Räume, Kammern und Türme

Geheimes München: Vier Verstecke unter der Stadt

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Seit 30 Jahren gibt es diese Kammer unter dem Wettersteinplatz.

München - Die tz stellt in dieser Serie die Flecken Münchens vor, die normalerweise der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Wir blicken hinter die Kulissen. Heute: Vier besondere Verstecke.

München ist eine der schönsten Städte der Welt! Marienplatz, Residenz, Olympiapark, Englischer Garten – diese Orte kennen nicht nur die Einheimischen. Aber es gibt in der Landeshauptstadt Plätze, die kaum jemand zu Gesicht bekommt, versteckt im Wald, hinter prunkvollen Fassaden oder ganz tief unter der Erde. Es gibt ein geheimes München! Die tz stellt in dieser Serie eben jene Flecken vor, die normalerweise der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Wir blicken durchs Schlüsselloch - hinter die Kulissen einer der schönsten Städte der Welt.

Löwenturm: Der Unbesteigbare

Das Erdgeschoss war einst eine Weinstube.

Treppen sind hier Fehlanzeige! Der siebengeschossige, 23 Meter hohe Löwenturm am Rindermarkt war bis 1945 von Häusern eingemauert, so dass man von diesen aus in die einzelnen kleinen Turmzimmer gelangen konnte. Doch heute steht der Turm alleine da - und schief. Im Laufe der über 400 Jahre hat er sich um einen halben Meter geneigt. Im Krieg wurden die angrenzenden Häuser zerstört, die später anschließende Löwenturmpassage wurde 2000 abgerissen. Im Inneren gibt es kein Hochkommen, weil die einzelnen Stockwerke nie durchbrochen und verbunden wurden. Die einzelnen Zimmer stehen einfach verschlossen aufeinander. Und daran ändert sich auch nichts: Wenn man durch die kleine Tür in das Tiefparterre-Erdgeschoss steigt, sieht man, dass die einzelnen Zimmer recht klein sind. Zudem müssten die wertvollen Kreuzrippengewölbe an den Decken zerstört werden. Schade, denn in den Zimmern prangen wertvolle Fresken an den Wänden.

Wettersteinplatz: Die kuriose Kammer über der U-Bahn

Dieser Ort ist so geheim, das sogar der Schlüssel nicht mehr zu finden sind. "Die Sicherheitsfirma hat wohl das Schloss ausgetauscht", sagt Matthias Korte, Pressesprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Er steht vor einer schlichten grauen Stahltür im U-Bahnhof Wettersteinplatz. Fast versteckt ist der Zugang hinter dem Fahrstuhl. Eine Ebene zwischen Bahnsteig und Sperrengeschoss. Eine Pforte ins Nichts! Als der Schlüssel dann auftauchte, hat die MVG der tz die Tür geöffnet - in einen gigantischen Raum, der keinen Zweck erfüllt. Und das wird er vermutlich auch nie!

Der Hohlraum am Wettersteinplatz liegt viele Meter unter der Oberfläche, 18 Meter breit, 110 Meter lang und neun Meter hoch. Seit 30 Jahren existiert die kuriose Kammer. Einst hatte sie nämlich tatsächlich mal einen Zweck.

1986 entstand der Koloss aus geografischen Gründen. Der Bahnsteig am Wettersteinplatz musste sehr tief angelegt werden, da vom Kolumbusplatz her die U-Bahn das Isarhochufer hinauf eine enorme Steigung überwinden muss. Schnell kam die Idee auf, den Hohlraum als Tiefgarage zu nutzen. 125 Autos hätten Platz. Doch die Erschließung ist kompliziert und teuer. Etwa bei den Zufahrten zur Tiefgarage. Für eine müsste wohl der Jugendspielplatz eines Freizeitheims geopfert werden. Der Hohlraum wird wohl hohl bleiben.

Es gibt zwar weitere Ideen, die lassen sich aber aus Gründen des Brandschutzes nicht umsetzen. "Wir hatten schon viele Anfragen", sagt Korte. Kulturschaffende wollten ausstellen, Musiker Konzerte geben und ein Pilz-Fan eine Schwammerl-Zucht betreiben.

In regelmäßigen Abständen nimmt die Verkehrsgesellschaft Untersuchungen vor, klopft die Wände ab. Dann verschwindet der Raum wieder in der Dunkelheit. Und Korte stellt auch klar, dass sich daran nichts ändern wird: "Wir haben die Möglichkeiten einer Nutzung x-fach geprüft - mit negativem Ergebnis. Es geht einfach nicht." Das gelte auch für die Referate der Stadt: Aus Gründen der Sicherheit wird jede Idee verworfen. Es weiß ja eh niemand, wo der Schlüssel ist.

Glockenbach: In diesem Keller floss einst ein Fluss

In manchen Kellern werden sprichwörtlich Leichen vergraben, in anderen spukt es. In Gabi Dünzls Keller hat es gesprudelt! Wo heute Kartons und Fahrräder stehen, floss einst einer der vielen Münchner Stadtbäche. Für die tz hat die 69-Jährige die Tür zum Keller aufgesperrt. Denn dort droht Ungemach.

Das Haus im Glockenbachviertel gehörte einst der Schwiegermutter von Gabi Dünzl. Dass es im Keller einen Stadtfluss gab, wussten alle. Meterhoch floss das Wasser, an den Wänden kann man das heute noch erkennen. Die Bäche sind ein System aus ursprünglich natürlichen, später kanalisierten Seitenarmen der Isar. Ein großer Teil der innerstädtischen Stadtbäche wurde mittlerweile trockengelegt oder überbaut. Dass in ihrem Keller etwas nicht stimmt, hat dann irgendwann der Hausmeister entdeckt. "Der hat eine Wand durchgebrochen und mir gesagt, ich sollte mir doch mal meinen Keller anschauen." Dort war lange niemand, und vieles ist verrostet. Ein teurer Spaß! Gabi Dünzl muss viel Geld in die Hand nehmen, um alles instand zu setzen. Seit die Bäche trocken gelegt wurden, kümmert sich die Stadt nämlich nicht mehr drum.

Altstadt: Die Reste der Veste unter der Residenz

Was heute über diesem Raum liegt, kennen viele Münchner: der Innenhof des Cuvilliés-Theaters. Darunter aber verbergen sich altertümliche Gänge, wehrhafte Wände und ein Keller mit Bögen. Und was sich wiederum früher darüber befand, das wissen nur die wenigsten. Die tz hat sich unter der Residenz umgeschaut - in den Resten der Neuveste.

Der Ballsaal-Keller unter der Residenz.

Die ursprüngliche Wasserburg befand sich 1384 an der Stelle der heutigen Residen. Die Burg war Flucht- und Wohnort für die Herzöge. "Mit Sicherungen gegenüber dem Umland", sagt Museumsreferent Christian Quaeitzsch. Es war eine Wehr-Veste, einen repräsentativen Charakter gab es nicht. Dennoch wollten die Adeligen sich natürlich auch amüsieren. Außerhalb der Festung entstanden so mehr und mehr Gebäude, aus denen die Residenz entstanden ist, als erstes der Ballsaal. "Das hat aber nichts mit Tanzen zu tun, sondern mit den Ballspielen im 17. Jahrhundert." Es waren Tennishallen. Das Geheimnis darunter, der so genannte Ballsaal-Keller. "Die Rundpfeiler und das Gewölbe sind hier schon sehr anspruchsvoll", sagt Quaeitzsch. Nachdem das Tennis aus der Mode kam, entstand im Ballsaal die erste protestantische Kirche. Und im Keller? "Den hat man vermutlich als Lager genutzt." Aber genau weiß man es nicht.

Geheimes München - die tz-Serie

Teil 1: Was sich unter dem Stachus verbirgt

Teil 2: Das größte Glockenspiel Deutschlands

Teil 3: Der Bunker an der Blumenstraße

Teil 4: Uralte Kostbarkeiten unter der Uni

Teil 5: Das Pumpenwerk unterm Hofgarten

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