Bittere Pille für den Münchner Sportclub

Stadt beerdigt Hockeyleistungszentrum

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Verena Dietl (SPD) hofft auf eine Alternativlösung.

München - Überraschendes Aus für das geplante Hockeyleistungszentrum des Münchner Sportclubs (MSC): Der Stadt ist das Projekt zu teuer und zu wenig auf den Breitensport ausgerichtet. Die Parteien suchen nach Lösungen, um dem MSC doch noch eine neue Heimat zu bieten.

Der MSC – zu Hause hinter dem Olympiazentrum an der Eberwurzstraße im Stadtteil Lerchenau – hat eine große Tradition. Gegründet im Jahre 1896, ist er der älteste bestehende Hockeyclub in Deutschland. Das seit 1963 bestehende Vereinsgelände umfasst 13 Tennisfreiluftplätze, eine Tennishalle mit drei Plätzen, einen Hockeykunstrasenplatz mit Flutlichtanlage, einen Naturrasenhockeyplatz, eine Hockeyhalle mit Sportnebenräumen und Fitnessbereich sowie ein Clubhaus mit Gaststätte. Tennis- und Hockeyhalle mussten 2006 aus statischen Gründen geschlossen werden. Daraufhin entstand die Idee, ein Hockeyleistungszentrum zu bauen. Die ersten Mannschaften des MSC spielen seit Jahren in der Bundesliga, die Jugendabteilung wurde fünfmal Deutscher Meister, aus dem Club stammen überdies viele Nationalspieler, die bei Olympia Medaillen holten. Hockey ist zwar immer noch eine Randsportart, in München aber boomt sie.

Die Planung für das Leistungszentrum an der Eberwurzstraße war also bereits weit gediehen. Der Stadtrat hatte im Juli 2015 den Projektauftrag dafür erteilt. Unter der Voraussetzung einer Förderung von Bund und Land. Als Kostenobergrenze wurden knapp zwölf Millionen Euro festgelegt. Anfang September wurde der Stadt vom Freistaat nun mitgeteilt, dass sich Bund und Land mit jeweils etwa 1,5 Millionen Euro an der Baumaßnahme beteiligen würden. Die restlichen Investitionskosten von rund neun Millionen Euro müssten demnach von der Landeshauptstadt übernommen werden.

Und nicht nur diese: Auch Betrieb und Unterhalt des Leistungssportzentrums dürfte nach Schätzung des Bayerischen Hockey-Verbandes ein Defizit von jährlich 140 000 Euro verursachen, für das ebenfalls die Stadt einspringen müsste. Das Leistungszentrum wurde mit einem Kunstrasenplatz und zwei Hallen für Training und Wettkampf geplant, um so international wettbewerbsfähige Voraussetzungen zu schaffen. Das Referat für Bildung und Sport bezweifelt, dass die Kommune überhaupt für die Förderung des Spitzensports zuständig ist. Dies sei primär Sache des Bundes. Die hohen Kosten für Bau und Betrieb des Hockeyleistungszentrums stünden in keinem Verhältnis zum erzielten Nutzen, meint das Sportamt.

Die große Rathauskoalition aus SPD und CSU bedauerte die Entscheidung und sprach von einer harten Abwägung. „Hockey gehört in die Sportstadt München. Aber als Kommune sind wir für den Breitensport da“, erklärte die sportpolitische Sprecherin der SPD, Verena Dietl, im Stadtrat. Es sei bedauerlich, dass Bund und Freistaat ein Leistungszentrum in München nicht ausreichend fördern wollten. Auf Initiative von SPD und CSU soll das Sportamt nun prüfen, unter welchen Bedingungen der MSC selbst den Bau anpacken könnte und hierfür gefördert würde. Ulrike Grimm, stellvertretende Sprecherin der CSU im Sportausschuss, sagte: „Hockey ist vor allem bei Mädchen eine äußerst beliebte Mannschaftssportart. Wir fordern das Sportamt auf, gemeinsam mit dem MSC eine Perspektive für die weitere Nutzung des Geländes und den Bau einer Hockeyhalle zu entwickeln.“

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