Ausstellung in Feldmoching

Schilder als Denkmäler erinnern an Nazi-Gegner

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Attackierte die Nazi-Machthaber: Der Pfarrer und spätere Lehrer von Joseph Ratzinger, Michael Höck.

München - In Feldmoching erinnert eine Ausstellung zu örtlichen Straßennamen an Nazi-Gegner wie Michael Höck und Leonhard Bugl.

Eine Ausstellung im ehemaligen Gemeindehaus Feldmoching widmet sich derzeit 40 besonderen Straßennamen – und 40 Schicksalen aus einer schrecklichen Zeit. Zwei davon haben sich genau dort ereignet, wo sie nun dokumentiert werden. Die eine handelt vom Gewerkschafter Leonhard Bugl. Die andere vom Priester Michael Höck. Beider Schicksal ist eng mit dem Münchner Norden verbunden. Und mit der Epoche des Nationalsozialismus.

Die Straßennamen verweisen auf Widerstandskämpfer beziehungsweise Kritiker oder Verfolgte des NS-Regimes. Dass die Schau ausgerechnet in Feldmoching-Hasenbergl zu sehen ist, ist kein Zufall. „Der Bezirk besitzt in München die meisten dieser Straßennamen“, sagt der Historiker Reinhard Bauer, Kurator der Ausstellung und Mitglied des Bezirksausschusses für die SPD. Das liegt daran, dass viele Siedlungen im Norden der Stadt erst nach dem Zweiten Weltkrieg richtig gewachsen sind oder gegründet wurden. In diesem Rahmen entstanden viele neue Straßen, die es zu benennen galt. Um ein Zeichen für das neue demokratische Deutschland zu setzen, wählte man zahlreiche NS-Gegner als Patrone, darunter Berühmtheiten wie den Gewerkschafter Hans Böckler oder den Theologen Dietrich Bonhoeffer, aber auch weniger bekannte Namen.

So etwa Michael Höck und Leonhard Bugl. Das Andenken an die beiden wird bis heute in der Fasanerie wachgehalten. Die Leonhard-Bugl-Straße liegt ganz nah am dortigen Baggersee. Viele Bewohner wissen allerdings nichts von der Geschichte des Namensgebers. 1913 zog der gebürtige Niederbayer Bugl nach Feldmoching. Die Gemeinde hatte damals die höchste Arbeitslosigkeit in ganz Bayern. 2015 gründete der sozial engagierte Maschinist mit einigen Weggefährten die Feldmochinger SPD und wurde deren Vorsitzender. Als die SPD 1933 von den Nazis verboten und ihre Organisationen zerschlagen wurde, vernichtete Bugl die Parteiunterlagen gerade noch rechtzeitig, bevor die Schergen des NS-Terrorregimes sein Haus durchsuchten. Ab 1946 war Bugl wieder in der SPD aktiv. Bis 1956 saß er für die Sozialdemokraten im Bezirksausschuss.

Westlich des Sees erinnert seit gerade einmal einem Jahr auch der Prälat-Höck-Bogen an einen NS-Kritiker. Der Priester Michael Höck war von 1940 bis 1941 Seelsorger der Pfarrgemeinde St. Christoph in der Fasanerie. Zuvor hatte er als Schriftleiter und theologischer Berater die „Münchner Katholische Kirchenzeitung“ betreut. Immer wieder attackierte er die damaligen Machthaber zwischen den Zeilen. Mehrmals beschlagnahmten die Nazis Ausgaben des Blattes. 1940 wurde die Zeitung schließlich verboten. Michael Höck landete vor Gericht, wurde zunächst freigesprochen. Am 23. Mai 1941 aber wendete sich das Blatt. Höck hielt gerade Religionsunterricht an der Feldmochinger Schule, als die Gestapo ins Klassenzimmer stürmte und den Geistlichen verhaftete. Zunächst kam er ins Gefängnis im Wittelsbacher Palais, eine Woche später nach Berlin. Schließlich landete Höck im Konzentrationslager. Erst in Oranienburg, dann in Dachau. Er überlebte das KZ. Kurz vor Kriegsende kam er überraschend frei. Von 1945 bis 1958 leitete Höck schließlich das Priesterseminar in Freising. Einer seiner Zöglinge dort war Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.

Die Ausstellung findet bis 3. Februar 2017 in der Josef-Frankl-Straße 55 statt. Öffnungszeiten: Juni, samstags, 14 bis 17 Uhr, Juli: samstags, sonntags, 14 bis 17 Uhr. Während der Kulturtage: 15. Juli, 16 bis 21 Uhr, 16. Juli, 14 bis 18 Uhr, 17. Juli, 12 bis 16 Uhr. Am 9., 10., 15. und 23. Juli finden Stadtführungen zu den Straßennamen statt.

Von Katrin Hildebrand

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