Bürger hatten für Erhalt gekämpft

Keine Hoffnung mehr für das Zehentbauerhaus

+
Dem Abriss geweiht: Das Anwesen an der Lerchenauer Straße 206 gehörte einst dem bekannten Holzschnitzer und Krippenbauer Otto Zehentbauer.

München - Ein geplanter Grundstückstausch gescheitert: Das historische Ateliergebäude steht wohl kurz vor dem Abriss - trotz des Engagements vieler Bürger. 

Einen kleinen Silberstreif am Horizont hat es bis vor Kurzem noch gegeben. Durch einen Grundstückstausch hätte das Zehentbauerhaus an der Lerchenauer Straße 206 gerettet werden können. Die Stiftung der Raiffeisenbank München-Nord, Eigentümerin des Anwesens, hatte sich unter einer Bedingung bereit erklärt, das Haus zu verkaufen, statt es abzureißen: ihr müsste ein gleichwertiges Grundstück an der Lerchenauer Straße als Ersatz angeboten werden. Doch ein solches existiert wohl nicht.

Zwar hatten der Bürgerverein Lerchenau und andere engagierte Bewohner nach passenden Flächen gesucht. Eine Liste mit zwölf Grundstücken war dem ehemaligen Unterschleißheimer Bürgermeister Rolf Zeitler, der als Mittelsmann der Stiftung auftrat, schließlich übergeben worden. Doch kamen die vorgeschlagenen Anwesen für die Eigentümerin nicht als vertretbarer Ersatz infrage. Hätte es ein gleichwertiges Grundstück gegeben und die Bank dieses akzeptiert, hätte ein anderer Investor, der mit den Gegnern des Abrisses in Kontakt steht, als Käufer des Zehentbauerhauses einspringen können.

„Der Grundstückstausch ist gescheitert“, sagt nun Karola Kennerknecht, Vorsitzende des Bürgervereins Lerchenau. Der Verein und zahlreiche Unterstützer, darunter der Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer (CSU), der Verein Fasanerie Aktiv, die Aktionsgemeinschaft Rettet den Münchner Norden, das Bündnis Gartenstadt München und das Denkmalnetz Bayern, engagieren sich seit dem Verkauf des Zehentbauerhauses 2014 für dessen Erhalt. Die Stiftung der Raiffeisenbank München-Nord will auf dem Grundstück Wohnungen sowie eine Bankfiliale errichten. Dazu müsste das über hundert Jahre alte Anwesen weichen.

Lesen Sie hier über einen weiteren Denkmalschutz-Fall aus Feldmoching: Kampf ums Feldmochinger Russenhaus 

Das Haus gehörte einst dem berühmten Holzschnitzer und Krippenbauer Otto Zehentbauer, der dort sein Atelier betrieb. Viele Bürger betrachten die schmucke Villa als Wahrzeichen der historischen Lerchenau. Das bayerische Landesamt für Denkmalpflege hielt das Haus jedoch nicht für denkmalwürdig. Auch der Landesdenkmalrat äußerte sich ablehnend. Einzig der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst des Bayerischen Landtags würdigte die Petition des Bürgervereins zum Erhalt des Gebäudes und bat das Landesamt, seine Argumente gegen eine Unterschutzstellung noch einmal zu überdenken. Eine Antwort der Behörde steht noch aus.

Die Vereinsvorsitzende Karola Kennerknecht macht sich kaum noch Hoffnungen auf einen Erhalt. „Wir können jetzt nur noch Schadensbegrenzung betreiben.“ Ende Juli könnte erneut ein Treffen zwischen den Konfliktparteien stattfinden, inklusive Vertretern der Stiftung der Raiffeisenbank München-Nord. Diese hatte angeboten, in der neuen Filiale eine Erinnerungsecke für Otto Zehentbauer einzurichten und das Dach des neuen Hauses ähnlich dem der Zehentbauervilla zu gestalten. „Dazu müssen wir aber sicherstellen, dass die neue Bankfiliale auch als solche betrieben wird und einige Jahre so bestehen bleibt“, meint Kennerknecht. Ein Raum ohne Schalter, nur mit einem Geldautomaten sei kein würdiger Ort für das Andenken an einen der wichtigsten Krippenbauer Deutschlands.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

Mehr zum Thema:

auch interessant

Kommentare