Sie bringen die Stadt zum Beben

Geothermie-Messungen erschüttern München

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Der Fahrer spürt die Erschütterung, ausgelöst wird sie vom Messwagenfahrer.

München - Die Stadwerke suchen ab Montag mit den Rüttelmessungen Heißwasservorkommen in einer Tiefe ab 2200 Metern, um sie für die umweltfreundliche Fernwärme zu nutzen. Die Maschinen sind angsteinflößend.

Laut dröhnen die Maschinen, langsam senkt sich die Rüttelplatte. Dann hebt die Platte das 26 Tonnen schwere Fahrzeug. Wie ein leichtes Erdbeben fühlt sich die zwölf Sekunden dauernde Erschütterung an. Doch die Kaffeemaschine wird’s sicher niemandem vom Küchentrensen hauen, wenn am Montag die Vibro-Seismik-Messungen der Stadtwerke beginnen. Denn das Rütteln bewegt sich nur in einem Frequenzbereich von 12 bis 96 Hertz. „Für eine Messung müssen wir neun mal zwölf Sekunden rütteln. Dann können wir weiter“, sagt Ingenieur Gary Wright vom Entwicklerbüro DMT. Fünf Kilometer schaffen sie so am Tag.

Die Stadwerke suchen mit den Rüttelmessungen Heißwasservorkommen in einer Tiefen ab 2200 Metern, um sie für die umweltfreundliche Fernwärme zu nutzen. Ab Montag wird die Stadt deshalb von Ost nach West vermessen. Los geht’s in Putzbrunn, im März sollen die Rüttelfahrzeuge den Nymphenburger Schlosspark zum Beben bringen. Nur in der Altstadt, Schwabing, Bogenhausen und Milbertshofen wird es keine Messungen geben. Das zehn Meter lange und zweieinhalb Meter breite Vibrationsfahrzeug würde nicht durch die engen Straßen kommen. Zumal die Messungen stets im Konvoi mit drei Vibrationsfahrzeugen, Führungswagen und Absicherungsauto durchgeführt werden. „Rund um die Fahrzeuge sichern Mitarbeiter die Straße ab, Fußgänger und Radler können in einem Sicherheitsabstand vorbei“, sagt Christian Hecht von den Stadtwerken.

Wenn die Stadtwerke über 80 Grad heißes Wasser im Erdinnern finden, muss keiner um sein Heim fürchten. Die Standorte für die Anlagen sind auf städtischen Grundstücken. Wo heißes Wasser ist, wird nicht senkrecht runter in die Erde gebohrt.

In Freiham gräbt sich ein Bohrgerät schon seit Ende September mit bis zu 20 Metern pro Stunde ins Erdreich. Auch in der Schäftlarnstraße soll auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd eine Geothermieanlage entstehen. Bis 2025 wollen die Stadtwerke bis zu fünf Geothermieanlagen bauen. Wenn sie tief unter München kochend heißes Wasser finden.

Jasmin Menrad

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