Nun droht ihm eine Gefängnisstrafe

Alles noch viel schlimmer: Pater gesteht Missbrauch an Buben

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Ex-Pater Jürgen R. (46, li.) droht jetzt der Knast.

München - Zum zweiten Mal muss ein ehemaliger Pater wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht erscheinen. Er gesteht die Taten und verrät grausige Details. Nun droht ihm Gefängnis.

Vor eineinhalb Jahren bereits trat Pater Georg (46) aus dem Kloster Ettal (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) in die Anklagebank, damals noch mit erhobenem Kopf, in Anzug und Krawatte. Offen blickte er in die Kameras.

Nun wird er mit gesenktem Kopf in den Gerichtssaal geführt, trägt Jeans und ein blaues T-Shirt, die Haare sind gewachsen. Er sieht nicht mehr aus wie ein Pater. Und ist auch keiner mehr: Der Vatikan hat ihn aus dem Benediktinerorden ausgeschlossen, er darf das Priesteramt nicht mehr ausüben.

Aus Pater Georg wird Angeklagter Jürgen R.

Pater Georg ist jetzt nur noch der Angeklagte Jürgen R. Als solcher sitzt er seit 27. April in U-Haft und stand gestern erneut wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Doch diesmal wiegen die Vorwürfe schwerer als vergangenes Jahr. Der Fall hat sich gewendet: Hatte R. im Februar 2015 noch jeglichen Missbrauch bestritten, so legte er im Laufe des Prozesses ein Geständnis ab. Kurz darauf wurde er zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt - auf Bewährung.

Doch bei der Vernehmung eines Opfers stellte sich heraus, dass die Taten viel schlimmer waren als in der Anklage beschrieben. Deshalb klagte die Staatsanwaltschaft Jürgen R. erneut an. Er gab am Donnerstag alles zu: zehnfachen sexuellen und fünffachen schweren sexuellen Missbrauch eines damals zwölf- bis 13-jährigen Buben. 

Vorfälle im Präfektenzimmer

Während Pater Georg das Kind im Schuljahr 2003/2004 als Präfekt im Internat betreute, sei es zu den Vorfällen im Präfektenzimmer gekommen. So habe er mit dem Buben einen Film angesehen und Rotwein getrunken. Dann habe er sich an ihm vergriffen und befriedigen lassen. Die Details sind so schlimm, dass die Öffentlichkeit während der Aussage von Jürgen R. ausgeschlossen wird!

Ihm droht nun eine Gefängnisstrafe. Die Staatsanwältin forderte acht bis neuneinhalb Jahre Haft. Ein Rechtsgespräch zwischen den Beteiligten blieb noch ohne Ergebnis. Das Urteil folgt.

Nina Gut

Nina Gut

Nina Gut

E-Mail:gericht@merkur.de

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