Angebliche Asylbewerber

Virales Video von Bahn-Prügelei in München: Das sagt die Polizei

Ein Screenshot aus dem Video.

München - Seit einigen Tagen kursiert im Netz ein Handyvideo, in dem sich mehrere Menschen in der Münchner U-Bahn prügeln. Asylbewerber, meint der mutmaßliche Filmer. Wir haben mit der Polizei gesprochen.

Ein Screenshot der Startseite von dailymail.co.uk am Dienstagvormittag.

+++ Update vom 03. Februar, 14 Uhr: Die Münchner Polizei hat mittlerweile den Abend, an dem das Video entstand rekonstruiert und neue Details zu den jungen Männern bekannt gegeben.

+++ Update vom 2. Februar 15.30 Uhr: Die Polizei gibt erste Details zum Ermittlungsstand bekannt.

Seit Tagen kursiert im Netz ein Handyvideo, das hohe Wellen schlägt. Nicht nur bei Facebook, wo er es hochgeladen hat und es schon mehr als 74.000 Mal geteilt wurde, sondern auch bei anderen Plattformen wie YouTube oder Liveleak.com. Die große englische Zeitung Daily Mail titelte am Dienstag damit auf ihrer Homepage.

Angeblich sollen darauf Asylbewerber zu sehen sein, die sich in der Münchner U-Bahn prügeln, so die Aussage des Lesers, der sich am Sonntag mit diesem Video an unsere Onlineredaktion gewandt hat und der das Video selbst gefilmt haben will.

Der angebliche Urheber des Videos schrieb an die Onlineredaktion, er sei in der U-Bahn Zeuge dieser Prügelei geworden, die er auch mit dem Handy mitgefilmt habe. In seinem Statement weist er wiederholt auf die Nationalitäten einiger der Männer hin, die in dem Video zu sehen sind, ebenso sollen sie nach seiner Schilderung eine Frau belästigt haben. 

Filmer distanziert sich von rechten und linken Kommentaren

Einige Kommentatoren im Netz haben die Aussagen des Filmers anscheinend unreflektiert aufgenommen: Die Stimmung ist extrem aufgeheizt, deutliche Kommentare aus dem rechten Spektrum keine Seltenheit. Der angebliche Zeuge sah sich zu einem Nachtrag unter seinem Video-Posting genötigt: "Ich distanziere mich ausdrücklich von allen rechten sowie linken Äußerungen, die ggf. durch Personen verkündet werden, die dieses Video teilen. Ich wollte lediglich öffentlich zeigen, was passiert ist."

Die Darstellung des Filmers wirft viele Fragen auf: Warum hat er nicht die Polizei verständigt? Ebenso, wie die Personen als Asylbewerber zu identifizieren waren? Eine mögliche Belästigung einer Frau ist im Video ebenfalls nicht zu sehen.

Da sich die Falschmeldungen und Gerüchte um Flüchtlinge, die größtenteils bei Facebook im Umlauf sind, derzeit häufen, wollte unsere Redaktion den Sachverhalt vor einer Veröffentlichung zunächst genau überprüfen. Unsere Redaktion steht seit Montag in Kontakt mit der Polizei wegen des Videos.

Polizei mit Zeugen in Kontakt - Ermittlungen laufen

Die Polizei München wurde durch das öffentliche Interesse am Montag auf das Video aufmerksam. Einen Einsatz in der U-Bahn oder einen Notruf hat es anscheinend nicht gegeben. Auf Nachfrage der Onlineredaktion meint ein Sprecher: "Das Video wurde an das zuständige Fachkommissariat weitergeleitet. Die versuchen nun den Sachverhalt zu ermitteln und stehen mit einem Zeugen in Kontakt."

Nach Aussage des Sprechers schätzt die Polizei das Video als aktuell ein. Auf die Aussagen des angeblichen Urhebers des Handyvideos angesprochen, verweist der Sprecher auf die gerade erst aufgenommenen Ermittlungen: Da bisher keine der Personalien der Personen, die im Video zu sehen sind, bekannt sind, kann die Polizei "weder bestätigen noch verneinen", dass es sich bei den Personen um Asylbewerber handelt.

Wir halten Sie weiter über den aktuellen Ermittlungsstand auf dem Laufenden. An Gerüchten oder Hetze wird sich unsere Onlineredaktion und allerdings nicht beteiligen.

Um sich selbst ein Bild zu machen, können Sie sich hier das Video anschauen. 

Mir reicht es jetzt endgültig mit gewalttätigen Asylanten/Asylbewerbern! Vor meinen Augen wurde zuerst eine junge Frau...

Posted by Tom Roth on Samstag, 30. Januar 2016

Vanessa Fonth

 

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