Wächter fürs Jammer-Tal

Geheimplan gegen Bettler: Kameras in der Innenstadt

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Rund um die Heilig-Geist-Kirche lagern oft Bettler.

München - Um der ausufernden Situation mit Bettlergruppen und Ruhestörungen im Tal Herr zu werden, plant der Bezirksausschuss eine Kamera-Überwachung im Tal. Was es damit genau auf sich hat, lesen Sie hier:

Organisierte und zum Teil aggressive Bettler, Ruhestörungen und andere Arten von Belästigungen: Das Tal verkommt immer mehr, die Beschwerden aus der Bevölkerung häufen sich. Und der Bezirksausschuss schlägt Alarm. „So geht es nicht mehr weiter“, sagt Vorsitzender Wolfgang Neumer (57, CSU). Sein spektakulärer Plan: Kamera-Überwachung im Tal!

Ein Bettler vor der Heilig-Geist-Kirche.

Es ist nicht das erste Mal, dass Neumer auf die Barrikaden geht. Vor knapp einem Jahr hatte er vorgeschlagen, die Sendlinger Straße und das Tal komplett zur Sperrzone für Bettler zu erklären (tz berichtete exklusiv). Das Vorhaben scheiterte am Gesetz. Denn laut Kreisverwaltungsreferat (KVR) unterliegt das Betteln auf öffentlichem Grund dem Gemeingebrauch: Es ist genauso erlaubt, wie über den Gehweg zu laufen oder sich auf eine Bank zu setzen. Lediglich in der Fußgängerzone ist das Betteln verboten. Damit hat sich das Problem in der Sendlinger Straße erledigt. Denn die ist Fußgängerzone, wenn auch nur probeweise. Das Tal nicht. Und die tz weiß: Auch die Gastwirte dort  haben mittlerweile die Nase voll. Doch so recht öffentlich drüber reden will niemand. Aus Angst. „Ich will nicht, dass man mir die Scheiben einschmeißt“, sagt einer.

Das Tal gehört mittlerweile zu den meist frequentierten öffentlichen Räumen in der Landeshauptstadt. „Hier treffen Münchner und Touristen aus fast allen Ländern aufeinander“, sagt Neumer. „Deshalb wünsche ich mir die polizeiliche Videoüberwachung.“ Neumers Plan: Mit so genannten Dome-Kameras (siehe Kasten) soll das Tal an vier Stellen gesichert werden. Die erste Kamera am Alten Rathaus, die zweite an der Ecke zur Maderbräustraße, die dritte am Abzweig zur Hochbrückenstraße und eine vierte an der Ecke Isartor/Pflugstraße. Drauf schauen müsste dann die Polizei. „Am liebsten wäre mir eine Live-Überwachung, aber das müssen die Beamten entscheiden“, sagt Neumer. Es wäre auch in Ordnung, wenn die Kameras nur aufzeichnen. „Mir geht es darum, dass man Zugriff auf die Bilder hat, wenn etwas passiert.“

Derzeit prüfen Präsidium und KVR, ob sich Neumers spektakulärer Plan umsetzen lässt.

Hier wird außerdem überwacht

Die Polizei überwacht mit jeweils drei Kameras den Platz um das Sendlinger Tor und den Stachus. Die Kameras, die während der Wiesn und der Christkindlmärkte aufgebaut sind, stehen dort nur für diese Zeit. Dazu kommen hunderte Kameras für die Verkehrsüberwachung. Diese Bilder werden dann in der Verkehrsleitzentrale ausgewertet.

Mittlerweile sind alle S-Bahnzüge mit Kameras ausgestattet. Das macht bei 253 Zügen 3988 Kameras. Die Bilder aus diesen Kameras zeichnen aber nur auf und werden nach 72 Stunden wieder überspielt. Dazu kommen Kameras an allen Bahnhöfen der Stammstrecke, sowie an ausgewählten anderen Bahnhöfen. Auch hier werden die meisten Aufnahmen nur aufgezeichnet. Lediglich an großen Bahnhöfen, wie dem Hauptbahnhof, werden die Kameras überwacht.

Auch bei der MVG sind Kameras im Einsatz. Von insgesamt 4500 Stück sind 3000 in Fahrzeugen und 1500 in den Bahnhöfen untergebracht.

So funktioniert's:

Die „Dome-Kamera“ (Foto) hat eine halbrunde, getönte Kuppel aus Kunststoff. Weil für Passanten schwer zu erkennen ist, wo gerade gefilmt wird, wird eine höhere Abschreckung erzielt. Außerdem sind diese Kameras besser gegen Manipulationen und Vandalismus geschützt als herkömmliche Modelle. Dome-Kameras kommen zur Videoüberwachung zum Einsatz, etwa in besonders stark gefährdeten Bereichen sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln.

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