Frankenberger: In die Höhle der Rauchfans

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Sebastian Frankenberger.

München - Noch steht der junge Mann an einer Hauswand. Seine dunklen langen Haare trägt er offen, sie glänzen in der Abendsonne. Gleich wird er in eine Raucherkneipe gehen. Nicht zum Vergnügen, nein.

Rauchverbot: Was Sie jetzt wissen müssen

Fürs Fernsehen – das Kamerateam wartet schon. Er ist ein gefragter Mann, seit dem 4. Juli. An diesem Tag stimmten 2,1 Millionen Bayern für das strengste Rauchverbot in Deutschland. Sein Erfolg. Er war der Initiator. Für viele ist Sebastian Frankenberger (28) seitdem die Hassfigur schlechthin. Heute aber will der Passauer in die Höhle des Löwen. Die Geyerwally im Glockenbachviertel hat er sich ausgesucht. An der Eingangstür hängt ein Plakat: „Ich darf hier nicht rein“, darunter ein Foto von ihm. Dann betritt er die Kultkneipe, das Kamerateam im Schlepptau. Konfrontation nennt man das im Fernsehgeschäft.

Sebastian Frankenberger (lange Haare) spricht mit Geyerwally-Wirt Rainer Maria Strixner.

Überrumpelung nennen es andere. „Bekomme ich bei Ihnen was zu trinken?“, fragt Frankenberger. Nein, sagt der Wirt. „Du kriegst hier nix. Du hast Hausverbot.“ Rainer Maria Strixner ist keiner, der sich überrumpeln lässt. „Ich geb’ keinem was, der andere bevormundet.“ Es gehe ihm um Gesundheitsschutz, das sei doch eine gute Sache, sagt Frankenberger. „Ich entscheid’ immer noch selbst, was mir gut tut. Und meine Gäste können das auch“, sagt Rainer Maria Strixner. Er sei selbst Nichtraucher, seine Frau Christa auch. „Wenn’s mich stören würd, könnt ich’s Rauchen verbieten. Ist ja meine Kneipe. Ich brauch’ kein Gesetz, das mich und meine Gäste gängelt.“ Das hier ist keine Talkrunde, hier sitzen gestandene Bayern, das merkt Sebastian Frankenberger schnell.

„Ich kann Ihr Gerede nicht hören. Alles auswendig gelernte Phrasen“, schimpft ein Gast und zündet sich eine Zigarette an. „Was kommt als nächstes? Rauchverbot in der Wohnung?“ Frankenberger setzt an: „Was würden Sie sagen, wenn es ein Produkt gäbe, das...“ Er wird unterbrochen. Einfache Frage, klare Antwort bitte. „In zehn Jahren sind Zigaretten verboten“, prophezeit Frankenberger. „Wie andere Drogen auch.“ Nach zehn Minuten verabschiedet sich das Fernsehteam und Sebastian Frankenberger. Vor der Kneipe gibt der Rauchverbots-Initiator zu: „In München hat das alte Nichtraucherschutzgesetz funktioniert. In meiner Heimatstadt Passau aber nicht.“

Dort habe er keine Bar, keine Kneipe gefunden, in der er rauchfrei einen Cocktail habe trinken können. Er wird es auch in Zukunft schwer haben - etliche Wirte haben ihm dort ebenfalls Hausverbot erteilt.

J. Mell

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