Blume-Beyerle schlägt im tz-Interview Alarm

KVR-Chef zu Flüchtlingen: "Geht nicht mehr lange gut"

+
Links: Flüchtlinge in der Messe München. Rechts: KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle.

München - Im tz-Interview spricht KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle über den Flüchtlingszustrom in München. Mehrere Punkte bereiten ihm große Sorgen.

Update vom 9. September: Nach der klaren Aussage von KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle zum Flüchtlingszustrom in München tobt die Diskussion. Wie lange kann München die Menschenmassen noch aufnehmen? Florian Knape vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nennt sieben Gründe, warum München den Zustrom an Flüchtlingen verkraften kann.

KVR-Chef zu Flüchtlingen: "Geht nicht mehr lange gut"

Die Lage beim Thema Flüchtlinge ist ernst. So ernst, dass Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle am Sonntag in München einen eindringlichen Hilferuf absetzte: „Lasst München nicht alleine!“ Die tz fragte den KVR-Chef nach seiner Einschätzung: Darauf muss sich München jetzt gefasst machen. Ein erste große tz-Bilanz zeigt aber auch, dass sich die Situation entspannt.

Welche Hilfe erwarten Sie jetzt?

Wilfried Blume-Beyerle: Wir haben mit der Organisation des Zugangs der Flüchtlinge vor einer Woche zwangsläufig auf der untersten, nämlich der kommunalen und der Regierungs-Ebene begonnen. Aber es kann ja nicht sein, dass ein nationales Projekt weiterhin nur auf dieser Ebene organisiert wird. Deutschland hat einen enormen Flüchtlingszustrom. Und damit muss auch Deutschland, sprich die Bundesregierung, die ja auch zu diesem plötzlichem Flüchtlingsstrom beigetragen hat, dafür sorgen, dass damit entsprechend umgegangen wird. Man kann ja nicht sagen: Die Münchner werden das dann schon regeln, wenn pro Tag bis zu 15 000 Menschen kommen. Die Vorbereitung einer zweiten Drehscheibe in Leipzig und eventuell in einer dritten Stadt im Norden ist dringend notwendig. Die Erstverteilung muss besser geregelt werden. Die Lenkung dieser Flüchtlingsströme muss von den Bundesbehörden in Berlin bereits in Abstimmung mit den ausländischen Behörden an der Quelle erfolgen. Das halte ich für unverzichtbar. Was dann noch auf München zukommt – damit können wir schon umgehen. Wie es jetzt ist, kann es nicht mehr lange gut gehen. Wir sind am Anschlag.

Was macht Ihnen große Sorgen?

Blume-Beyerle: Zum Beispiel die Frage, wann uns die freiwilligen Helfer ausgehen. Die Schüler müssen bald wieder zur Schule und die Ehrenamtler an ihrem Arbeitsplatz zurückkehren. Wir können diese wichtigen ehrenamtlichen Strukturen nicht durch Profis ersetzen. Die sind in dieser großen Zahl einfach nicht da.

Wie steht es um die räumlichen Gegebenheiten?

Blume-Beyerle: Auch da haben wir einen gewaltigen Engpass. Wir suchen fieberhaft neue Räume. Und jeder neue Raum ist mit neuer Logistik wie Buslinien, etc. verbunden. Die feste Unterbringung der Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünfte ist derzeit nicht das unlösbare Problem. Rund 500 pro Woche sind es, das schaffen wir mit großer Anstrengung. Was wir aber jetzt machen, ist absolute Krisenbewältigung.

In Kürze beginnt die Wiesn. Sehen Sie da Probleme?

Blume-Beyerle: Ja natürlich. Jeder Münchner weiß, was während der Wiesn im Hauptbahnhof los ist. Da brodelt’s – und zwar 16 Tage lang. Und da soll man dann Hunderte Flüchtlinge durch dieses – sagen wir mal – „gutgelaunte“ Publikum durchschleusen. Das ist extrem schwierig. Auch das Umfeld des Bahnhofs und damit die Wege zum Oktoberfest sind ein Problem. Wir machen unsere Arbeit gut. Alle loben die Münchner. Aber das motiviert andere nicht gerade dazu, uns zu helfen. Außer der politischen Erklärung, es dürfen alle kommen, ist zunächst wenig passiert. Offensichtlich haben alle am Anfang die Dimensionen unterschätzt.

Haben Sie noch einen Überblick, woher die Flüchtlinge kommen?

Blume-Beyerle: Die meisten sicherlich aus Syrien. Eine Registrierung findet ja derzeit nicht mehr statt. Und das macht die Arbeit nicht leichter. Wir verzeichnen einen beträchtlichen Schwund. Wir fahren 1000 Menschen in die Messe hinaus und ein paar Stunden später fehlen 200 oder 300. Sie bestellen sich ein Taxi und fahren auf eigene Faust weiter – keiner weiß, wohin.

Interview: Dorita Plange

Der Ticker zu Flüchtlingen in München

Bilder: Flüchtlinge werden in der Münchner Messe untergebracht

Bilder: Flüchtlinge werden in der Münchner Messe untergebracht

Dorita Plange

Dorita Plange

E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

auch interessant

Meistgelesen

Todkranke Nina: Jetzt ist sie erlöst
Todkranke Nina: Jetzt ist sie erlöst
Der Sommer-Trend: Auf dieses Wetter müssen wir uns einstellen
Der Sommer-Trend: Auf dieses Wetter müssen wir uns einstellen

Kommentare