Aline, Anna und Inge

Über diese drei Gerichtsfälle spricht München diese Woche

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Die Gerichtsfälle um Aline, Anna und Inge beschäftigen in dieser Woche viele Münchner.

München - Drei Gerichtsfälle beschäftigen diese Woche München. Der BGH entscheidet Mittwoch über den Fall der bettlägrigen Anna. Ende der Woche könnte das Urteil im „Fall Aline“ gefällt werden, außerdem wird der Mord an Inge W. neu aufgerollt.

Der Fall von Anna U. (97) schockierte ganz München: Exklusiv hatte die tz im Sommer über die demenzkranke Frau berichtet – und darüber, dass das Landgericht I die bettlägrige Seniorin auf die Straße gesetzt hatte.

Die Vermieterin hatte geklagt, wollte die Kranke und deren Pfleger (der in einer kleinen Wohnung nebenan lebt) aus den vier Wänden haben. Mit Erfolg. Aber geht das? Kann man eine fast Hundertjährige aus der Wohnung werfen? Am Mittwoch entscheidet nun der Bundesgerichtshof über den Fall.

„Ich hoffe, es gibt endlich Gerechtigkeit“, betonte Pfleger Hani F. immer wieder gegenüber der tz. Er kümmert sich seit vielen Jahren liebevoll um die alte Dame, die von Grundsicherung lebt. Zwischen ihm und der Vermieterin war es aber immer wieder zu Streitigkeiten gekommen. Irgendwann war es der Vermieterin dann zu viel: Sie kündigte den Mietvertrag für die beiden Wohnungen fristlos. Heißt natürlich: Auch Anna U. muss ihre Drei-Zimmer-Wohnung in Schwabing verlassen, in der sie seit 1955 lebt (und 831 Euro Miete monatlich zahlt). Hani F. wohnt nebenan in einem Ein-Zimmer-Apartment – für 443 Euro. Beide Mieten wurden übrigens immer pünktlich überwiesen.

Die Mieter zogen aber gegen die Kündigungen vor Gericht. Zunächst mit Erfolg. Das Amtsgericht gab ihnen Recht, wies die Räumungsklage ab. Der Tenor: Man könne eine bettlägrige Frau und deren Pfleger nicht auf die Straße setzen. Punkt!

Aber die Geschichte war noch nicht vorbei. Die Klägerin ging in Berufung – und plötzlich drehte sich der Fall: Das Landgericht München I hob das Ersturteil auf und gab der Klage statt. Ein Schock auch für Anwalt Alexander Krause, den Rechtsbeistand von Anna U. Der Jurist sagte damals der tz: „Wir waren völlig verblüfft über die Entscheidung.“

Ob es nun wirklich zur Räumung kommt, entscheidet am Mittwoch der BGH. Vielleicht dürfen Anna U. und ihr Pfleger ja bleiben…

Fall Aline: Wie wird ihr Mörder bestraft?

Sein Motiv war Eifersucht: Weil Aline K. (†) sich von ihm trennen wollte, brachte Michael P. seine Freundin am 8. September 2015 um. Zuhause, auf dem Sofa in Neuperlach erwürgte er sie – und gestand die Tat später vor dem Landgericht unter Tränen. Dort offenbarte er auch Einblicke in seine kranke Seele: „Sie wollte umgebracht werden“, behauptete Michael P., um den Mord zu rechtfertigen. Die Gutachter halten ihn psychisch auffällig, aber dennoch für voll schuldfähig. Den Mord habe P. zielgerichtet und bewusst begangen. Ob er nun für den Rest seines Lebens hinter Gitter muss, wird sich ab morgen zeigen: Dann werden die Plädoyers in dem Mordfall gehalten. Das Urteil will Richter Michael Höhne Ende der Woche fällen.

Im Herbst 2015 hatte der Mordfall wochenlang für Aufsehen gesorgt. Zunächst galt Aline K. als vermisst, später wurde ihre Leiche dann in einem Kellerschacht in Lochhausen gefunden. Dort hatte Michael P. sie abgelegt. Den Ort kannte er gut: Schon als Kind hatte er dort gespielt.

„Ich war im Tunnel und wusste nicht, was ich tue“, sagte Michael P. vor Gericht. Nun muss er die Verantwortung für seine grausige Tate übernehmen.

Mord an Inge Wittersheim: Lebenslang oder endlich frei?

Wird dieser Prozess ihn entgültig entlasten – oder als feigen Mörder überführen? Ab Dienstag geht es für Roman H. (39) um alles: Vor dem Landgericht muss er sich wegen Mordes verantworten – bereits zum zweiten Mal.

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass der gelernte Schweißer die Seniorin Inge Wittersheim († 79) niedergeschlagen und erdrosselt hat – nur, um ihr Bargeld und eine Uhr zu stehlen. In ihrer Wohnung am Gärtnerplatz fanden Ermittler DNA-Spuren von Roman H., der Mord konnte ihm aber nie nachgewiesen werden: Im April 2015 sprach ihn das Landgericht frei. Doch der Bundesgerichtshof (BGH) kippte das Urteil vergangenen Dezember und bemängelte, die Spuren seien nicht ausreichend gewürdigt worden. Jetzt wird der Prozess vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts neu aufgerollt.

Dort wird Rechtsanwalt Tom Heindl den mutmaßlichen Mörder verteidigen. Er konnte mit seiner Kollegin Anja Aringer den spektakulären Freispruch im ersten Prozess erzielen und kritisiert: „Mein Mandant wird mittlerweile seit zwei Jahren von der Justiz gepeinigt.“ Denn Roman H. hatte während des sechs Monate langen Mordprozesses bereits in Untersuchungshaft gesessen – nun macht er dasselbe noch einmal durch. Nur, dass Roman H. in der Neuauflage vor dem Landgericht ein „noch härterer Prozess“ als beim ersten Mal bevorsteht, glaubt Heindl.

Entscheidendes Indiz sind die DNA-Spuren von Roman H. in der Wohnung der Seniorin: Er hatte ihr einige Male im Haushalt geholfen. Dort soll er sie aber auch aus Habgier ermordet haben. Schon der Zeitpunkt für die mutmaßliche Tat ist aber strittig: Die Staatsanwaltschaft grenzt ihn zwischen dem 4. und 10. Oktober 2013 ein. Wahrscheinlich geschah der Mord am Abend des 4. Oktober oder in den Stunden danach. Ob es tatsächlich Roman H. war, muss Richter Stephan Kirchinger nun klären. Er steht, wie vorher sein Kollege Norbert Riedmann, vor dem Problem, dass die Beweislage in dem Fall unklar ist. „Es kommt ganz entscheidend darauf an, wie das Gericht die DNA-Spurenlage wertet“, sagt Verteidiger Tom Heindl.

Sollte das Gericht Roman H. freisprechen, muss er umfangreich für die lange U-Haft entschädigt werden. Wird er verurteilt, dann hieße das auch, dass ein Mörder seit April 2015 anderthalb Jahre lang auf freiem Fuß war. So oder so: Das Urteil wird endgültig sein. Es soll Ende Februar fallen.

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