue Anzeigen von Betrogenen vor“, bestätigte am Montag Kriminalhauptkommissar Christian Männer vom Kommissariat 77 für Betrug.

Aus heiterem Himmel erhalten die Opfer Post von spanischen, britischen oder portugiesischen (zum Teil sogar existierenden, aber ahnungslosen) Anwaltskanzleien. Darin wird den Erben mitgeteilt, dass ein im Ausland lebender, namensgleicher Verwandter bei einem Unfall im Ausland ums Leben gekommen ist und ein millionenschweres Vermögen hinterlassen hat. Die Briefe sind in Englisch oder extrem schlechtem Deutsch verfasst. Was viele Opfer nicht weiter störte, „weil die auch kein Englisch sprechen“, so Männer.

Der angebliche Anwalt bittet also um telefonische Kontaktaufnahme, wie das Erbe nach Deutschland überwiesen werden soll. Die Betrüger verwenden dafür ausländische Prepaid-Handys. Fast nie kommt es zu persönlichen Treffen. Und dann geht’s los. Mit immer neuen, vorab fälligen Gebühren (für Zoll, Transport, Vorsteuer, Bescheide, Gutachten, Antiterrorismusgebühr, etc.) werden die Erben hingehalten. Das Geld muss stets bei MoneyTransfer-Unternehmen eingezahlt werden. Das heißt: Der Empfänger ist nicht mehr nachvollziehbar, das Geld unwiederbringlich verloren.

Auf diese Weise verlor ein Münchner Autohändler im letzten Jahr die sagenhafte Summe von 500 000 Euro. Und eine Münchner Seniorin trieben die Betrüger in den Ruin. Sie hatte ihr ganzes Vermögen von 400 000 Euro ins Ausland transferiert. Männer: „Die Leute geraten in ihrer Gier so unter Druck, dass sie selbst uns nicht mehr glauben. Sie gehen von der Polizeiberatung heim. Und tätigen sofort die nächste Überweisung.“ Die Dunkelziffer muss riesig sein, weil sich viele Betrogene so schämen, dass sie lieber schweigen. Die Opfer werden wahllos ausgewählt. Die holländische Firma Ultrascan hat den sogenannten „Nigeria-Betrug“ (dort wurde der Trick erfunden) analysiert. Besonders leicht verführbar sind Akademiker mit hohem Selbstvertrauen – Ärzte, Unternehmer, Direktoren. Allein aus Nigeria werden wöchentlich 30 000 Betrügerschreiben in die Welt versendet. Ein Prozent der Empfänger reagiert darauf. Die Polizei rät: Nie auf solch ein Schreiben reagieren und weg damit in Ablage P wie Papierkorb.

Dorita Plange

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