Abteilungsleiter kann es nicht fassen

Gehaltserhöhung für Putzfrau: Gefeuert und angezeigt

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18 Jahre arbeitete Christian M. bei der BKK. Dann verlor er seinen Job - und muss sich vor Gericht verantworten. „Ich bin fertig wegen der Anklage“

München - Ein Abteilungsleiter der BKK genehmigte einer Putzfrau eine Gehaltserhöhung - und wurde daraufhin nicht nur gefeuert. Er steht nun auch vor Gericht.

Der Lohn einer guten Handlung liegt darin, dass man sie vollbracht hat. Der römische Philosoph Seneca sprach einmal diesen Satz. Wahre Worte – aber Christian M. (60) sind sie wenig Trost. Der Lohn seiner „guten Tat“ ist nämlich auch mächtig Ärger. Was er getan hat? Der ehemalige Abteilungsleiter genehmigte einer fleißigen Putzfrau in der Firma eine Gehaltserhöhung – und wurde deswegen rausgeworfen. Aber das ist nicht alles: Jetzt zieht ihn sein Ex-Arbeitgeber gar vor Gericht – wegen Untreue.

Der München Anwalt Markus Schollmeyer (ob.) vertritt den Gefeuerten.

„Man macht regelrecht Jagd auf mich“, erklärt der studierte Betriebswirt. Das Problem beginnt Anfang 2010: Christian M. arbeitet beim BKK Landesverband in der Züricher Straße. Er ist dort als Abteilungsleiter bei der Betriebskrankenkasse für den Bereich „Zentrale Dienste“ tätig. Heißt: Er ist unter anderem für Finanzen und Personal in der Zentrale zuständig – darf aber eigenständig keine Gehaltserhöhungen genehmigen.Eines Tages kommt nun eine 45-jährige Putzfrau aus der Firma zu dem Abteilungsleiter. Sie bittet Christian M. um eine Gehaltserhöhung. Nicht viel, nur ein bisserl mehr, um besser für die Familie sorgen zu können. Die Frau hat zwei Kinder, ist alleinerziehend – und beklagt, dass sie durch die Arbeit eh kaum Zeit für ihre zwei Söhne hat.

„Sie war eine hervorragende Kraft“, erzählt der Münchner. „Die Dame erledigte öfter sogar freiwillig kleine Hausmeisterarbeiten bei uns. Und das schon seit Jahren. Jeder schätzte sie.“ Der Abteilungsleiter macht sich also auf den Weg zur Geschäftsführung, um für die Putzfrau ein paar Euro mehr herauszuschlagen. Die Antwort ist kurz und knapp: „Nein!“

Nach 18 Jahren im Betrieb wird Christian M gefeuert

„Das fand ich extrem unsozial“, erinnert sich Christian M. Daher kommt er – zusammen mit einer Fachbereichsleiterin – auf eine Idee: Die Putzfrau soll ein Viertel weniger an Stunden arbeiten, aber den gleichen Lohn bekommen. Vier Jahre geht das gut.

„Dann habe ich eines Tages plötzlich die Kündigung bekommen“, erklärt Christian M. „Von heute auf morgen.“ Nach 18 Jahren Betriebszugehörigkeit. Die Begründung für die Kündigung ist klar: Christian M. hat mit der indirekten Gehaltserhöhung seine „Befugnisse missbraucht“.

Und der Rauswurf reicht dem Unternehmen noch nicht – es zeigt den Abteilungsleiter an. Wegen Untreue. Er soll das Geld, dass der BKK durch die Arbeitszeitkürzung verlorengegangen ist, zurückzahlen: insgesamt rund 40 000 Euro.

BKK setzt Staatsanwaltschaft unter Druck

Der Fall geht aber nicht direkt vor Gericht. Nein, denn beim ersten Anlauf stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein – wegen „fehlenden Tatverdachts“. Doch die BKK setzt eine weitere Anwaltskanzlei ein, macht weiter Druck. Letztlich mit Erfolg: Nun ist ein Gerichtstermin für Mitte Dezember festgelegt, eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft München I gibt es schon.

Rechtsanwalt Markus Schollmeyer, der Christian M. vertritt, kann den ganzen Fall nicht fassen: „Dass ein ehrenhafter Mann wegen Hilfsbereitschaft dermaßen bestraft werden soll, ist ein Unding“, schimpft der Münchner Jurist. Sein Mandant sei seit dem Vorfall in psychologischer Betreuung, weil er mit dieser Ungerechtigkeit einfach nicht zurechtkomme. „Man könnte meinen, da wird jemand gezielt fertiggemacht.“

Was die Betriebskrankenkasse zu dem anstehenden Gerichtsverfahren sagt? Natürlich hat die tz nachgefragt. Die schlichte Antwort: „Wir geben keine inhaltliche Stellungnahme zu laufenden Gerichtsverfahren.“

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