Märchen aus alter Zeit

Fünf Jahre Google Street View: So hat sich München verändert

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Eine Straßenschlucht, in der die Fußgänger mit dem Platz vorlieb nehmen müssen, den die Autos übrig lassen: Das war die Sendlinger Straße, bis der Nordteil 2012 zur Fußgängerzone umgebaut wurde. Auf den Street-View-Bildern hat sich bis heute nichts geändert. Nicht einmal die Häuser stimmen mehr.
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Zwar gibt es links wie eh und je das Bekleidungshaus Konen, und am Ende der Straßenflucht ragt der Turm von St. Matthäus am Sendlinger-Tor-Platz über die Dächer. Aber dass Sport Scheck inzwischen an die Neuhauser Straße umgezogen ist und das daran anschließende ehemalige Gebäude der Süddeutschen Zeitung dem „Hofstatt“- Projekt weichen musste, ist in Googles virtueller Welt noch nicht angekommen. Aus der virtuellen Realität, die Stadtbummel vom Sofa aus versprach, ist ein Angebot für Nostalgiker geworden. „Weißt Du noch...?“
 
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Nanu, da fehlt doch was! Richtig: Am Effnerplatz, der einst eher schmucklos die Kreuzung von Effnerstraße und Mittlerem Ring markierte, ...
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... ist im Februar 2011 das Kunstwerk „Mae West“ 52 Meter in die Höhe gewachsen. Auf dem Deckel des Richard-Strauss-Tunnels stehend, bildet es einen futuristischen Torbogen für die Tram nach St. Emmeram. Auch das Hypo-Hochhaus rechts daneben ist inzwischen frisch renoviert.
 
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Münchner Vergangenheit zeigt Street View auch an der Münchner Freiheit. Wo heute der Trambahnhof mit seinem charakteristischen Dach die Blicke auf sich zieht, nahmen Googles Kameras noch eine Baustelle auf. Das war schon veraltet, als Street View startete, ...
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... denn die neue Haltestelle wurde bereits im Dezember 2009 eröffnet. Seither gehört das Dach auf schlanken Stützen zum Stadtbild – zumindest in der Realität.
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So also sah es am Eck Brienner-/ Katharina-von-Bora- Straße aus, bevor das NS-Dokumentationszentrum gebaut wurde. Die Street-View- Aufnahme links zeigt die Fassade der Musikhochschule hinter Bäumen verborgen, das Nachbargrundstück Richtung Karolinenplatz unbebaut.
Musik-Hochschule und NS-DokuzentrumFoto: Marcus Schlaf, 17.11.2015gespeichert unter google7
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Inzwischen hat sich das gründlich geändert: Der weiße Kubus des Dokuzentrums prägt das Stadtbild und zeugt davon, wie München seine Vergangenheit als „Hauptstadt der Bewegung“ aufarbeitet. Und Googles Bilder werden zu Dokumenten der Veränderung.

München - Als der Internetriese Google am 18. November 2010 seinen Dienst „Street View“ in Deutschland startete, galt das manchen als Sensation, anderen als Skandal. Fünf Jahre später gaukeln die Bilder eine Scheinwelt vor: Weil sie nie erneuert wurden, zeigen sie Szenen, die es so gar nicht mehr gibt.

Am Computerbildschirm durch die Stadt fahren zu können, den Blick per Mausklick nach rechts und links, oben und unten zu richten und zu sehen, welche Häuser dort stehen – das schien vielen wie Science Fiction. Inzwischen bietet Street View eher Reisen in die Vergangenheit. Anders als in anderen Teilen der Welt blieb hierzulande im digitalen Panorama-Dienst des Internet-Riesen die Zeit stehen: 

Auf der Sendlinger Straße, seit 2012 Fußgängerzone, fahren bei Street View noch die Autos, vom Kunstwerk Mae West auf dem Effnerplatz ist ebenso wenig zu sehen wie vom neuen NS-Dokuzentrum. Wir zeigen auf dieser Seite einige Stellen, an denen Googles Bilder von der Realität überholt wurden. 

244.000 Haushalte ließen ihre Wohnhäuser unkenntlich machen

Seit dem Start 2010 ist Street View weder aktualisiert noch erweitert worden. Und die auf Antrag der Einwohner unkenntlich gemachten Gebäude bleiben verschwommen – denn unwiederbringlich verpixelt wurde in den Original-Aufnahmen. Google macht deutlich, dass sich daran nichts ändern wird, solange Bürger weiterhin das von Datenschützern erkämpfte Recht haben, der Veröffentlichung von Abbildungen ihrer Wohnhäuser schon zu widersprechen, bevor die Aufnahmen überhaupt online gehen. 

Googles Kamerawagen sind zwar immer noch unterwegs, aber nur um herkömmliche Stadtpläne zu aktualisieren, nicht Street View. Die Debatte um Street View kochte schon lange vor dem Deutschland-Start des Dienstes hoch. Dass die Kamerawagen über Hecken spähten und die Aufnahmen dann, für jedermann sichtbar, im Internet landeten, alarmierte nicht nur Datenschützer. 

244.000 Haushalte ließen ihre Wohnhäuser auf den Street-View-Aufnahmen unkenntlich machen – ein Aufwand, den die Anbieter scheuen. Konkurrenten wie Nokia und Microsoft, die in den vergangenen Jahren ebenfalls Kamerawagen durch Deutschlands Städte schickten, haben bis heute keinen Internetdienst nach Art von Street View gestartet.

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