Maßnahmenprogramm beschlossen

Evangelische Kirche in München: Mehr Vermietung, weniger Gemeinden

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Ein Ort vielfältigen Lebens: Stadtdekanin Barbara Kittelberger in der umgestalteten Markuskirche.

München - Nur wenn die Last des Gebäudeunterhalts abnimmt, wird die Evangelische Kirche in München langfristig bestehen können. Unter dieser Erkenntnis hat die Dekanatssynode ein Maßnahmenprogramm beschlossen. Kernpunkte: Man will Immobilien ertragreicher nutzen und die Zahl der Gemeinden reduzieren.

Seit zwölf Jahren ist die Dekanatssynode auf einem „bitteren Weg“, wie es Stadtdekanin Barbara Kittelberger einmal nannte: Sie muss sparen, oft mit schmerzlichen Einschnitten, um dem Dekanatsbezirk, dem die Pleite drohte, eine Perspektive zu geben. Hauptproblem ist die immense Last des Immobilienunterhalts. Vor acht Jahren begann ein Immobilienstrukturausschuss eine Strategie zu entwickeln. Die nimmt nun, nach vielen Abstimmungsrunden, Gestalt an.

Es wird auch höchste Zeit, denn die finanzielle Situation hat sich nicht entspannt. Dass die Jahresrechnung des Dekanatsbezirks mit einem Überschuss von 1,4 Millionen Euro schließt, dürfe darüber nicht hinwegtäuschen, mahnte der Vorsitzende des Finanzausschusses, Eike Schulz, in der jüngsten Sitzung: „Wir haben den Gürtel extrem eng geschnallt und keine größeren Baumaßnahmen gehabt.“ Das werde nicht auf Dauer funktionieren. Dringende Sanierungsfälle stauen sich: In der Prioritätenliste bis zum Jahr 2024 stehen 18 Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von 44,6 Millionen Euro.

Das aus der Not geborene Prinzip, Immobilien zu verkaufen und mit dem Erlös den Unterhalt der verbleibenden Gebäude zu zahlen, ist ausgereizt. Die Synode will nicht länger von der Substanz leben. Das neue Konzept, für das sich die Synode nun aussprach, nimmt Gemeinden und Prodekanate ab 2017 stärker in die Pflicht.

-Den „kleinen Bauunterhalt“ samt Wartungsarbeiten sollen die Gemeinden künftig selbst tragen. Sie sind angehalten, Rücklagen zu bilden. Erst ab einer von der Mitgliederzahl abhängigen Obergrenze springt die Gesamtkirchengemeinde ein. Größere Bau- und Sanierungsmaßnahmen werden vorerst wie bisher gemeinsam von Landeskirche, Dekanat und Gemeinde finanziert. Das Dekanat will die Gemeinden dabei unterstützen, effektiver Drittmittel einzuwerben.

-„Der aktuelle Gebäudebestand ist mit den zukünftig zur Verfügung stehenden Mitteln nicht in seiner Gesamtheit zu erhalten.“ Heißt es in dem Papier. Deshalb müssten „subventionierte Flächen in Ertragsflächen“ umgewandelt werden. Das kann durch Vermietung ebenso geschehen wie durch gemeinsame Nutzung mit kirchlichen Partnern. Hierfür gibt es bereits Beispiele (siehe Kasten). „Wir haben einen Schatz an Gebäuden, die im Dornröschenschlaf liegen“, unterstrich Stefan Neukamm, Leiter der Bauabteilung. Man denke über eine zentrale Stelle nach, die die Gemeinden bei der Vermietung unterstützen soll.

-Sogar die Kirchengemeinden selbst – im Dekanat sind es 67 – stehen zur Disposition. „Eine Reduzierung der Anzahl“ sei erforderlich, heißt es. Die einfache Rechnung: Wenn zwei Gemeinden zu einer verschmelzen, muss es Pfarrbüro, Gemeindehaus und Ähnliches nur einmal geben. „Hier ist ein Umdenken im Gang“, so Neukamm. „Wo man am Anfang sagte, das geht gar nicht, kommt Bewegung rein.“

Wie viele Gemeinden im Dekanat letztendlich bleiben sollen, steht laut Stadtdekanin Barbara Kittelberger noch nicht fest. „Zunächst einmal müssen wir den landeskirchlichen Stellenplan 2021 abwarten“, sagte sie am Dienstag auf Nachfrage. Generell wolle man Fusionen nicht von oben herab verfügen, „das hat sich in der Evangelischen Kirche nie bewährt“. Vielmehr werde das Dekanat die Gemeinden bei Kooperationen unterstützen. Daraus könnten Möglichkeiten einer Fusion wachsen.

Die Immanuelkirche in Denning und die Nazarethkirche am Rande der Parkstadt Bogenhausen haben diesen Schritt 2014 vollendet. Den Anstoß, so erzählt Pfarrer Markus Rhinow, hätten Stellenkürzungen gegeben. Der Pfarrer sieht die Fusion heute als Gewinn an. Die Nazarethkirche sei zeitweise an die koreanische Gemeinde vermietet, die gemeinsame Betreuung der beiden Kindergärten spare Geld und Arbeit. Vor allem aber sei auch „die Qualität dessen, was wir tun“ gewachsen, weil die Mitglieder des Seelsorge-Teams sich spezialisieren konnten. Die Hoffnung an der denkmalgeschützten Nazarethkirche eine große Kita und Wohnungen als Ertragsobjekt bauen zu können, hat sich zerschlagen: „Die Stadt hat es nicht genehmigt.“

„Der Prozess ist aufreibend“, hat Rhinow erfahren. „Ihr müsst gute Gründe haben, das zu tun“, ermahnt er seine Amtskollegen. Umso mehr, als die Fusion der Gemeinden weit mehr Zeit brauche als die drei bis vier Jahre, die der formale Zusammenschluss der Verwaltung dauerte. „Es stoßen Kulturen aufeinander. Gemeinden sind ja wie Organismen“, berichtet Rhinow. Es sei nicht einfach, Menschen, die in Nazareth konfirmiert wurden, klarzumachen, dass sie ihr Kind dort nicht taufen lassen können, weil dort keine Taufgottesdienste mehr stattfinden. Wichtig ist Rhinow, dass die Nazarethkirche weiterhin „ein spiritueller Raum“ bleibt. Die Kirche dürfe sich nicht „aus der Tiefe des Raumes zurückziehen“.

Die Synode nahm das Strategiepapier einstimmig an. Nun, so appellierte Kittelberger, gelte es, in den Prodekanaten und Gemeinden für das Projekt zu werben. Nur miteinander sei der Weg in die Zukunft zu bewältigen.

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