Zum Tode des ehemaligen OB

Georg Kronawitter: Seine Laufbahn und Errungenschaften

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Altbürgermeister am 1. Mai auf dem Marienplatz: Christian Ude, Jochen Vogel und in der Mitte Georg Kronawitter.

München - Von seinen Anfängen bis zu seinem Rückzug aus der Politik: Wir haben die größten Meilensteine von Georg Kronawitters Karriere zusammengefasst.

Er war der Rote Schorsch, der der CSU das Fürchten beibrachte, der für die „Kleinen Leute“ da war und schon vor 25 Jahren vor einer „Überhitzung des Dampfkessels München“ warnte. Die tz stellt die Meilensteine von Georg Kronawitters politischer Karriere dar:

Seine Herkunft

Georg Kronawitter als kleines Kind.

Am 21. April 1928 wird Kronawitter in Oberthann, damals ein kleiner Weiler in der Holledau, als Sohn eines Kleinbauern geboren. Nach Volksschule und Landwirtschaftlicher Berufsschule geht er 1944 auf die Lehrerbildungsanstalt. Als die Amis ihn gefangen nehmen, türmt er nach der dritten Nacht nach Hause. 1945 geht er als Bäckerlehrling zu Onkel Lorenz nach München, bevor er 1946 wieder aufs Lehrerkolleg darf. 1952 holt er das Abitur nach, studiert in München Wirtschaftswissenschaften, Pädagogik und Soziologie und legt 1956 das Staatsexamen als Diplomhandelslehrer ab.

Die politischen Anfänge

Im Januar 1962 tritt er in die SPD ein. Waldemar von Knoeringen, damals Landesvorsitzender der SPD, holt den jungen Studienrat zur Gründung eines agrarpolitischen Referats. 1966 bewird er Landtagsabgeordneter. Er vertritt einen Kleinbauern gegen den Milliardär August von Finck und macht sich einen Namen als Kämpfer für die „kleinen Leute“.

Die erste Amtszeit als OB

Als der damalige OB Hans-Jochen Vogel eine Kandidatur für eine weitere Amtszeit ablehnt, tritt Kronawitter als OB-Kandidat an und wird 1972 Oberbürgermeister. Er erlebt als Stadtoberhaupt die Wiedergeburt Münchens als weltoffene Sportmetropole – und ebenso die schwersten Stunden der Stadt nach dem 2. Weltkrieg mit dem Geiseldrama im Olympischen Dorf. Er lässt 127 000 Wohnungen bauen und tausende Bäume pflanzen. Wegen innerparteilicher Streitigkeiten in der Münchner SPD 1978 tritt er nicht zur Wahl an. Die SPD-Kandidatur übernimmt der damalige Stadtkämmerer Max von Heckel. CSU-Kandidat Erich Kiesl gewinnt.

Die zweite Amtszeit als OB

1984 gewinnt Kronawitter in seiner zweiten Kandidatur sensationell gegen den amtierenden CSU-OB Kiesl mit 58 Prozent. Trotzdem muss er mit der CSU die „Allianz der Vernunft“ schmieden, die erste schwarz-rote Allianz im Rathaus, die nach drei Jahren zebricht – weil der CSUler Hans-Peter Uhl zum Nachfolger Peter Gauweilers als KVR-Chef gewählt wird und nicht der von der SPD ins Rennen geschickte Christian Ude.

Die letzte Amtszeit

1990 holt er gegen den CSU-Spitzenkandidaten und Bundesminister Johnny Klein sogar 61,6 Prozent! Damit stürzt die CSU seit 1984 von über 50 Prozent auf 30,1 Prozent ab. Kronawitter geht bundesweit das erste große Rot-Grüne Bündnis im Rathaus ein. Er lässt weitere U-Bahnen, West- und Ostpark bauen. Die Christsozialen schimpfen auf ihn als „rot-grünen Bremser“ im Rathaus und werfen ihm „unternehmerfeindliche Politik“ vor, sowie „kleinkariertes Zurückhalten“ von neuen Gewerbeflächen. Kronawitters „Verweigerungshaltung“ sorge dafür, dass Spitzenkräfte der Wissenschaft kaum noch nach München zu bewegen seien. Doch Kronwitter entgegnet, dass die Stadt eine Entspannungsphase benötigt, damit sie langfristig von ihren horrenden Miet- und Bodenpreisen und ihren hohen Lebenshaltungskosten herunterkomme und wieder mehr Lebensqualität für Normalverdiener gewinne.

1990 muss Georg Kronawitter erleben, wie im Rahmen der Abwicklung des durch Managementfehler in eine Finanzkrise geratenen Immobilienkonzerns Neue Heimat 32 500 Wohnungen in München auf einen Schlag von der Gewerkschafts-Tochter zum Baumulti Doblinger wechseln. 1993 tritt Kronawitter zugunsten seines Wunsch-Nachfolgers Christian Ude zurück, der sich hauchdünn gegen seinen CSU-Kontrahenten Peter Gauweiler durchsetzen kann.

Die Zeit als Landtagsabgeordneter

Nach dem Ende der Oberbürgermeister-Karriere kehrt Kronawitter wieder zu seinen Wurzeln zurück und wird 1994 in den Landtag gewählt, in dem er bis bis 1998 bleibt. Danach wird Buchautor und tritt nur noch selten öffentlich auf.

Bürgerentscheid: Kein Hochhaus höher als der Dom

Georg Kronawitter sammelte Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren gegen Hochhäuser.

Es war nur eine knappe Mehrheit, aber sie war – auch im Wortsinne – ein hohes Gut: Kein Haus in München darf höher als 100 Meter sein. So wollte es Georg Kronawitter. Und so wurde es auch beschlossen, im Mai 2010.

Kronawitter hatte die Münchner überzeugt: Mit 50,8 Prozent der Stimmen hatten sie in einem Bürgerentscheid für das Ansinnen des SPD-Politikers gestimmt. Seinem damaligen Nachfolger im Amt des Oberbürgermeister, Christian Ude, fügte Kronawitter damit eine Niederlage zu. Er und alle im Stadtrat vertretenen Parteien hatten sich gegen das sogenannte Hochhausbegehren ausgesprochen. Am Ende setzte sich Kronawitter aber durch. Er hatte sich für den Erhalt des Münchner Stadtbildes stark gemacht. Kein Gebäude sollte höher als die Frauentürme der Marienkirche sein – sie werden auch in Zukunft die maximale Bauhöhe darstellen. Auch dafür werden Münchens Bürger Georg Kronawitter in Erinnerung behalten.

Alt-OB Georg Kronawitter - Sein Leben und Wirken in Bildern

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