PR-Gag oder große Geste?

Zuckerberg will 45.000.000.000 spenden: Das denkt München

Mark Zuckerberg mit Frau Priscilla Chan und Tochter Maxima.
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Mark Zuckerberg mit Frau Priscilla Chan und Tochter Maxima.

München - Facebook-Chef Mark Zuckerberg will 45 Milliarden Dollar verschenken. PR-Gag oder große Geste? Das denken die Münchner über das milliardenschwere Geschenk – die tz hat Promis und Passanten gefragt.

Mega-Spende aus dem Silicon Valley: Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist Vater geworden – und will deshalb fast alle seine Anteile an dem Internetkonzern verschenken: 45 Milliarden Dollar! Der 31-Jährige verkündete am Dienstag auf seiner Facebook-Seite stolz, dass seine Frau Priscilla Chan Tochter Maxima auf die Welt gebracht habe. In einem offenen Brief versprachen sie ihrer Tochter, dazu beitragen zu wollen, dass sie in einer besseren Welt aufwachse. „Priscilla und ich sind so glücklich, unsere Tochter Max auf dieser Welt willkommen zu heißen“, schrieb Zuckerberg. Priscilla und er würden im Laufe ihres Lebens 99 Prozent ihrer Facebook-Aktien im Wert von umgerechnet 42,5 Milliarden Euro an ihre Stiftung Chan Zuckerberg Initiative spenden. Ziel: Chancengleichheit für alle Kinder. Melinda Gates, Ehefrau und selbst Großspenderin (das Familien-Vermögen von 85 Milliarden Dollar soll verschenkt werden) schickte Glückwünsche – auch im Namen ihres Gatten und Microsoft-Gründers Bill: „Willkommen in der Welt, Max! Du hast großes Glück, so tolle Eltern zu haben.“ Auch Maria Shriver, Journalistin und Ex-Frau von Arnold Schwarzenegger gratulierte – so wie Millionen Nutzer auf der ganzen Welt. Genialer PR-Gag oder große Geste? Das denken die Münchner über das milliardenschwere Geschenk – die tz hat bei bekannten Persönlichkeiten und Passanten auf der Straße nachgefragt:

Das ist ein wichtiges Signal

Seit über 22 Jahren kümmert sich der Münchner Eagles Charity Golf Club e.V nun schon um Menschen, die in eine Notlage geraten sind. Als Club-Präsident Frank ­Fleschenberg am Mittwoch von Mark Zuckerbergs Rekord-Spende erfuhr, konnte er die Großzügigkeit kaum glauben: „Das ist sensationell. Und ein unfassbar wichtiges Signal an alle Menschen“, freut sich der 67-Jährige, der auch immer wieder Promis um Spenden für Hilfsbedürftige und Kranke bittet – und später verteilt. „Dass ein noch so junger Mensch einen solchen Weitblick zeigt, ist zudem beeindruckend“, so Fleschenberg. „Für manche sind fünf Euro viel, ihm tut diese Summe weh. Das ist wahre Großzügigkeit!“

Ein bisschen viel

Die Summe, die Mark Zuckerberg spendet, finde ich persönlich schon sehr hoch. Selber würde ich nicht ganz so viel spenden, das ist ja ein Großteil des Vermögens, das er mit Facebook gemacht hat. Wenn deutsche Firmen in angemessenen Rahmen spenden fände ich das aber sehr gut. Sollte ich mal zehn Millionen gewinnen oder verdienen, würde ich die Hälfte abgeben.

Jochen Spannbauer (46), Selbstständiger, München

Hipp hilft auch, aber im Stillen

Gesunde Babynahrung – dafür steht die Firma Hipp. Geschäftsführer Claus Hipp (77) sagt: „Das Wertvollste im Leben sind unsere Kinder.“ Hipp ist seit 20 Jahren Schirmherr der Münchner Tafel und wirbt für soziales Engagement: „Jeder, der im Rahmen seiner individuellen Möglichkeiten – im Kleinen wie im Großen – etwas zu einer lebenswerten Zukunft für nachfolgende Generationen beiträgt, tut etwas Gutes.“ Das habe auch Herr Zuckerberg erkannt, dem Hipp gratuliert. „Wir bei Hipp helfen selbstverständlich auch – aber im Stillen“, sagt Hipp. „Wir machen damit aber keine Werbung in der Öffentlichkeit.“

Es reichen fünf Euro

Seit 25 Jahren engagiert sich Claudia Graus (68) für das Kinderhilfswerk UNICEF, seit zwei Jahren ist sie Vize-Vorstands-Chefin von UNICEF Deutschland. Sie sagt: „Die Deutschen könnten noch viel mehr spenden. Vor allem die Reichen unseres Landes.“ Auch die „kleinen Leute“ nimmt sie in die Pflicht. „Es reichen ja oft schon fünf oder zehn Euro, auch damit kann man viel bewegen!“ Nichts zu tun sei keine Alternative. Dazu fällt ihr ein afrikanisches Sprichwort ein: „Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, viele kleine Schritte tun, wird sich die ganze Welt verändern.“

Jede Spende zählt

Bedürftigen Menschen helfen – das ist für Biss-Geschäftsführerin Karin Lohr (54) Alltag. Den Satz „spenden bringt doch nichts“ hört sie oft – und lehnt ihn ebenso oft ab. „Jede Spende verbessert das Leben eines Menschen!“ Mit dem Engagement der Münchner ist sie zufrieden: „Wir haben eine aktive und funktionierende Zivilgesellschaft.“ Zuckerbergs Spende begrüßt sie, sagt aber: „Er profitiert ungemein vom funktionierenden Gemeinwesen.“ Seine Angestellten seien an guten Unis ausgebildet, er könne überall auf eine gute Infrastruktur zurückgreifen, so Lohr. „Jetzt gibt er seinen Teil zurück.“

Andere mitreißen!

Mit ihrer Stiftung s‘Münchner Herz engagieren sich Günter und Margot Steinberg (Hofbräukeller) schon jahrelang für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in München. „Mark Zuckerberg hat eine ganz tolle Entscheidung getroffen. Damit wird vielen Menschen geholfen. Meine Hochachtung!“, sagt Steinberg. Jetzt komme es nur noch auf die gerechte Verteilung an, meint der Wiesn-Wirt. Heuchlerisch findet Steinberg die angekündigte Spende nicht: „Im Gegenteil! Jeder, der etwas Gutes tut, sollte offensiv damit umgehen – um andere auch zum Spenden zu bewegen.“

Sich für andere einsetzen

Auch die Stadtsparkassen in München unterstützen im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit den von ihnen gegründeten Stiftungen viele soziale Projekte. Vorstandsvorsitzender Ralf ­Fleischer: „Wenn Menschen sich für andere einsetzen, ist das eine lobenswerte Eigenschaft. Er sieht aber auch, dass der Wohlstand auf der Erde ziemlich ungleich verteilt ist. Klar sei auch, dass der Staat nicht alles leisten kann, was wünschenswert wäre – selbst nicht in einem so hochentwickelten Staat wie Deutschland. Fleischer: „Toll, dass sich der Facebook-Gründer zu diesem Schritt entschlossen hat.“

Evangelium kapiert

Er weiß genau wie Nächstenliebe funktioniert. Pfarrer Rainer Maria Schießler sagt über Zuckerbergs großes Spendenversprechen: „Da hat einer das Evangelium verstanden. Respekt!“ Dabei muss man aber nicht zwangsläufig den christlichen Glauben verinnerlichen, um ein guter Mensch zu sein. „Der Mann hat kapiert, worum es im Leben wirklich geht. Klar, kann ich als vermögender Mensch immer etwas mehr abgeben. Aber um die Summe geht’s ja auch gar nicht.“ Schießler: „Wissen Sie, der Sarg hat nun mal keine Anhängekupplung. Mitnehmen kann man sowieso nix.“

Nicht übertrieben

Ich finde es nicht übertrieben, dass Mark Zuckerberg so viel Geld spendet. Dass deutsche Firmen auch so viel spenden werden, kann ich mir nicht vorstellen. In Amerika sind die Firmen viel größer und auf viel größere und globalere Zielgruppen angelegt. Viele deutsche Firmen können da einfach nicht mithalten. Trotdem finde ich, dass diejenigen, die es sich leisten können, spenden sollten.

Sarah Schmidt (21), Studentin München

Niemanden zwingen

Als das Gastronomen-Paar Clarissa und Michael Käfer 2007 heiratete, wollten sie nicht nur das eigene Glück feiern, sondern Gutes tun. Also gründeten die beiden eine Stiftung. Das Ziel: alte und kranke Menschen unterstützen. „Wir leben in der besten Zeit, die es je gab, in einem sehr wohlhabenden Land, uns geht es gut – darum wollten wir etwas zurückgeben.“ Die Stadt München liegt Michael Käfer dabei besonders am Herzen: „Hier bin ich groß geworden, die Stadt hat mich groß gemacht.“ Man könne aber niemanden zwingen, sein Geld zu spenden. Käfer: „Das muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen!“

Ändert nicht viel

Dass Mark Zuckerberg jetzt, da er eine Tochter bekommen hat, die Welt, in der sie aufwachsen soll verbessern möchte, kann ich verstehen. Es läuft zur Zeit vieles falsch. Aber der Betrag, auch wenn er hoch ist, wird nicht viel ändern. Es ist höchstens ein Anfang und eine Motivation für andere, es ihm gleich zu tun. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass man mit Geld die Welt nicht retten kann, da braucht es mehr.

David Wüthrich (32) Finanzberater Basel

Umfrage: Tobias Scharnagl, Johannes Heininger, Sarah Brückl

Sarah Brückl

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Johannes Heininger

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Tobias Scharnagl

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