Familien und Senioren

Groß gegen klein: Wohnungstausch-Börse bleibt nur eine Idee

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Gib du mir, geb ich dir: Wohnungstausch kann eine sinnvolle Sache sein. Aber wer bringt die Partner zusammen?

München - Es ist ein Vorschlag, der seit Jahren diskutiert wird: Ältere Menschen, die in großen, aber nicht barrierefreien Wohnungen leben, sollen Angebote zum Umzug in kleinere Behausungen bekommen, die ihren Bedürfnissen besser entsprechen. Die städtischen Gesellschaften helfen ihren Mietern, eine geeignete Bleibe zu finden, aber eine Art Marktplatz scheitert an der Koordination.

Der Gedanke dahinter: Die größeren Wohnungen werden für junge Familien frei, und die angespannte Situation auf dem Münchner Wohnungsmarkt lockert sich – zumindest ein bisschen.

In mehreren Anträgen hatte der Seniorenbeirat seit Herbst 2014 bei der Stadt für das Konzept „Wohnungstauschbörse“ geworben. Bislang ohne Ergebnis. Nun haben die Stadtratsfraktionen der Bayernpartei und der Freien Wähler OB Dieter Reiter (SPD) dazu aufgefordert, das Engagement der städtischen Wohnungsbaugesellschaften unter die Lupe zu nehmen. Die Fraktionen sind unzufrieden. „Offenbar gibt es bei der Umsetzung der guten Idee in die Praxis Schwierigkeiten“, heißt es in der Anfrage.

Mario Schmidbauer ist Stadtrat für die Bayernpartei.

„Es ist ein zäher Prozess“, sagt auch Ingeborg Staudenmeyer, Vorsitzende des Seniorenbeirats. „Wir setzen uns immer wieder mit dem Sozialreferat zusammen, um zu erfahren, wie der aktuelle Stand ist.“ Viel passiere aber nicht. „Wenn man die städtischen Wohnungsbaugesellschaften darauf anspricht, heißt es nur: ,Das machen wir doch schon längst’. Aber wo und wann?“ Sie kenne viele Senioren, sagt Staudenmeyer, die ein entsprechendes Angebot gerne nutzen würden.

Armin Hagen von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG weist diese Vorwürfe strikt von sich. „Es hat innerhalb der GWG noch keinen Mieter gegeben, dessen Ansprüche wir nicht hätten umsetzen können, sofern sie vernünftig sind“, so Hagen. „Bei uns gibt es öfter mal ältere Menschen, die allein sind und nicht mehr in den dritten Stock hochkommen – wir haben ja auch einige Wohnungen ohne Aufzug. Dann setzen wir sie in eine Wohnung mit Aufzug um, oder in den ersten Stock – wie sie es eben brauchen.“

Prinzipiell hält der GWG-Sprecher eine Wohnungstauschbörse für eine gute Idee. Das Problem sei: „Eine wirkliche Börse bedeutet, dass es viele Anbieter gibt und irgendjemand eine Nachfrage hat.“ Da stelle sich die Frage, wer das koordinieren soll. „Welchen Vorteil hat ein Anbieter, wenn er seine Wohnung da reinstellt?“ Bislang sei es nicht möglich gewesen, ein solches System funktionsfähig zu machen.

Zudem bezweifelt Hagen, dass es bei den GWG-Mietern ein Umzugsbedürfnis gibt, dass nicht schon durch das bestehende Angebot gedeckt wird. „Wir hatten vor ungefähr 15 Jahren schon einmal so eine Aktion.“ Damals sei es auf das Hasenbergl bezogen gewesen, weil es dort viele große ehemalige Sozialwohnungen gegeben habe. „Wir dachten uns: Dort wohnen doch bestimmt viele alte Menschen allein, die umziehen wollen.“ Die Aktion sei komplett im Sande verlaufen. Erfahrungsgemäß komme der Umzugswille erst, wenn man es nicht mehr in die eigene Badewanne schaffe. „Dann setzen wir diese Menschen um, wenn sie wollen und wenn sie können.“ Die GWG biete sogar Wohnungsanpassungen an. „Es werden Schwellen ausgebaut oder es kommt mal ein zweiter Griff an die Dusche.“

Ingeborg Staudenmeyer ist Vorsitzende des Seniorenbeirates.

Ingeborg Staudenmeyer sieht es so: „Wenn es so ein Angebot gibt, muss man es besser publik machen.“ Sie vermisse entsprechende Hinweise in den Mieterzeitungen der Wohnungsbaugesellschaften. „Alle Mieter der GWG wissen, wo ihre Hausverwaltung ist und wo ihre Ansprechpartner sind“, entgegnet Hagen. Außerdem werde im vierteljährlichen GWG-Journal immer wieder auf das Angebot hingewiesen.

Wie viele Senioren die GWG in den vergangenen Jahren umgesiedelt hat, kann der GWG-Sprecher nicht sagen. Die Bergündung: „Sie werden bei uns behandelt wie alle anderen Umsetzer auch.“ Sprich: keine spezielle Senioren-Erfassung im GWG-System. „Es gibt auch genügend Menschen, die aufgrund eines Unfalls oder wegen einer Behinderung umgesetzt werden müssen“, sagt Hagen. „Da möchten wir nicht unterscheiden – warum auch?“

Ähnlich äußerte sich auf Anfrage auch eine Sprecherin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag.

Die Stadtratsfraktionen der Bayernpartei und Freien Wähler sind skeptisch. „Nach eigenen Aussagen gibt es bei den städtischen Wohnungsbaugesellschaften zwar Angebote zum Wohnungstausch, aktiv propagiert wird dies aber zumindest auf den Internetseiten der Gesellschaften nicht“, so Mario Schmidbauer (Bayernpartei). „Ich bin schon sehr gespannt auf OB Reiters Antwort“, ergänzt Ingeborg Staudenmeyer.

Marian Meidel

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