Hammed Khamis

Ex-Einbrecher verrät: Deshalb ist es so leicht

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Engagiert sich heute für Kinder: Hammed Khamis.

München - Hammed Khamis geriet als Kind auf die schiefe Bahn. Diese Zeit hat der 37-Jährige inzwischen hinter sich gelassen, engagiert sich heute selbst für Kinder. In der tz packt er über seine Zeit als Einbrecher aus.

Er kennt die Tricks der Einbrecher. Hammed Khamis (37) war einer von ihnen. Als eines von 14 Kindern einer libanesischen Gastarbeiterfamilie geriet er auf die schiefe Bahn – und wurde kriminell. Das ermöglichte ihm ein Leben im Luxus. Alles Vergangenheit. Heute engagiert sich Khamis für Kinder, schreibt Bücher und hält Vorträge. Bei Frank Plasberg war er Gast in der Talk-Sendung hart aber fair. Im tz-Interview erklärt er, wie Einbrecher ticken.

Herr Khamis, vom bösen Buben zum Streetworker: Wie kam es zu dieser Wende?

Hammed Khamis: Ich habe schlimme Sachen gemacht, die ich zutiefst bereue. Ich möchte der Gesellschaft ein Stück zurückgeben.

Wie sind Sie auf die schiefe Bahn geraten?

Khamis: Als meine Mutter gestorben ist, hat sich alles verändert. Mein kleiner Bruder und ich sind weggerannt, wollten nicht bei den anderen wohnen. Wir brauchten Geld, Klamotten, Essen, eine Wohnung – einfach alles. Da nahm ich die ersten Aufträge an.

Und wurden Einbrecher…

Khamis: Es wurde zum Beruf. Das war harte Arbeit. Man überlässt nichts dem Zufall. Deshalb werden Profis nie geschnappt.

Wie sind Sie vorgegangen?

Khamis: Manchmal alleine, oft zu zweit. Profis spähen ein Objekt tagelang aus, schauen, was es zu holen gibt. Sie wissen, wann die Leute zur Arbeit gehen, wann sie daheim sind.

Welche Objekte weckten Ihr besonderes Interesse?

Khamis: Die mit den Alarmanlagen.

Die sorgen doch eigentlich für Sicherheit, oder?

Khamis: Im Gegenteil. Sie signalisieren, dass jemand Wertvolles schützen will. Kameras und Alarmanlagen hängen meist an zwei Kabeln. Die sind schnell durchtrennt. Volle Briefkästen und heruntergelassene Jalousien sind ein Zeichen dafür, dass Bewohner verreist sind.

Wie kann man Einbrecher abschrecken?

Khamis: Einfach und kostenlos. Zwei Paar Schuhe vor der Türe täuschen Besuch vor. Oder das klassische Hundeschild am Zaun. Hunde wissen, wer ins Haus gehört und wer nicht.

Ihr dreistester Einbruch?

Khamis: Einmal waren wir drei Tage im Haus einer Frau. Der Schlüsseldienst hat uns dank eines gefälschten Mietvertrags sogar die Türe aufgemacht. Wir gingen tagsüber aus und ein, haben die Nachbarn gegrüßt. Die dachten, wir gehören dazu.

Was sind die besten Verstecke für Wertsachen?

Khamis: Keine Sachen rumliegen lassen! Nehmen Sie das Kühlfach, Hohlräume in Schuhen oder Verpackungen von Lebensmitteln. Einbrecher haben wenig Zeit.

Früher sind Sie Lamborghini gefahren. Vermissen Sie dieses Leben nicht?

Khamis: Ich hatte auch Lamborghini-Freunde. Die Fahrrad-Freunde sind besser. Die sind auch bei dir, wenn du nichts hast. Echter Respekt, echte Freundschaft. Jetzt habe ich eine Karriere, schreibe Bücher und bekomme Geld dafür! Ich frage mich oft: Was hast du da eigentlich früher gemacht?

­Hammed ­Khamis’ Buch „Ansichten eines Banditen“ gibt’s für 11,95 Euro

Ramona Weise

Ramona Weise

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Johannes Heininger

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