Jetzt muss der 81-Jährige die Schulden zahlen

Gemeiner Kreditkarten-Trick: Rentner um 4600 Euro geprellt

+
Kartenärger: Josef Grimm (re.) mit Bürgeranwalt Dietmar Gaiser.

München - Josef Grimm wurde seine Kreditkarte gestohlen, damit sein Konto leergeräumt. Jetzt muss er die Schulden abbezahlen. Kann der tz-Bürgeranwalt helfen?

Man hat mir meine Kreditkarte gestohlen und mein Konto leer geräumt. Es fehlen 1600 Euro Guthaben, außerdem hat man das Konto mit 3000 Euro überzogen. Jetzt zahle ich Überziehungszinsen und stottere meine Schulden ab. Und das alles bei einer kleinen Rente. Als ich den Schaden bemerkte, bin ich sofort zur HypoVereinsbank gegangen. Aber dort sagte man mir nur, ich hätte sorgfältiger mit meiner Kreditkarte und der PIN umgehen müssen. Können Sie mir helfen? Josef Grimm (81), Rentner aus München

So weit der Brief des tz-Lesers. Als sich das Team des Bürgeranwalts mit dem Fall befasste, stellte er sich als viel dramatischer heraus als ursprünglich gedacht. Alles begann mit einem Anruf. Ein vermeintlicher Anwalt aus Hamburg rief angeblich im Auftrag der Bank bei Josef Grimm an und forderte ihn auf, umgehend seine Kreditkarte an eine bestimmte Adresse zu schicken. Josef Grimm steckte die Karte in ein Kuvert und warf es in den nächsten Briefkarten. Das war natürlich ein Fehler.

Wenig später rief die Polizei bei ihm an. Sie hatte eine Bande ausfindig gemacht, die mit diesem simplen Trick Kreditkarten ergaunerte und Konten leer räumte. Da Josef Grimm seinen Kontostand nicht regelmäßig kontrolliert, hatte er von den Abbuchungen, die sich über mehrere Tage hinzogen, nichts gemerkt. Es bleibt die Frage, wie die Gauner an die PIN gekommen sind, die ja zum Abheben notwendig ist. Das ist noch nicht vollständig geklärt, aber möglicherweise wurde sie vor der Aktion ausgespäht und die Opfer gezielt ausgesucht.

Da die Bank nicht schuld ist an dem Verlust, zahlt auch ihre Versicherung nicht. Josef Grimm blieb also auf den Schulden sitzen, bis sich der Bürgeranwalt einschaltete. Wir schilderten die Notlage des Rentners und nach einiger Zeit kam die Nachricht einer Sprecherin der Bank: „Wir suchen das Gespräch mit dem Verbrechensopfer und werden ihn in seiner aktuellen Notsituation unterstützen“.

Als wir das Josef Grimm mitteilten, war er natürlich überglücklich. Anscheinend ist er nicht der Einzige, der auf diese Weise hereingelegt wurde. Als er der Aufforderung der Polizei nachkam und sich zu einem Gespräch auf der Wache einfand, saßen dort bereits mehrere Personen, die auf die gleiche Weise hereingelegt worden waren. Auch für die Polizei ist diese Masche neu. So unverfroren hat bisher niemand versucht, an Kreditkarten zu kommen. Leider hat es funktioniert.

auch interessant

Kommentare