Fazit nach dem Amoklauf

Mediziner warnen: München hat Schwächen im Rettungssystem

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Nach dem Amoklauf am OEZ kritisieren Münchner Ärzte die Kliniken seien nicht ausreichend für solche Ernstfälle gerüstet.  Amoklauf mit zehn Toten und 35 Verletzten.

München - Sind Münchens Krankenhäuser für einen Ernstfall mit vielen Verletzten gerüstet? Ja und nein, sagen führende Münchner Mediziner. Sie kritisieren, dass sie beim Amoklauf am OEZ nicht ausreichend von den Sicherheitskräften informiert wurden. Außerdem sei es kaum möglich, Personal und Material für Notfälle vorzuhalten – es fehlten die finanziellen Mittel.

Den Katastrophenfall zu üben ist schwierig. Dennoch müssen die Krankenhäuser vorbereitet sein. Mit dem Zugunglück von Bad Aibling und dem Amoklauf am Olympiaeinkaufszentrum hatten die Kliniken gleich zwei Großeinsätze innerhalb weniger Monate zu bewältigen.

Gerade bei dem Amoklauf zeigten sich Schwächen im System, etwa die Kommunikation unter den Einsatzkräften. Zunächst wusste niemand, wie viele Täter in der Stadt unterwegs sind, ob weitere Verletzte hinzukommen, ob Sanitäter während ihres Einsatzes selbst gefährdet sind. Sicherheitshalber lösten die Kliniken Großalarm aus, was letztlich nicht unbedingt notwendig gewesen wäre.

Drei Dutzend Verletzte waren zu behandeln, einige mit Schussverletzungen. Ein großer Teil der Betroffenen habe sich bei Panikreaktionen in der Innenstadt leicht verletzt, sagt Dr. Stephan Prückner, Leiter des Institutes für Notfallmedizin und Medizinmanagement. Dafür wurden tausende von Mitarbeitern alarmiert, mehr als 500 standen allein am Klinikum der Universität zusätzlich bereit. „Dann war aber zunächst erst einmal fast nichts zu tun“, so Stephan Prückner .

Die Kliniken hätten sich über die Boulevardpresse informiert. „Das ist mitunter auch gefährlich, man kann die falschen Schlüsse ziehen“, ergänzt Prof. Wolfgang Böcker, Direktor der Chirurgischen Klinik an der Nußbaumstraße.

Deshalb stünden die Kliniken nun mit der Polizei in Kontakt, um zu überlegen, wie der Informationsfluss in solchen Situationen verbessert werden könnte. Die Kliniken wünschen sich direkte Ansprechpartner. Auch die Polizei sieht Gesprächsbedarf. Es gebe eine umfangreiche Nachbearbeitung, sagte ein Sprecher unserer Zeitung. „Die Kommunikation zwischen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten kann man sicher optimieren.“ So sei beispielsweise auch das Handy-netz überlastet gewesen. „Das macht es schwierig.“

Grundsätzlich stellt auch der Personalabbau in Kliniken ein Problem dar. Die von der Staatsregierung beschlossenen zusätzlichen Polizeistellen seien „gut und wünschenswert, aber wir Kliniken fallen da hinten runter“, sagt Prückner. In München reichten die Kapazitäten an Krankenhäusern, um kurzfristig 20 bis 30 Schwerverletzte versorgen zu können. Der Vorrat an Geräten und Material könnte im Ernstfall jedoch knapp werden.

Und: Die Behandlung von Schussverletzungen gehöre hierzulande nicht zur Routineausbildung, erklärt Wolfgang Böcker. Zwar ließen sich relativ schnell 15 Schockraum-Teams zusammenstellen – was bei Großschadensereignissen mit hunderten Verletzten ausreichen kann, „aber Sie werden es nicht schaffen, dass Sie 15 Teams haben, die Patienten mit komplexen Bombenverletzungen behandeln können.“

Böcker und Prückner nahmen jüngst in Berlin an einer Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zum Thema Terrorgefahr teil. Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, die Erfahrungen mit Terror durch Auslandseinsätze hat, könnte in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Münchens Kliniken wollen für den Ernstfall jedenfalls noch besser vorbereitet sein. Die beiden Experten gehen – mit Blick auf die Fälle in Würzburg, Ansbach und München – davon aus, dass solche Großeinsätze künftig häufiger eintreten werden.

Amoklauf am OEZ: Bilder des Polizeieinsatzes

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