Er will 306 000 Euro Schmerzensgeld

Verpfuschter Löwe! Ex-Spieler Kaiser verklagt Klinik

+
Sandro Kaiser und sein Anwalt vor Gericht.

München - Sandro Kaiser wollte beim TSV 1860 durchstarten. Doch dann versaute eine Operation seine Karriere. Der Ex-Spieler verklagt nun die Klinik.

Er galt als Münchner Nachwuchshoffnung: Bei den Löwen sollte Sandro Kaiser (26) als Profi-Kicker richtig durchstarten, Experten sagten dem Linksaußen eine große Karriere voraus. Schon nach nur 45 Zweitliga-Spielen war sein Traum aber zerplatzt: Nach einer Leisten-Operation kam Kaiser nie wieder in Form, musste den Verein wechseln und vergangenen Herbst schweren Herzens sein Karriere-Ende verkünden.

Schuld daran soll die Maria-Theresia-Klinik am Bavariaring sein, wo sich der Ex-Löwe am 10. Januar 2012 operieren ließ. Bei dem Eingriff gab es heftige Komplikationen, unter denen der Ex-Löwe bis heute leidet. „Ich habe jeden Tag Schmerzen“, sagt Sandro zur tz. „Leistungssport kann ich nicht mehr betreiben.“ Auf 306 000 Euro Schmerzensgeld verklagte er mit Anwalt Harald Schauer (49) deshalb die Klinik. Am Landgericht kam es gestern zum Prozess.

Kaiser: "Wurde nicht über die Risiken aufgeklärt"

Maria-Theresia-Klinik am Bavariaring.

„Ich wurde nicht über andere OP-Verfahren aufgeklärt und auch nicht über die Risiken“, behauptet Kaiser. Bei dem endoskopischen Eingriff wurden ihm beidseitig Netze eingesetzt, die die malade Leisten stützen sollten. Auch Bauchhöhle, Darm und Blase können aber bei der sogenannten TAPP-Methode verletzt werden. „Es ist eine anspruchsvolle Technik, die aber eine geringere Rückfallquote aufweist. Ich habe damit große Erfahrung“, sagt der Operateur, der als Zeuge geladen war und die Vorwürfe bestreitet.

Angeblich nur zehn Minuten lang habe das Vorgespräch bei ihm gedauert, sagt Kaiser. Den Arzt hatte er ursprünglich aufgesucht, weil seine Adduktoren-Probleme über Monate anhielten. Per Ultraschall wurden dann die Leistenbrüche diagnostiziert. „Wenn ich weiter Fußball spielen möchte, muss ich die OP machen. So wurde es mir gesagt.“ 14 Tage später sollte der Kaiser wieder auf dem Platz stehen. „Tatsächlich hat die OP meine Karriere ruiniert.“

Denn im Unterbauch hatten sich die Netze aufgerollt. „Eine typische Komplikation. Es kam zu einer kugeligen Vorwölbung“, sagt Chirurgin Ulrike Muschaweck, die ihn im Sommer 2013 nochmals operiert hatte. Die Leiden des Ex-Löwen: Sie werden wohl nur noch durch das Urteil gemindert, das am 2. März fallen soll. Kicken? Daran denkt Kaiser nicht – zu groß sind seine Schmerzen. „Auch privat kann ich keinen Sport mehr machen.“ Stattdessen hat er nun ein BWL-Studium an der LMU begonnen.

Seine kurze Karriere

Noch vor fünf Jahren betrug sein Marktwert 500 000 Euro – danach geriet die Karriere von Sandro Kaiser (26) ins Wanken. Er begann in der Jugend der Löwen und spielte sich über die zweite Mannschaft zu den Profis, wo er bis 2012 insgesamt 30 Spiele in der 2. Liga absolvierte. Sein Vertrag bei 1860 wurde wegen der Verletzungsprobleme nicht mehr verlängert. Kaiser musste wechseln. Auch beim 1.FC Heidenheim, dem FSV Frankfurt, der Spielvereinigung Unterhaching und Eintracht Bamberg kam der Linksaußen aber nicht mehr in Tritt. Im Herbst 2015 machte Kaiser Schluss mit dem Profifußball. „Es ging einfach nicht mehr.“

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Er wollte den FCB erpressen: Besenstielräuber vor Gericht
Er wollte den FCB erpressen: Besenstielräuber vor Gericht
Nach Pinkel-Eklat: Standlbesitzer brutal verprügelt
Nach Pinkel-Eklat: Standlbesitzer brutal verprügelt

Kommentare