Krebserregende Substanzen

Stillstand an PCB-belasteter Schule - Eltern und Lehrer wehren sich

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(Symbolbild)

München - Seit den 90er Jahren sind die Werte in einer Mittelschule im Hasenbergl erhöht – jetzt wehren sich Eltern und Lehrer.

Seit Jahren ist das Problem bekannt. Seit Jahren setzt sich auch der Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl für einen dringlicheren Umgang damit ein. Die erhöhten PCB-Werte in der Mittelschule an der Eduard-Spranger-Straße wurden bereits in den Neunzigerjahren aktenkundig. Saniert wurde bislang – nichts. Stattdessen setzt das Münchner Referat für Bildung und Sport (RBS) auf die städtische Schulbauoffensive. Diese sieht vor, das belastete Gebäude ab 2019/20 abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser Plan allerdings reicht Lehrern und Eltern nicht mehr aus.

Bei der jüngsten Sitzung des örtlich zuständigen BA schlugen einige Betroffene Alarm. „In Dachau-Süd wird die Mittelschule aufgrund ähnlich schlechter PCB-Werte verlegt“, hieß es aus der Lehrerschaft. „Bei uns dagegen passiert nichts. Die Kinder bekommen in der Schule ihr Mittagessen, sie langen die Wände an, fassen überall hin.“ Jörg Roeber, der Vorsitzende des Elternbeirats, sagt: „Es geht hier um Gesundheitskontrolle. Wir hören uns das noch bis Ende Juli an, dann werden wir Maßnahmen ergreifen. Es gibt an der Schule Lehrerinnen, die sind inzwischen PCB-kontaminiert.“

Die organischen Chlorverbindungen PCB können Krebs auslösen. Ab 3000 Nanogramm pro Kubikmeter, dem sogenannten Interventionswert, wird die Sanierung eines belasteten Gebäudes dringen angeraten. Der Zielwert der bayerischen PCB-Richtlinie wiederum beträgt weniger als 300 Nanogramm. In der Mittelschule an der Eduard-Spranger-Straße liegen die Messungen zum Teil weit darüber. Der höchste Wert der vergangenen zwei Messungen durch das Rektorat in den Jahren 2011 und 2014 betrug 2505 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft. Der niedrigste lag bei 410, die restlichen zwischen 835 und 2160. Drei Messwerte waren über die Jahre gestiegen, zwei andere dagegen gesunken. Eine neue Messung soll nun erfolgen.

Die Stadt sieht keinen akuten Handlungsbedarf. „Die prozentuale Steigerung ist nicht so erheblich aus unserer Sicht“, sagt Thomas Gerbet vom RBS. „Nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist bei der Schule nur ein Abriss und Neubau sinnvoll.“ Das PCB steckt vor allem im Fugenmaterial. Da das Schulgebäude eine sehr flächige Form besitzt, ist die verwendete Fugenmasse groß. „Da wurden mehrere Kilometer verbaut“, sagt Gerbet. „In Anbetracht der Masse ist eine Sanierung nicht möglich.“ Solange die Räume regelmäßig gelüftet, entstaubt und gereinigt würden, sei das als Schutz ausreichend.

Der Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl drängt jedoch auf eine schnellere Lösung des Problems. So bittet das Gremium die Stadt, Teile des Unterrichts der Mittelschule an nahegelegene Schulen mit freien Kapazitäten zu verlegen. Im Auge haben die Politiker dabei das neue Gymnasium München-Nord. Außerdem soll die Aufstellung von Containern geprüft werden, auch wenn diese erst in einem Jahr oder später verfügbar sein sollten.

Einige Lehrer haben unterdessen einen Mängelkatalog ihrer Schule zusammengestellt. Dort ist die PCB-Belastung nämlich nicht das einzige Problem: So dürften derzeit keine Ballsportarten gespielt werden, weil die Decke runterkommen könnte.

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