Besenstielräuber

Bayern-Erpresser: Seine ersten Stunden im Knast

+
"Besenstielräuber" Harald Zirngibl (M.) wurde 1999 zur Verhandlung vor dem Landgericht München geführt.

München - Bis zum Prozessauftakt sitzt Besenstielräuber Harald Zirngibl wegen Erpressung des FC Bayern in U-Haft. Sein Strafverteidiger macht ihm wenig Hoffnung.

Das Schlimmste sind wahrscheinlich die Nächte. Wenn es still wird in Stadelheim. Allein in der Acht-Quadrat-Meter-Zelle. Kein Handy. Kein Internet. Allenfalls ein kleiner Miet-Fernseher. Keine Gespräche mit anderen. Dafür viel, viel Zeit. Vielleicht mehr als einem Mann lieb ist, der sich eingestehen muss, sein Leben ruiniert zu haben: Seit dem 22. Februar sitzt Besenstielräuber Harald Zirngibl (63) jetzt wieder hinter Gittern.

Harald Zirngibls Strafverteidiger Peter Pospisil .

Nach seinem misslungenen Versuch, den FC Bayern mit Terrordrohungen um drei Millionen Euro zu erpressen, wurde er am vergangenen Montag in Mainburg/Niederbayern von der Münchner Polizei festgenommen. Bereits am nächsten Tag schlossen sich die Tore Stadelheims hinter ihm. Dort sitzt er jetzt in U-Haft bis zum Prozess.

Der Münchner Strafverteidiger Peter Pospisil wird Harald Zirngibl vor Gericht vertreten. Er hat den 63-Jährigen bereits in der U-Haft besucht, einen sehr geknickten Mann angetroffen und ihm reinen Wein eingeschenkt: „Ich hätte ihm erzählen können, dass er bald wieder frei sein wird. Doch das entspricht nicht der Realität. Nicht mit dieser Vorgeschichte. Das muss man klar und ehrlich sagen“, sagte Pospisil am Freitag zur tz.

16 vollendete Banküberfälle

Harald Zirngibl ging in die Münchner Kriminalgeschichte ein, nachdem er in den Jahren 1992 bis 1998 insgesamt 16 vollendete Banküberfälle beging, dabei 73 Menschen mit seiner (Schreckschuss-)Waffe als Geiseln nahm und 4,7 Millionen D-Mark erbeutete, die er samt und sonders verprasste. 1999 wurde zu 13,5 Jahren Haft verdonnert, von denen er zehn Jahre absaß. Wieder in Freiheit gelingt es ihm nicht, Fuß zu fassen. Er findet keinen Job, sein Buch (Ich war der Besenstielräuber – Mein gescheiterter Traum) wird kein Renner, und das Interesse an seiner Erotik-Kunst hält sich in Grenzen. Zuletzt lebt Zirngibl allein in Olching. Im Januar wird ihm die Arbeitslosenhilfe gestrichen. Pospisil: „Mein Mandant litt unter Existenzängsten und war in Panik.“

In diesem Zustand schreibt Zirngibl in der Faschingszeit Erpresserbriefe an den FC Bayern. Bei der Kontaktaufnahme per Prepaid-Handykarte stellte er sich derart dilettantisch an, dass ihm die Polizei bald auf die Schliche kommt. Seine Drohszenarien („Die Gefahr lauert immer und überall“) wirken grotesk. Diese Naivität könnte ihm zugute kommen. Pospisil: „Herr Zirngibl wollte nie wieder eine Waffe auf Menschen richten.“ Auf versuchte räuberische Erpressung stehen bis zu 15 Jahre Haft. „Herr Zirngibl hofft, seinen späteren Lebensabend in Freiheit verbringen zu dürfen.“

Dorita Plange

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare