Innere Mission schlägt Alarm

Flüchtlingshilfe: Die Lage in München

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München - Große Sorgen bei der Inneren Mission: Die Regierung von Oberbayern vergebe zunehmend Leistungen rund um Flüchtlingsunterkünfte an Security-Unternehmen. Der einfache Grund: das Geld.

Da die privaten Firmen keinen Nacht- oder Wochenendzuschlag zahlen, können sie deutlich günstiger arbeiten. „Es ist aber nur schwer vorstellbar, wie ein Security-Unternehmen Leistungen wie Asylsozialarbeit erbringen soll“, sagt Andrea Betz von der Inneren Mission. So hat eine der Firmen etwa zur Kinderbetreuung 40 Studenten angestellt. „Nichts gegen Studenten, aber das ist ein sehr sensibler Bereich“, sagt Betz. Die Kinder kämen aus Kriegsgebieten, viele seien traumatisiert.

Die Innere Mission betreut die Erstaufnahme in der Bayernkaserne und fünf weitere Einrichtungen. Hinzu kommen sieben Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung und acht der Stadt. 178 Festangestellte und rund 650 Ehrenamtliche kümmern sich um 7500 Flüchtlinge.

Weiteres Ärgernis für die Innere Mission: Es gibt Gerüchte, die Erstaufnahme in der Bayernkaserne nach Fürstenfeldbruck zu verlagern. Alle Einrichtungen in der Kaserne wären damit obsolet – nicht nur die der Inneren Mission, sondern aller freien Träger. Außerdem: Die Stadt müsste nachlegen. Bisher werden die 1500 Plätze in der Kaserne angerechnet. Fällt die weg, müsste die Stadt andernorts 1500 Plätze schaffen.

Sorgen um die Entwicklung haben Andrea Betz und Günther Bauer von der Inneren Mission.

Die Innere Mission kritisiert zudem den Umgang mit den freien Trägern. Erst im Dezember hat sie die Unterkunft an der Willy-Brand-Allee übernommen. Der Vertrag geht bis 30. Juni 2017. Und die Regierung soll der Inneren Mission versichert haben, dass sie bei einer erneuten Ausschreibung informiert werde. „Jetzt haben wir ein Schreiben bekommen, dass die Regierung die Unterkunft bereits vergeben hat – an einen externen Dienstleister“, sagt Betz. „Wir werden bewusst rausgedrängt.“ Das gleiche an der Maria-Probst-Straße. Dort sollen Mitarbeiter einer Security-Firma Gelder von Flüchtlingen erpresst haben (tz berichtete). Die Einrichtung war in Obhut der Inneren Mission, bevor die Regierung sie neu vergeben hat – an den externen Dienstleister… 

Die Lage in der Stadt

In der Landeshauptstadt gibt es (Stand März) 1227 Menschen in den Erstaufnahme-Einrichtungen. In den Gemeinschaftsunterkünften befinden sich 2516, in dezentralen Einrichtungen 5387 Flüchtlinge. Hinzu kommen knapp 4000 Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge. Ferner wurden im März 150 junge Ausländer im Stadtgebiet aufgegriffen, die sich nicht in einer Aufnahmeeinrichtung angemeldet hatten. Mithin hielten sich in der Stadt rund 12 700 Flüchtlinge auf dem Gebiet der Landeshauptstadt auf. Für April hatte die Regierung von Oberbayern bereits angekündigt, dass sie der Stadt keine weiteren Flüchtlinge zuweisen wird. In München stehen rund 13 300 Plätze zur Verfügung, weitere sind in Planung. Am Ende des Jahres fallen 1300 Plätze wegen auslaufender Mietverträge weg, 2017 sollen es rund 4000 sein.

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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