Ärger in der Lerchenau

Anwohner wehren sich: Horrende Summen für Straßen-Ausbau

Das kann für die Anlieger kostspielig werden: Die Schittgablerstraße wird ausgebaut. Foto: Bodmer

München - Anlieger müssen teuer für die Ersterschließung der jahrzehntealten Schittgablerstraße in der Lerchenau zahlen – und wollen sich wehren.

Es geht um Kosten zwischen 4000 und 100.000 Euro. Etwa 60 Grundeigentümer an der Schittgablerstraße in der Lerchenau werden von der Stadt zur Kasse gebeten. Auch einige am abzweigenden Löwenzahnweg stehen in der Pflicht, weil ihr Grundstück Anschluss an die Straße hat. Viele sind entsetzt über die sehr hohen Kosten, die die Stadt von ihnen verlangt – und wollen sich wehren.

Grund für die Zahlungen sind Zustand und Status der Straße. Diese existiert zwar schon seit Jahrzehnten, diente lange sogar dem Lastwagen-Verkehr, gilt aber trotzdem als noch nicht endgültig erschlossen. Das will das Baureferat in den kommenden Wochen ändern und „erstmalig die endgültige technische Herstellung“ durchführen. Dem Baugesetz gemäß darf eine Kommune dafür Erschließungsbeiträge verlangen. Auch München verfügt über eine Satzung, die solche Erhebungen regelt. Laut Baureferat entsprach „die Schittgablerstraße noch nie den städtischen Ausbaurichtlinien beziehungsweise den Merkmalen der endgültigen Herstellung, die in der Erschließungsbeitragssatzung verbindlich festgelegt werden.“ Diese Richtlinien beziehen sich auf die Beschaffenheit der Fahrbahn, der Geh- und Radwege, der Parkflächen sowie auf die Standards für Entwässerung und Beleuchtung.

Ab Ende März soll mit diesen Erschließungsmaßnahmen begonnen werden. Die Fahrbahn wird auf 5,5 Meter erweitert, auf der Nordseite entsteht ein 2,80 Meter breiter Gehweg, auf der Südseite ein kleiner Grünstreifen. Für Autos soll es in Zukunft von Bäumen eingerahmte Parkbuchten geben. Natürlich kosten die Umbauten Geld. Laut Gesetz wird ein Teil des finanziellen Aufwands auf die Eigner der anliegenden Grundstücke umgelegt. Die Stadt wiederum muss zehn Prozent der Kosten tragen. Die Obergrenze für das Projekt wird auf 1 450.000 Euro beziffert.

Viele der betroffenen Anwohner haben erst Ende Januar von den Vorhaben erfahren. Damals hatte die Stadt Vorabinformationen über die Beitragspflicht verschickt. Einer der Betroffenen ist Peter Wasmeier. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern im Löwenzahnweg. „Es ist schade, dass wir so spät informiert wurden“, sagt er. Ihn und seine Familie wird es mit rund 5500 Euro eher milde treffen. „Uns wird das nicht ruinieren“, sagt Wasmeier. „Aber ein Rentnerpaar in der Nachbarschaft, das seit über 50 Jahren hier lebt, muss 60 000 Euro zahlen, das ist eine horrende Summe.“ Und nicht einmal die höchste. Es gibt Grundstückseigner, die mit knapp 100.000 Euro dabei sind.

In ihrer Not haben sich die Bürger an den Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl gewandt. Dieser bat das zuständige Referat um einen Infoabend für die Anwohner sowie um einen Baustopp. Den Bitten konnte das Baureferat nicht nachkommen. Da die Aufträge bereits Mitte Januar erteilt wurden, sei ein Baustopp nicht möglich.

Die Anwohner haben sich nun untereinander vernetzt. Viele rechnen mit jahrelangen Rechtsstreitigkeiten und sorgen sich um ihre finanzielle Zukunft. „Wir haben nicht gewusst, in welchem Umfang die Kosten auf uns zukommen“, sagt Peter Wasmeier. Und er stellt die aufwändige Gestaltung der Straße in Frage. „Die Ausbaustufe, die die Stadt plant, ist überzogen. Und ein Parkstreifen wäre billiger als die Parkbuchten.“

Eine Möglichkeit, die hohen Kosten zu verhindern, gäbe es wohl. Könnten die Eigner aufzeigen, dass die Schittgablerstraße bereits früher dem Ausbauzustand einer Ortsstraße genügt hätte, handelte es sich nicht um eine Ersterschließung. Um das zu beweisen, wären aufwendige Recherchen nötig. Ob diese das gewünschte Ergebnis bringen, ist allerdings fraglich. In einer topografischen Karte von 1924 wird die Schittgablerstraße als „befestigt ausgebauter Feldweg“ tituliert.

Katrin Hildebrand

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