Harald Zirngibl

FC-Bayern-Erpresser erstreitet sich Geld von Würstchenhändler

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Harald Zirngibl mit seinem Anwalt.

München - Er ist besser bekannt als FC-Bayern-Erpresser und Besenstiel-Räuber. Doch am Freitag saß Harald Zirngibl als Kläger vor Gericht. Und feierte einen Teilerfolg. 

Andere halten sich Aktendeckel vors Gesicht oder verstecken sich unter Kapuzen. Solch ein Theater hat ein Harald Zirngibl nicht nötig: Demonstrativ gelassen lässt er am Freitag den Fototermin in Saal 167 des Landgerichts München im Justizpalast über sich ergehen, schenkt den anwesenden Reportern ein mildes Lächeln und strahlt die ein oder andere Dame im Zuschauerraum gewinnend an.

Das ist er also, der Besenstielräuber. Sportlich gekleidet in Jeans, Poloshirt und blau-grüner Jacke mit goldenem Ring am rechten Ringfinger. Selbstbewusst wie eh und je, die Haare sind etwas weißer geworden. Ansonsten hat er sich kaum verändert – der Mann, der in den 90er-Jahren 16 Banken überfiel, 73 Geiseln nahm und die Beute von 4,7 Millionen D-Mark verpulverte. Seit Ende Februar sitzt er wieder in U-Haft, weil er den FC Bayern mit diffusen Anschlagsdrohungen um drei Millionen Euro erpresste.

Doch das war am Freitag kein Thema. Denn da war Harald Zirngibl der Kläger. Er hat nämlich einen alten Bekannten aus Straubinger Zeiten verklagt – den türkischen Würstchenhändler Mustafa B. (48, Name geändert), dem er im Dezember 2014 für ein Export-Geschäft mit Meica-Würstchen in die Türkei 7500 Euro lieh. Das Geld stammte aus dem Erbe seines verstorbenen Vaters, bei dem er nach der Haftentlassung 2009 wieder wohnte.

Das Würstchen-Geschäft ging schief. Zirngibl bekam sein Geld nicht zurück und war darüber so sauer, dass er sich dazu hinreißen ließ, eine strafrechtlich relevante Fake-Homepage in Mustafa C.’s Namen zu gestalten, deren beleidigende Inhalte er in der Nachbarschaft des türkischen Familienvaters verbreitete. Auch Zirngibls Bargeld-Deal mit überzogenen Beteiligungen war aus Sicht von Mustafa C.’s Wirtschaftsanwalt Dr. Ulrich Mähler sittenwidrig.

Kurze Prozess-Pause. Wer von den beiden Parteien auf den Flur gehen wolle, fragt Richter Jonas Fincke. „Bei uns ist das ja wohl ein bisschen schwierig“, schmunzelt Zirngibls Anwalt Andreas Berger aus Olching mit Blick auf den U-Häftling neben sich, und Zirngibl selbst lacht vergnügt. Am Ende steht der Vergleich: Zirngibl bekommt 3500 Euro. Zwei Drittel der Verfahrenskosten in Höhe von knapp 5000 Euro zahlt Mustafa C. Mit dem Blick zur Reporterbank formt Zirngibl mit den Fingern einen kleinen Kreis und zeigt nach oben. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach – alles klar.

Schon in Handschellen sagt er nach der Verhandlung noch: „Ich stände wohl nicht so hier, wenn ich mein Geld rechtzeitig zurückbekommen hätte.“ Dann ist die bizarre Show vorbei. In Begleitung der Justizvollzugsbamten verschwindet Zirngibl in den Katakomben – zurück nach Stadelheim, wo er nun auf seinen Strafprozess wartet.

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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